Nachdem ihre Mutter verstorben ist, wächst Albrun (Alekesandra Cwen) auf sich allein gestellt auf.
"Hagazussa - Der Hexenfluch" ist ein minimalistischer aber stimmungsvoller Horrorfilm.

Hagazussa - Der Hexenfluch

KINOSTART: 17.05.2018 • Horror • D (2017) • 102 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Hagazussa
Produktionsdatum
2017
Produktionsland
D
Filmstudio
Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB), Retina Factory, ARD
Laufzeit
102 Minuten
Regie
Lukas Feigelfeld
Music
Mmmd
Kamera
Mariel Baqueiro

Filmkritik

Fatale Ausgrenzung
von Christopher Diekhaus

Erst Anfang 2018 schickte sich Regisseur und Drehbuchautor Michael David Pate an, das brachliegende Horrorschaffen hierzulande wiederzubeleben. Sein Anstaltsschocker "Heilstätten" hangelte sich trotz eines modernen YouTube-Anstrichs allerdings an sattsam bekannten Genremustern entlang und ließ das große Vorbild "The Blair Witch Project" ständig durchscheinen. Deutlich weniger konventionell und formelhaft präsentiert sich der an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin entstandene Abschlussfilm des Österreichers Lukas Feigelfeld. "Hagazussa – Der Hexenfluch" ist ein minimalistisches Schauerstück, das erstaunlich stilsicher daherkommt.

Eine Alpenregion im 15. Jahrhundert: Abseits der Dorfgemeinschaft führen die kleine Albrun (Celina Peter) und ihre Mutter (Claudia Martini) ein beschwerliches, hartes Leben in den Bergen und werden von ihren Mitmenschen als Hexen verunglimpft. Als ihre Mutter einer Krankheit – vermutlich der Pest – erliegt, ist das kleine Mädchen plötzlich ganz auf sich allein gestellt.

Über die Jahre wächst Albrun zu einer jungen Frau (stark gespielt von Aleksandra Cwen) heran und bringt ihrerseits ein Kind zur Welt, über dessen Vater man jedoch nichts erfährt. Während sie ihr Baby und sich selbst durchzubringen versucht, fühlt sich die noch immer geächtete Ziegenhirtin zunehmend von einer unheimlichen Präsenz verfolgt.

Unmenschliche Bedingungen

Dass er Stimmungen eindringlich auf die Leinwand transportieren kann, beweist Lukas Feigelfeld schon zu Anfang, wenn er Mutter und Tochter durch eine unwirtliche Schneelandschaft stapfen lässt. Beunruhigend ist auch der Anblick einiger seltsam maskierter Dorfbewohner, die mit Fackeln vor der abgelegenen Hütte der beiden Außenseiterinnen aufmarschieren. Seinen Horror bezieht "Hagazussa – Der Hexenfluch" nicht aus plumpen Schockeffekten, sondern aus den unmenschlichen Bedingungen, unter denen Albrun und ihre Mutter leben. Ohne Aussicht auf Hilfe von außen muss das früh in eine Erwachsenenrolle gedrängte Mädchen mitansehen, wie die Erkrankte leidet und langsam dahinsiecht. Eine grausame Erfahrung, die zweifelsohne Spuren in der Seele hinterlässt.

Wo andere Regisseure mit hektischen Wendungen Spannung und Unbehagen erzeugen wollen, vertraut der junge Österreicher auf die Kraft der Bilder und des Tons. Mit seiner entschleunigten Erzählweise und seinen hypnotisch-rätselhaften Impressionen erinnert der dffb-Abschlussfilm an den grandiosen Horrorbeitrag "The Witch", fordert das Publikum aber noch ein Stück mehr heraus. Gesprochen wird in "Hagazussa – Der Hexenfluch" nur äußerst selten. Und noch dazu belässt Feigelfeld vieles im Ungefähren, was manche Zuschauer begeistern, andere frustrieren wird.

Bedrohlich dröhnende Musik

Obwohl in einigen Momenten das schmale Budget der alpinen Schauermär zum Vorschein kommt, ist es bemerkenswert, wie souverän der noch recht unerfahrene Filmemacher das sich stetig ausbreitende Grauen heraufbeschwört. Neben den unheilvollen Aufnahmen der Bergwelt tragen vor allem die bedrohlich dröhnende Musik und die gespenstische Klangkulisse des Handlungsortes dazu bei, dass eine durchdringende Paranoia-Stimmung entsteht.

Ähnlich wie "The Witch" beleuchtet Feigelfelds Abschlussarbeit die Stigmatisierung von Frauen, die dunklen Seiten der patriarchalen Ordnung und das zerstörerische Potenzial des Aberglaubens. Herausgekommen ist ein atmosphärischer Heimathorrorfilm, der sicherlich einiges an Geduld einfordert, zugleich aber auch ein mysteriös-faszinierendes Psychogramm entwirft. Schon jetzt darf man gespannt sein, womit der österreichische Regisseur als Nächstes auf sich aufmerksam machen wird.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

Weitere Darsteller
Aleksandra Cwen Claudia Martini Tanja Petrovsky Haymon Maria Buttinger Celina Peter Gerdi Marlen Simon Franz Stadler Thomas Petruo Judith Geerts Kilian Abeltshauser Maximilian Hinterberger Richard Gerum Leona Berner Fabienne Peter Malena Berner Iris Berner Andrea Esletzbichler Martin Eisl Benjamin Travincek Simon Lubinski

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