Die Haschischkneipe, in der Arthur (Josef Hader) seit langem mal wieder Gras raucht, ist einer der Stationen seines nächtlichen Streifzugs mit Claire durch Amsterdam.
Mit der komödiantischen Freitod-Suche in Amsterdam "Arthur & Claire" hat Hauptdarsteller und Co-Autor Josef Hader weit weniger Fortune als in der Rolle des Schriftstellers Stefan Zweig in "Vor der Morgenröte".

Arthur & Claire

KINOSTART: 08.03.2018 • Drama • A / D / NL (2017) • 99 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Arthur & Claire
Produktionsdatum
2017
Produktionsland
A / D / NL
Laufzeit
99 Minuten

Filmkritik

Hader hadert mit dem Selbstmord
Von Andreas Günther

Als Stefan Zweig feierte er in "Vor der Morgenröte" einen Triumph, sein Regiedebüt "Wilde Maus" war durchaus ein kurzweiliger Spaß. Nun sucht Josef Hader mit weit weniger Fortune in Amsterdam tragikomödiantisch den Freitod.

Aus dem Leben scheiden zu wollen, ist naturgemäß schrecklich. Im Kino jedoch kann das Thema zu einer absolut amüsanten Angelegenheit werden. Insbesondere gilt das für Filme, die auf die Macht des Wortes zählen – oder auf seine Ohnmacht. Denn die Sprache sieht oft absurd blass aus, wenn jemand große Dinge mit ihr ausdrücken will. Solche Wirkungen kann der Wiener Schauspieler, Kabarettist und Autor Josef Hader vielleicht am besten hervorbringen. In Miguel Alexandres "Arthur & Claire" sticht seine Gestalt im Strom der Amsterdamer Passanten sofort als die von jemandem heraus, der schräg ins Dasein gestellt ist und darauf drängt, daraus zu entschlüpfen. Aber mit einem Heben der Augenbraue vermag er eben nicht nur das Jammertal der menschlichen Existenz anzuzeigen, sondern auch die verzweifelte Anhänglichkeit daran. Bedauerlicherweise will dieses Doppelgefühl in "Arthur & Claire" nicht zu einer abendfüllenden Geschichte werden.

Es gibt nur Umrisse davon: Für sein selbstbestimmtes Ableben hat sich Arthur (Josef Hader) einen sozusagen todsicheren Plan geschmiedet, gespickt mit üblichen Genüssen wie einem letzten delikaten Mahl. Nur rechnet der in die Jahre gekommene Herr nicht damit, das andere Ähnliches vorhaben. Zu Neujahr fliegt er von Wien nach Amsterdam, um dort in einer Spezialklinik Giftspritze und Betäubungsmittel zu erhalten. Den Abend zuvor will er in einem ebenso teuren wie geschmackvollen Hotel auf seinem Zimmer verbringen. Auf seine Essensbestellung wartend, am Wein nippend, müht er sich, einen Brief an seinen Sohn zu schreiben. Das will ihm nicht gelingen, vermeintlich, weil nebenan zu laute Musik gespielt wird.

Als er an die betreffende Tür klopft, öffnet ihm mit der garstigen Holländerin Claire (Hannah Hoekstra) eine junge Frau, die sich gerade mit Tabletten umbringen will. Beide finden instinktiv, dass der jeweils andere sich besser nichts antun sollte. Claires Aufbruch zur nächsten Apotheke, um sich neue Tabletten zu holen, nachdem Arthur die anderen ins Klo gespült hat, wird zur Gelegenheit, gemeinsam durchs nächtliche Amsterdam zu streifen. Vom Restaurant zur Haschischkneipe, von der Disko in die Whiskeybar treibend, versuchen sie, einander das schöne Leben zu preisen und den Abgang auszureden.

Weder mit dem einen noch dem anderen will es recht klappen. Sein Tumor im Hals und ihre Trauer um ihre tote kleine Tochter – das sind Gründe zum Sterben, gegen die das Drehbuch sich machtlos zeigt. Naheliegenderweise könnten die beiden füreinander das Leben wieder lebenswert machen. Aber für eine unglaubwürdige Romanze zwischen ergrautem Mann und flippiger junger Dame ist der Film glücklicherweise zu klug, und für echte Freundschaft ist das Verhältnis zwischen ihnen unglücklicherweise nicht warmherzig genug.

Was sie eigentlich reden sollen, wissen die Figuren nicht so recht. Schuld daran sind die Autoren, Hader und sein Regisseur Miguel Alexandre, die sich lange einfallslos mit nationalpsychologischem Gezänk über Deutsche, Österreicher und Holländer aufhalten. Und auch der bei Haders Talent erwartete melancholisch-komische Effekt, wenn Lebende sprachlich über den Tod verfügen wollen, zündet nicht. Arthurs Antwort auf Claires Frage, ob er Amsterdam kenne: "Naaah, ich bin zum Sterben hier", während er in ein Stück Fleisch beißt, bleibt einer jener erratischen, sterilen Bonmot-Blöcke, aus denen sich nichts entwickelt. Hader hadert mit seinem Stoff bis zum Verdruss.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

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