Die Zukunft der Unterhaltung gehört Filmportalen wie Netflix und Amazon. Dort bestimmt der Zuschauer über das Programm. Aber wie funktioniert das neue Fernsehen? Wir stellen die wichtigsten Protagonisten vor und verraten, welcher Anbieter mit der größten Auswahl punktet.

Das lineare Fernsehen wird sich noch eine ganze Zeit halten. Vor allem bei Großereignissen wie Fußballspielen muss man einfach live dabei sein, um mitreden zu können. Doch das gilt nicht länger für das Abendprogramm. In der Streaming-Welt ist 20.15 Uhr, wann Sie es wollen. Wann immer Sie mit dem Essen fertig sind, wartet der Film schon auf Sie – und setzt genau an der Stelle wieder ein, an der zuvor pausiert wurde.

Sogenannte "Video-on-Demand"-Angebote versprechen Programmvielfalt auf Knopfdruck und im Abo. Sie bieten Filme, Serien und Dokumentationen auf Abruf – gesendet wird nicht über das lineare Fernseh-Signal der klassischen Sender, sondern über die Internetleitung. Das heißt aber nicht, dass man auf den "Fernsehgenuss" verzichten muss: Auf neueren Geräten, sogenannten Smart-TVs, befinden sich oft schon vorinstallierte Apps einzelner Streaming-Anbieter. Ältere Geräte lassen sich mittels HDMI-Adapter wie Googles "Chromecast" oder Amazons "FireTV Stick" (beide ab circa 40 Euro) im Handumdrehen aufrüsten. Diese werden einfach an den Fernseher angeschlossen und übertragen das Signal der Streaming-Dienste dann vom Computer. Und natürlich lassen sich die Angebote auch direkt auf dem Computer, dem Laptop oder einem mobilen Endgerät wie Tablet oder Smartphone anschauen.

Für ein ruckelfreies Seherlebnis sollte die Bandbreite des Internetanschlusses mindestens sechs MBit/s umfassen. Aber keine Sorge: Wenn die Leitung im Haus schon anderweitig belegt ist, senken die Anbieter einfach entsprechend die Qualität. In Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren eine kleine Gruppe Streaming-Plattformen hervorgetan, die den Sendergruppen immer mehr Zuschauer abjagen. Mit moderaten Preisen lässt sich auf eine Vielzahl von aktuellen Film- und Serien-Highlights zugreifen. Hier stellen wir Ihnen die besten Streaming-Angebote vor.

Amazon Prime Instant Video: der Favorit der Deutschen

Amazons Pauschale für Lieferkosten umfasst seit drei Jahren auch einen Online-Videodienst (www.primevideo.com). Für 69 Euro im Jahr oder 8,99 Euro im Monat erhalten Sie Zugriff auf rund 20.000 Titel und zahlreiche prämierte Serien, wie zum Beispiel "Mr. Robot", "The Night Manager" und "Homeland". Im März kommt dann auch noch die neue Hacker-Serie "You Are Wanted" mit Matthias Schweighöfer dazu. Und mit "Manchester By The Sea" ist nun sogar die erste Filmproduktion von Amazon für einen Oscar als bester Film nominiert.

Netflix: die beste Quelle für Original-Inhalte

Mit der Menge an Eigenproduktionen stiehlt Netflix (www.netflix.de) der Konkurrenz die Show. Für den Dienst entscheidet man sich nicht etwa wegen des "übersichtlichen" Filmkatalogs von 1.500 Filmen, sondern aufgrund der überdurchschnittlich unterhaltsamen Exklusivtitel. Diese werden Monat für Monat mehr, denn Netflix investiert Millionen in Inhalte nur für seine Kunden. Für 7,99 Euro pro Monat (plus zwei Euro für HD-Auflösung) erhalten Abonnenten Zugriff auf Serien wie "House of Cards", "The Crown" oder "Orange Is The New Black". Wer sich einmal festgeschaut hat, wird mit der großen Serien-Auswahl von Netflix länger beschäftigt sein, als mit dem Film-Angebot der Konkurrenz.

Maxdome: immer einen Schritt voraus

Maxdome (www.maxdome.de) bietet für 7,99 Euro pro Monat ebenfalls eine enorme Auswahl – darunter 10.000 Filme, eine kleine Auswahl internationaler Serien und vor allem viele deutsche Formate. Lange Zeit galt der Offlinemodus, mit dem sich bis zu 25 Titel für 30 Tage auf dem Smartphone oder dem Tablet speichern lassen, als Besonderheit. Doch inzwischen haben die Mitbewerber nachgezogen und bieten diese Funktion ebenfalls an. Nun will Maxdome mit der ersten deutschen Serienproduktion für eine Streaming-Plattform punkten: Das Comedy-Format "Jerks" stammt aus der Feder von Christian Ulmen und zeigt ihn und seinen Kumpel Fahri Yardim als erfolglose Künstler. Generell gilt bei der Gesamtauswahl aber leider: Masse statt Klasse.

Sky Ticket: der günstige Blick über den großen Teich

Für 9,99 Euro pro Monat gibt es 200 neuere Serien im Entertainment-Paket bei Sky Ticket, das sich als günstigere Alternative zum großen Sky-Abo präsentiert (skyticket.sky.de). In dem Angebot kommen vor allem Fans amerikanischer Formate wie "Game of Thrones", "Mad Men" und "The Walking Dead" auf ihre Kosten. Ein weiteres Herausstellungsmerkmal: Die Inhalte sind oft auch mit Originalton verfügbar.

MUBI: der Außenseiter mit Indie-Schwerpunkt

Frischer Wind in der Streaming-Landschaft: Wer 5,99 Euro pro Monat ausgibt, bekommt von den MUBI-Filmexperten jeden Tag einen neuen Titel vorgestellt (www.mubi.com/de). Dieser bleibt einen Monat lang verfügbar. Das ergibt am Ende des Jahres 365 handverlesene Filme – darunter Klassiker, Independent- und Festival-Beiträge. Während andere Anbieter an ihrer eingeschränkten Auswahl kranken, gehört die bei MUBI zum Erfolgskonzept.

Fazit

Das allumfassende Streaming-Angebot gibt es noch nicht. Den besten Gesamteindruck hinterlässt aber Amazon. In puncto Stabilität und Übertragungsqualität schlägt der Versandhändler einfach alle. Auf dem zweiten Platz: Netflix, das mit seiner Serienauswahl und dem detaillierten Empfehlungsalgorithmus glänzt. Da es aufgrund der ständig wechselnden Lizenztitel unmöglich bleibt, die Anbieter auf ihr Gesamtangebot festzulegen, empfiehlt es sich aber, alle Plattformen mit ihren Stärken und Schwächen selbst zu testen. Fast alle ermöglichen bis zu 30 Tage Probezeit – und in denen können schon viele Highlights entdeckt werden.