Rosa von Praunheim, Deutschlands Ikone der Schwulenbewegung, entwirft in "Tote Schwule, lebende Lesben" mit sieben kurzen Porträts die Vision einer von Frauen dominierten Subkultur. Damit erzählt er erstmals eine von seiner eigenen Person losgelöste Geschichte der Homosexualität und ihrer Unterdrückung, die er neu gewichtet: Während die homosexuellen Männer Deutschlands erst durch den Holocaust und später durch Aids herbe Verluste hinnehmen mussten, setzten sich laut Praunheim die lesbischen Frauen an die Spitze der sogenannten Queer-Bewegung. Die Protagonistinnen des Films umspannen zwei Generationen und stehen für Gegenwart und Zukunft der Homosexuellen in der Gesellschaft: die in Berlin lebende Türkin DJ Ipec, die sich souverän in der Clubszene bewegt, Manuela Kai, die das Lesbenmagazin L-Mag herausgibt, oder Laura und Silke Radosh, die mit ihrem Baby eine lesbische Krabbelgruppe besuchen.

Auch die Schauspielerin und Kabarettistin Maren Kroymann zählt dazu. Die männlichen Protagonisten dagegen gehören alle zu der Generation, die das Dritte Reich und Deutschland am repressivsten Punkt der Geschichte erlebten. Dort greift von Praunheim auf selbst gedrehtes Material seiner inzwischen gestorbenen Helden zurück, das er zu intensiven Porträts dreier ungewöhnlicher Männer verdichtet. Walter Schwarze und Albrecht Becker waren in der Nazizeit interniert, Entertainer Joe Luga kam erst unter der Regierung Adenauer ins Gefängnis. Er selbst nennt sich den "produktivsten und dienstältesten schwulen Filmemacher der Welt": Der 1942 geborene Rosa von Praunheim will noch möglichst viele Filme machen bis er 70 ist. Männer ab 70 hielten nur noch Monologe, und das wolle er vermeiden. 1971 hatte von Praunheim auf der Berlinale und später im deutschen Fernsehen mit seinem Film "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" provoziert und manche schockiert.