Petach Tikva, ein nicht gerade nobler Vorort von Tel Aviv: Hier leben die beiden nicht allzu hellen Brüder Yaki und Shaul mit ihrer Familie, um die es nicht zum Besten steht. Seitdem der Vater arbeitslos geworden ist, droht der soziale Abstieg, die Obdachlosigkeit. Die überarbeitete Mutter versucht hingegen, die Familie mit allerlei Aushilfsjob vor dem Niedergang zu bewahren. Als Yaki zum Militär eingezogen wird und im Zuge dessen in den Besitz einer Waffe gelangt, planen er und sein Bruder eine Entführung, um die Familie zu retten. Gesagt, getan. Aber schon bald eskaliert die Situation und die Brüder sind zunehmend überfordert …

Endlich einmal wieder ein Film aus Israel, der nicht den allgegenwärtigen Nahost-Konflikt thematisiert, sondern in das Leben einer "normalen" Familie eintaucht. Langfilm-Debütant Tom Shoval, der dieses Drama nach eigenem Buch mitunter beklemmend in Szene setzte, weiß, wovon er spricht, denn er wurde in besagtem Tel Aviver Stadtteil geboren. Nicht nur dort ist die Welt von Gewalt gekennzeichnet, Waffen sind weit verbreitet und gehören zum Alltag. Zu diesem Szenario gesellt sich die Angst vor dem sozialen Abstieg, der die Brüder - klasse: die Zwillinge und Laiendarsteller David und Eitan Cunio - umtreibt, eine derartige Tat ohne Skrupel und Reue zu begehen. So ist "Youth" nicht nur das Porträt einer immer gewaltbereiten Gesellschaft, sondern auch das erschreckende Bild einer Jugend, die den Glauben und die Hoffnung an die Zukunft längst verloren hat.

Foto: Port-au-Prince (Barnsteiner)