Karim (Mehdi Meskar) und seine etwas schrullige Freundin Lilly (Emily Cox) erwarten ein Baby.
"Nur ein Augenblick" erzählt vom Krieg in Syrien und gleichzeitig vom Leben in Deutschland.

Nur ein Augenblick

KINOSTART: 13.08.2020 • Drama • D/GB (2019) • 108 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
The Accidental Rebel
Produktionsdatum
2019
Produktionsland
D/GB
Laufzeit
108 Minuten

Filmkritik

Liebe, die in den Krieg zieht
Von Claudia Nitsche

"Nur ein Augenblick" ist ein Film über den Bürgerkrieg in Syrien, aber doch viel mehr: Das großartige Drama schafft es, zwei Welten miteinander verschmelzen zu lassen.

Sie könnten ein ganz normales Paar sein. Karim (Mehdi Meskar) wirkt geerdet, steht hinter seiner etwas schrulligen Freundin Lilly (Emily Cox). Heute merkt keiner mehr, dass Karims Eltern ihn vor fünf Jahren von seinem Bruder trennten. Sie ahnten die rebellische Ader der beiden jungen Männer, wussten, dass es in Syrien zu Problemen kommen würde. Daher zwangen sie Karim, nach Deutschland zu gehen und dort zu studieren. Er wirkt entspannt, fühlt sich mittlerweile wohl in Hamburg. Karim sieht seiner Zukunft nicht mal ängstlich entgegen, als Lilly schwanger wird. Die enge Beziehung zu seinem Bruder Yassir liegt auf Eis, bis ein Anruf kommt, der auf schlechte Nachrichten hindeutet. Hier beginnt Randa Chahouds Spielfilmdebüt "Nur ein Augenblick".

Yassir, der große Bruder, hat sich den Anordnungen der Eltern widersetzt, hat gekämpft und scheint jetzt in Not zu sein. Gegen jede Vernunft setzt sich Karim ins Flugzeug, um ihm zu helfen. Glaubt er selbst an seinen Satz "Ich bin in zwei Tagen zurück", oder wollte er sich damit nur Mut zusprechen?

Der Krieg in Syrien wurde schon häufig thematisiert, und vielen Produktionen ist es gelungen, entweder das Hier oder das Dort authentisch darzustellen. Bislang krankten die Erzählungen über dieses heikle Thema aber daran, dass es zu keiner Verknüpfung kam, dass der Blick auf die hiesige oder auf die uns fremde Seite fehlte. "Nur ein Augenblick" ist anders. Auch, weil der Film sofort mit Betreten des Krisengebiets unerträglich spannend wird – das Skript zerrt an der einen Hand Karim, an der anderen den Zuschauer ins Geschehen.

Regisseurin Randa Chahoud ist die Tochter eines syrischen Toxikologen und einer deutschen Politikwissenschaftlerin. Sie wusste schon sehr lange, dass sie einen Film über den Krieg machen muss. Studiert hat sie in Berlin, wo sie während eines Praktikums Kamera-Ikone Michael Ballhaus am Set von "Gangs of New York" über die Schulter schauen durfte. Doch weder dies noch ihre Musikvideos spielen hier eine tragende Rolle. Es ist wohl ihre persönliche Betroffenheit, die diesen Film zu einem packenden Ganzen macht. Nach Belieben wechselt die Regisseurin die Schauplätze, scheut keine Zeitsprünge und bleibt doch in ihrer Handlung stringent. Auch wenn sie Fragen den Krieg betreffend stellt, auch wenn sie mit vielen Menschen gesprochen hat, die dabei waren, bleibt der Film vom Standort Hamburg aus erzählt. Das schafft Nähe, macht "Nur ein Augenblick" nicht zu einer Geschichte vom schlimmen Anderswo.

Anhand von Karims Freundin, die viel tougher reagiert, als es die meisten Menschen könnten, bleiben wir in Deutschland verwurzelt, schaudern bei allem, was in der Fremde passiert. Dort, wo Karim plötzlich mit Gewalt konfrontiert ist und Entscheidungen trifft. Auch diesen zwischenmenschlichen Bereich erzählt Chahoud überzeugend. Das Drehbuch bleibt immer im Fluss, ein einziges Mal, zum dramatischen Höhepunkt, driftet der Film ins Melodramatische ab. Doch durch den letzten Teil, der sich mit Karim und Lilly in Hamburg beschäftigt, überzeugt "Nur ein Augenblick" endgültig. Insbesondere Emily Cox ("The Last Kingdom") begeistert mit ihrer starken Leistung.

Regisseurin Randa Chahoud bringt Gegensätze zusammen, ihr ist ein Beziehungsfilm gelungen, der in den Krieg zieht. Ihr Debüt ist auch deshalb besonders, weil es dem Zuschauer das Verdrängen und Wegschieben durch die Nähe zum deutschen Alltag sehr schwer macht.

Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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