Hanni Lévy (Alice Dwyer) färbt sich dem arischen Vorbild entsprechend ihre Haare blond.
Das Doku-Drama "Die Unsichtbaren - Wir wollen leben" ist ein sehenswerter Film voller emotionaler Wucht.

Die Unsichtbaren - Wir wollen leben

KINOSTART: 26.10.2017 • Drama • D (2017) • 110 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Die Unsichtbaren
Produktionsdatum
2017
Produktionsland
D
Laufzeit
110 Minuten
Regie

Filmkritik

Im Untergrund
Von Christopher Diekhaus

Mit "Die Unsichtbaren - Wir wollen leben" hat Claus Räfle ein wuchtig-informatives Doku-Drama inszeniert, das die Erlebnisse von vier abgetauchten Juden während des Zweiten Weltkriegs schildert. Absolut sehenswert!

Dass trotz unzähliger Film- und Fernseharbeiten über die NS-Zeit noch immer aufrüttelnde und erhellende Werke entstehen können, bewies 2016 die Romanadaption "Nebel im August". Am Beispiel der Leidensgeschichte des Ernst Lossa machte Kai Wessel darin auf die systematische Ermordung psychisch kranker und behinderter Menschen zwischen 1939 und 1944 aufmerksam. Ein Kapitel, das im Kino bis dahin nur wenig Beachtung gefunden hatte. Ähnlich mitreißend und aufschlussreich präsentiert sich das Doku-Drama "Die Unsichtbaren – Wir wollen leben", mit dem Claus Räfle den gefährlichen, oft entbehrungsreichen Alltag vier abgetauchter jüdischer Jugendlicher im Berlin des Zweiten Weltkriegs nachzeichnet.

Als die Nazis damit beginnen, die Juden in den "Osten zu evakuieren", wie es im Film gemäß dem NS-Jargon verharmlosend heißt, bleibt der junge Grafiker Cioma Schönhaus (Max Mauff) dank seiner Arbeit zunächst verschont. Aus Angst vor den Behörden entzieht er sich jedoch schon bald ihrem Zugriff und verdient sich mit dem Fälschen von Pässen seinen Lebensunterhalt. Die Arzttochter Ruth Arndt (Ruby O. Fee) wird beim Abtauchen von ihrer Familie getrennt und kleidet sich wie eine Soldatenwitwe, um wenigstens ab und an ihre wechselnden Verstecke verlassen zu können.

Auf die Straße traut sich auch die auf äußerste Vorsicht bedachte Hanni Lévy (Alice Dwyer), die sich dem arischen Vorbild entsprechend ihre Haare blond färbt. Ein unstetes Dasein fristet nicht zuletzt der 16-jährige Eugen Friede (Aaron Altaras), der auf Umwegen in die Obhut des Hitler-Gegners Hans Winkler (Andreas Schmidt) kommt und sich dort dem aktiven Widerstand gegen die Nazis anschließt.

Vier Schicksale, vier wendungsreiche Lebenswege beschreibt Räfle im Detail und setzt damit exemplarisch auch den anderen untergetauchten Berliner Juden ein Denkmal. Rund 7000 Menschen versuchten damals in der deutschen Hauptstadt, aus der öffentlichen Wahrnehmung zu verschwinden, der Ächtung und Verfolgung zu entfliehen. Am Ende überlebten jedoch nur 1500 von ihnen, was die hochgradig gefährliche Lage der "Unsichtbaren" unterstreicht. Sicher konnten sie sich niemals sein, zumal das Spitzelsystem der Nazis weder vor Kindern noch vor jüdischen Mitbürgern Halt machte.

Nachgestellte Szenen und Inteviews mit realen Zeitzeugen

Seine ausgeprägte emotionale Wucht erzeugt die filmische Aufarbeitung durch die geschickte Kombination von nachgestellten Spielszenen und Interviews mit den vier realen Zeitzeugen. Schönhaus, Arndt (nach ihrer Hochzeit den Namen Gumpel tragend), Lévy und Friede erweisen sich als fesselnde Erzähler und bringen in ihren berührenden Berichten diverse Empfindungen zum Ausdruck: Schmerz über den unglaublichen Massenmord an den Juden. Dankbarkeit für die Hilfe derjenigen, die ihr Leben im Untergrund ermöglichten. Und ein großes Staunen über das Glück, davongekommen zu sein.

Mitunter gehen die Schilderungen aus den Interviewpassagen direkt in die Spielfilmsequenzen über, die dadurch eine besondere Lebendigkeit und Authentizität ausstrahlen. Ein Gefühl für das Zeitgeschehen und die bedrückende Atmosphäre vermitteln darüber hinaus fortlaufend eingestreute Archivaufnahmen aus den Straßen von Berlin.

Da "Die Unsichtbaren – Wir wollen leben" seine unterschiedlichen Mittel überzeugend verknüpft und in den Hauptrollen gut besetzt ist, fällt es nicht negativ ins Gewicht, dass einige Dialoge und Nebendarsteller etwas hölzern wirken. Insgesamt gelingt es Räfle vorzüglich, Dramatik und Information zu bündeln, was den Film auch und gerade für junge Menschen absolut sehenswert macht. Allein vor dem Hintergrund, dass es heute, mehr als 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, immer weniger Zeugen des einstigen Grauens gibt. Räfles vielschichte Regiearbeit hält ihre Erlebnisse zum Glück auf eindrucksvolle Weise für die Nachwelt fest.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

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