Der erste große Film und dann gleich die ersten Preise eingeheimst: Die letzten Monate müssen ziemlich berauschend gewesen sein für Lauro Cress – ein bis vor Kurzem noch relativ unbekannter Regisseur, allerdings einer mit bekanntem Namen. Lauro Cress' Vater Curt Cress ist als Produzent und Schlagzeuger schon lange eine große Nummer im deutschen Kulturbetrieb. Der Junior spielte früher selbst in Bands, befasste sich auch schon intensiv mit Architektur und Fotografie, ehe er sich vor gut zehn Jahren auf das Filmemachen spezialisierte. Nach mehreren Kurzfilmen und Arbeiten in der Werbebranche debütierte er vor wenigen Monaten mit der Stefan-Zweig-Adaption "Ungeduld des Herzens", die jetzt mit einigen Vorschusslorbeeren in den Kinos startet.
"Ungeduld des Herzens" wurde zuletzt beim Max-Ophüls-Festival und dem Neiße Filmfestival als bester Spielfilm ausgezeichnet. Beim Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern gewann das Drama den Hauptpreis "Fliegender Ochse": "Das ist ein sehr außergewöhnlicher Film", lobte Andreas Dresen, Jury-Mitglied und selbst einer der angesehensten Filmemacher Deutschlands. Was Dresen besonders imponierte, war Cress' Umgang mit der knapp 90 Jahre alten literarischen Vorlage von Stefan Zweig. "Lauro Cress ist es wirklich gelungen, den Stoff mit Brachialgewalt in die Gegenwart zu katapultieren."
Stefan Zweigs "Ungeduld des Herzens" (1939), der einzige vollendete Roman des österreichischen Autors, erzählte seinerzeit von dem jungen Leutnant Anton Hofmiller. Bei Lauro Cress, der mit Florian Plumeyer das Drehbuch schrieb, heißt die Hauptfigur Isaac Nasic (verkörpert von Giulio Brizzi). Nasic absolviert in der Nähe von Berlin seine Ausbildung als Bundeswehrsoldat, als er bei einem Bowlingabend die junge Edith (Ladina von Frisching) kennenlernt. Erst auf den zweiten Blick sieht er, dass Edith, Tochter eines reichen Bauunternehmers, querschnittsgelähmt ist und im Rollstuhl sitzt. So beginnt eine außergewöhnliche Beziehung zwischen Zuneigung, Abhängigkeit, Schuld und Mitleid. Lauro Cress' "Ungeduld des Herzens" ist bereits die sechste Verfilmung des Zweig-Romans, in einer Nebenrolle wirkte unter anderem auch Thomas Loibl mit.