Pete Postlethwaite

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Pete Postlethwaite wurde erst mit 50 zum Star
Pete Postlethwaite
Geboren: 07.02.1945 in Warrington, Cheshire, Großbritannien
Gestorben: 02.01.2011 in Shropshire, England, Großbritannien

Pete Postlethwaite, der Mann mit den markantesten Wangenknochen der Filmgeschichte, war, zumindest was seine Kinokarriere angeht, ein Spätstarter. Zwar tauchte er schon in den Siebzigerjahren hier und da auf der Leinwand auf, doch erst seine Oscar-Nominierung für "Im Namen des Vaters" (1993) machte ihn weltweit bekannt. Seither zählte er zu den meist beschäftigten Nebendarstellern. Dabei gelang es ihm, erfolgreich jedes Rollenklischee zu vermeiden; Pete Postlethwaite war im Thriller und im Kostümdrama, in der Komödie und im Actionfilm, ja sogar im Puppentrickfilm zu Hause. Auch wenn nicht alle seine Filme sehenswert sind, die Leistung Pete Postlethwaites war es meist.

Jahrzehntelang hatte Pete Postlethwaite Erfahrungen auf der Bühne gesammelt. Er trat mit dem Manchester Royal Exchange und dem Liverpool Everyman auf, beides renommierte Theatergruppen, schließlich sogar mit der Royal Shakespeare Company. Im Film reichte es zunächst nur zu winzigen Nebenrollen, so in Ridley Scotts "Die Duellisten" (1977) mit Harvey Keitel und Keith Carradine. Seit 1984 sah man Pete Postlethwaite häufiger im Kino, und ganz langsam wurden auch seine Nebenrollen etwas größer. "Magere Zeiten - Der Film mit dem Schwein" (1984) von Malcolm Mowbray mit Michael Palin und Maggie Smith gab so etwas wie einen gedämpften Startschuss. Man sah Pete Postlethwaite - nach wie vor eher unbemerkt - in "Der Priestermord" von Agnieszka Holland und "Entfernte Stimmen - Stilleben" von Terence Davies (beide 1988). Auch in "Hamlet" (1990) von Franco Zeffirelli reichte es nicht zu einer großen Rolle.

In "Der letzte Mohikaner" (1992) spielte Pete Postlethwaite zusammen mit Madeleine Stowe und Daniel Day-Lewis, an dessen Seite er später seinen Durchbruch erleben sollte. Das war dann schon zwei Jahre später in Jim Sheridans IRA-Drama "Im Namen des Vaters" (1994), wo er endlich einmal eine Rolle bekam, die seinem Talent angemessen war. Belohnt wurde er dafür mit einer Oscar-Nominierung in der Kategorie bester Nebendarsteller. Nun hagelte es dankbare Rollen für Pete Postlethwaite. Um nur einige zu nennen: Er war der dubiose Mr. Kobayashi in "Die üblichen Verdächtigen" (1995) von Bryan Singer und Dennis Quaids Partner in dem Drachentöter-Spektakel "Dragonheart" (1996). Man sah ihn dem Thriller "Crimetime - Das Auge des Verbrechens" (1996), in den Realfilmpassagen des Puppenanimationsfilms "James und der Riesenpfirsich" (1996) nach Roald Dahl, in dem Blechblas-Film "Brassed off - Mit Pauken und Trompeten" (1996), in Baz Luhrmans schicker Shakespeare-Adaption "William Shakespeares Romeo & Julia" (1996) und zweimal bei Steven Spielberg: zum einen im Sklaverei-Drama "Amistad" (1997), zum anderen - als Großwildjäger - in "Vergessene Welt: Jurassic Park" (1997), sowie in dem Historiendrama Der Schlangenkuss" (1997).

Sogar mit Til Schweiger führte ihn seine Karriere schon zusammen, allerdings in einem missratenen Film, "Bastard" (1997), einer französisch-polnisch-deutschen Koproduktion. Eine sympathische Alltagsgeschichte folgte 1998 mit Sam Millers Melodram "Among Giants - Zwischen Himmel und Erde" und in Nick Willins Lewis Carroll-Verfilmung "Alice im Wunderland" gehörte er zum Edel-Cast um Robbie Coltrane, Whoopi Goldberg und Ben Kingsley. Darüber hinaus war er in der Realverfilmung des George-Orwell-Klassikers "Animal Farm" (1999) der Bauer Jones, dessen Tiere den Aufstand proben, in "Schiffsmeldungen" (2001) stand er unter der Regie von Lasse Hallström vor der Kamera und in dem Drama "Zwischen Fremden" war er erneut in einer kleinen, aber wichtigen Nebenrolle als Tert Card zu sehen.

Ein eher derbes Psycho-Drama mit Horrorelementen ist "Dark Water - Dunkle Wasser" mit Jennifer Connelly, während "Der ewige Gärtner" eine faszinierende John Le Carré-Verfilmung mit Ralph Finnes" ist. Dagegen frischte Postlethwaite mit der Sciencefiction-Action "Aeon Flux" (2005) wohl eher seinen Geldbeutel - das gilt auch für das Das Omen des Richard Donner-Klassikers "Das Omen" (2006). Nach einem Auftritt in dem eher durchschnittlichen Liebesdrama Closing the Ring - Geheimnis der Vergangenheit" (2007) ließ Postlethwaite in dem gelungene Dokudrama "Age of Stupid" (2009) als Archivar die Dummheit der Menschen Revue passieren, um dann 2010 noch einmal in zwei großartigen Werken sein ganzes schauspielerisches Können zu präsentieren: Einerseits in dem toll inszenierten und brillant gespielten Mix aus Scifi-Actioner und Thriller, "Inception" von Christopher Nolan, anderseits in dem hoch spannenden und überaus dramatischen Ganoven-Thriller "The Town" von Ben Affleck.

Am 2. Januar 2011 verstarb der bei seinen Kollegen äußerst beliebte Charakterdarsteller im Alter von nur 64 Jahren an den Folgen einer langen Krebserkrankung. Postlethwaite hinterlässt eine Frau und zwei Kinder.


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