Als so genannte Spaß-Punks begannen sie 1984 ihre Karriere: Die Goldenen Zitronen. Neben Gruppen wie den Sternen, Blumfeld oder Tocotronic gehört die Punk- und Avantgardeband um die beiden Bandleader Schorsch Kamerun und Ted Gaier zu den Hauptfiguren der Hamburger Schule, der die Zitronen allerdings kritisch gegenüberstehen. Kritisch sind die Texte der Zitronen, man kann sie links nennen, einige gehen weiter und nennen sie gar linksradikal, denn sie beschäftigen sich immer wieder kritisch mit dem Staat und den sozialen Verhältnissen. Die Goldenen Zitronen sind letztlich weit mehr als eine Band, besser zutreffend ist die Bezeichnung Musiker-Kollektiv, das sich durch nichts und niemanden verbiegen lässt und auf seiner musikalischen Freiheit besteht. Auch deshalb haben sich die Zitronen nie von einer großen Plattenfirma vereinnahmen lassen.

Filmemacher Peter Ott, Professur für Film & Video an der Merz-Akademie/Stuttgart, gelang mit "Übriggebliebene ausgereifte Haltungen" ein vielschichtiges Porträt der Hamburger Punk-Band Die Goldenen Zitronen. Er begleitete seine Protagonisten an ständig wechselnde Orte, zeigt Interviews, befragte Ex-Mitglieder der Band, mixt Archivmaterial mit dokumentarischen Aufnahmen und inszenierten Szenen. Das mit den Zitronen nicht immer gut Kirschen essen ist, musste einst Filmemacher Jörg Siepmann erfahren, der die Band nach Amerika begleitete und diese Eindrücke in "Im Zentrum des rasenden Stillstands" (2003, lief im Kino unter dem Titel "Golden Lemons") verarbeitete. Die Zitronen waren von dem Resultat gar nicht erfreut und stuften die Doku als "außerordentliches Ärgernis" ein (vgl. Verlautbarung der Zitronen). Das wird Ott sicher nicht passieren, denn erhielt von der Band den Auftrag, anlässlich ihres 25-jährigen Jubiläums diesen Film über sie zu machen. Fazit: Ein interessanter Kapitel deutscher Musikgeschichte fernab von ferngesteuerten Retortenbands wie No Angels, Bro’Sis oder Monrose.

Foto: Salzgeber