Das Leben von Yusuf ist kein Zuckerschlecken: Zusammen mit seiner Mutter Zehra wohnt der 20-jährige am Rande einer anatolischen Kleinstadt. Ihren Lebensunterhalt bestreiten Mutter und Sohn mit dem Verkauf von Milchprodukten ihrer beiden Kühen. Yusufs Alltag ist von harter Arbeit geprägt, die sich allerdings kaum noch lohnt, da auch vor Ort die Mechanisierung immer mehr voranschreitet. Was kaum jemand ahnt: Yussuf liebt Literatur und als eines Tages eine Zeitschrift eines seiner Gedichte veröffentlicht, wächst in ihm der Wunsch, aus seinem traditionellen Leben auszusteigen ...

Der aus Izmir stammende Regisseur Semih Kaplanoglu ("Angel's Fall") setzte dieses Drama nach einem Drehbuch in Szene, das er zusammen mit Nebendarsteller Orçun Köksal schrieb. "Milch", so die Übersetzung des Originaltitels, ist der zweite Teil eines dreiteiligen Zyklus um den jungen Yusef, den Kaplanoglu mit "Yumurta" ("Ei", 2007) begann. In "Süt" schildert der Regisseur geschickt die Konflikte, die zwischen Mutter und heranwachsenden Sohn aufbrechen, als dieser aus dem traditionell geprägten Rollenverständnis ausbricht. Darüber hinaus zeigt Kaplanoglu seine Heimat als ein Land zwischen Tradition und Moderne. So wie das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn einer Erneuerung bedarf, so muss auch die Türkei ihren Weg in die Moderne finden.



Foto: mîtosfilm