Zwei Legenden, die sich auch in der fiktionalen Variante ihres Lebens und des vielleicht größten Tennis-Matches aller Zeiten sehen lassen können - vor allem auf der großen Leinwand. Shia LaBeouf (links) als John McEnroe und Sverrir Gudnason als Björn Borg.
Fantastisches Sportlerdrama "Borg/McEnroe": Das mit Shia LaBeouf (McEnroe) und dem schwedischen Borg-Doppelgänger Sverrir Gudnason besetzte Drama ist einer der besten Filme des Kinojahres 2017.

Borg/McEnroe - Duell zweier Gladiatoren

KINOSTART: 19.10.2017 • Drama • DK / S / FIN (2017) • 108 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Borg/McEnroe
Produktionsdatum
2017
Produktionsland
DK / S / FIN
Budget
7.977.342 USD
Einspielergebnis
16.657.800 USD
Laufzeit
108 Minuten
Kamera

Filmkritik

Zwei, die Grenzen überschritten
Von Eric Leimann

Das brilliante Biopic "Borg/McEnroe - Duell zweier Gladiatoren" von Regisseur Janus Metz ist eines der besten Sportfilm-Dramen aller Zeiten. Großartig von Shia LaBeouf und Sverrir Gudnason gespielt, blickt der Zuschauer in die getriebenen Seelen zweier Tennis-Stars.

Zwei fantastische Hauptdarsteller und die Bildgewalt des dänischen Newcomer-Regisseurs Janus Metz machen aus dem Sportfilm über zwei Tennis-Legenden ein mitreißendes Kinoerlebnis. Metz und der 32-jährige Drehbuchautor Ronnie Sandahl erzählen die Tage und Wochen vor dem Wimbledon-Finale 1980 aus zwei Perspektiven: der von Borg und jener von McEnroe. Man sollte sich unbedingt die schwedisch-englische Originalversion von "Borg/McEnroe" ansehen. "Die unterschiedliche Art, wie man Mensch sein kann" (O-Ton Regisseur Janus Metz) lässt sich auch darüber verstehen, wie Borg und McEnroe mit ihren jeweiligen Vertrauten sprechen. Schade, dass der mit Shia LaBeouf (McEnroe) und dem schwedischen Borg-Doppelgänger Sverrir Gudnason besetzte Film bisher auf Festivals kaum Preise einheimsen konnte. Es ist eines der besten Sportfilm-Dramen aller Zeiten.

Das Setting war wie das einer griechischen Tragödie. Nur mit dem Unterschied, dass es beim ersten Wimbledon-Finale von Björn Borg und John McEnroe nicht um Leben oder Tod ging, sondern nur um den Sieg im wichtigsten Tennis-Match des Jahres 1980. Doch was heißt schon "nur", wenn Niederlagen für extreme Charaktere wie Borg und McEnroe in etwa mit dem Tod gleichzusetzen sind?

Der Schwede Borg, im Sommer 1980 erst 24 Jahre alt, galt damals als bester Tennisspieler aller Zeiten. Er hatte das wichtigste Turnier der Welt viermal in Folge gewonnen. Ein fünfter Sieg hätte ihn zum alleinigen Rekordhalter gemacht. Im Sommer 1980 fühlte er sich jedoch, als wäre er in einem Käfig gefangen. Ängste plagten ihn, die Formkurve zeigte nach unten. Borg, der schon mit 15 Jahren für sein Land im Davis Cup spielte und ein Jahr nach dem Finale 1980 mit Mitte 20 die Karriere beendete, fühlte sich ausgebrannt. Ganz anders der 20-jährige Newcomer und Tennis-Rüpel John McEnroe. Dessen Stern ging damals gerade am Sporthimmel auf. In einer Zeit, als Tennisspieler noch wie Rockstars gefeiert wurden, sollte dem Amerikaner die Zukunft gehören.

Große Nähe zu den Figuren

Sandahl und Metz springen mit ihrer Erzählung zwischen verschiedenen Zeitebenen hin und her. Um die beiden Extrem-Charaktere zu verstehen, sieht man sie auch in zwei verschiedenen Phasen ihrer Jugend – unter anderem dargestellt von Björn Borgs tatsächlichem Sohn Leo. Was an "Borg/McEnroe" neben den großartigen Schauspielern so verfängt – auch Stellan Skarsgård ("River") ist als Borg-Trainer Lennart Bergelin eine Wucht – ist die Nähe, die Metz zu seinen fast dokumentarisch ausgeleuchteten Figuren aufbaut. Viele Szenen sind einfach still. Sie zeigen die Spieler in ihren Hotelzimmern. Wie sie duschen oder an die Wand starren. Auch andere Routinen der Hochleistungssportler werden wie heimlich von der Kamera beobachtet. Doch nie mit der Idee, zwei heldenhafte Titanen zu zeigen, sondern über das äußere Betrachten zweier Männer in deren getriebene Seelen einzudringen. Dies gelingt auf großartige Weise.

Ein bildgewaltiges Tennis-Match gibt es am Ende dennoch. Das Finale vom 5. Juli 1980 setzt Metz so mitreißend in Szene, dass man glaubt, man stände als Balljunge selbst auf dem Centre Court. Auch das ist eine Überraschung, denn gerade mit der Inszenierung des Sports an sich tun sich fiktional erzählte Sportlerdramen gemeinhin schwer. Im Prinzip verständlich: Wie soll man allerhöchstes Niveau von Leibesübungen inszenieren, die es leider nur "in echt" gibt? Der 1974 geborene Janus Metz hat diese Quadratur des Kreises auf seinem in Prag nachgebauten Centre Court dennoch geschafft. "Borg/McEnroe" mag von vielen Kritikern als Sportler-Biopic übersehen werden, tatsächlich ist es einer der besten Filme im Kinojahr 2017.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

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