Mit seinem Uni-Abschlusswerk "Selbstkritik eines bürgerlichen Hundes" setzte sich der junge Filmemacher Julian Radl­maier bei der Berlinale 2017 in der Kategorie "Perspektive Deutsches Kino" deutlich von seinen aufstrebenden Kollegen ab.

Die Film-im-Film-Komödie, die utopisch anmutet, sich aber selbst nicht zu ernst nimmt, lässt hoffen, dass von Radlmaier noch einiges zu erwarten ist.

Gefangen im Kapitalismus

Der Filmemacher Julian (Julian Radlmaier) würde gerne bei der Kanadierin Camille (Deragh Campbell) landen. Da das Geld knapp ist und niemand seine Projekte fördern will, heuert er auf einer Apfelplantage an und erzählt Camille, dass die Arbeit dort zur Recherche für einen kommunistischen Film diene. Sie ist davon begeistert und begleitet ihn ins idyllische Havelland.

Sie landen dort in einem ausbeuterischen Betrieb, bei dem Mehrarbeit auch nachts abgeleistet werden muss, wenn das Pensum tagsüber nicht geschafft wurde. Dabei machen es verschiedene Begegnungen und Vorfälle Julian immer schwieriger, seiner Flamme den Bilderbuchkommunisten vorzuspielen.

Verkopft, aber witzig

Radlmaier, der Drehbuch, Regie und Hauptrolle übernahm, hat einen Film geschaffen, der den Zuschauer fordert und zum Nachdenken anregt, aber gleichzeitig mit grandiosen Pointen aufwartet. Allerdings ist die Komödie so mit Ideen überladen, dass es stellenweise schwer fällt, jedem Einfall zu folgen.

Alles in allem ist das beim "Internatioal Film Festival Rotterdam" uraufgeführte Werk aber ein sehenswertes Stück, das frischen Wind in die hiesige Kinolandschaft bringt.