Annie (Toni Collette) weiß nicht, was es mit den übernatürlichen Vorkommnissen auf sich hat.
"Hereditary - Das Vermächtnis" machte bereits vor Kinostart von sich reden.

Hereditary - Das Vermächtnis

KINOSTART: 14.06.2018 • Horror • USA (2018) • 128 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Hereditary
Produktionsdatum
2018
Produktionsland
USA
Budget
10.000.000 USD
Einspielergebnis
13.579.211 USD
Laufzeit
128 Minuten
Regie

Filmkritik

Weit mehr als ein einfacher Horror-Streifen
Von Nadine Wenzlick

Was hat man nicht schon alles über "Hereditary – Das Vermächtnis" gehört. Das Langfilmdebüt von Nachwuchs-Regisseur Ari Aster sei der gruseligste Horror-Streifen seit Jahren. Der "Exorzist" dieser Generation. Laute Schreie habe man während der Weltpremiere beim Sundance Film Festival im Januar im Publikum vernommen. Und als der Trailer in einem Kino in den USA kürzlich versehentlich vor dem animierten Fantasyfilm "Peter Hase" gezeigt wurde, seien Hunderte, völlig verängstigte Kinder in Tränen ausgebrochen. All das hat zur Folge, dass das eigene Herz schon bis zum Hals rast, bevor man überhaupt im Kinosessel Platz genommen hat. Und das völlig zu Recht.

Es beginnt mit einer Todesanzeige. Ellen Graham, so erfahren wir gleich in den ersten Sekunden des Horror-Dramas, ist verstorben. Langsame Kamerabewegungen, dazu die gruselige Filmmusik von Komponist Colin Stetson – "Hereditary" wirkt sofort bedrohlich und beklemmend. Über die Handlung darf nicht zu viel verraten werden, das würde einiges kaputtmachen. Ganz grob umrissen geht es darum: Nach dem Tod von Ellen Graham passieren deren Tochter Annie (Toni Collette), ihrem Mann Steve (Gabriel Byrne) und ihren Kindern Peter (Alex Wolff) und Charlie (Milly Shapiro) plötzlich mysteriöse Dinge. Je tiefer Annie in die Geschichte ihrer Familie eintaucht, desto mehr muss sie erkennen, dass sie ein ungeahntes, düsteres Schicksal erwartet – ein Vermächtnis, dem sie womöglich nicht entkommen können.

Jede Szene hat ihren Sinn

"Hereditary" ist allerdings weit mehr als bloß ein einfacher Horror-Streifen über ein Geisterhaus. Zugrunde liegt dem Film in einer zweiten Ebene ein klassisches Familiendrama. Es geht um Trauer, Schuld und darum, wie sich all das auf die Familiendynamik auswirkt. Ari Aster legt es nicht darauf an, willkürliche Schock-Momente zu kreieren, sondern jede Szene hat ihren Sinn. Und jedes Detail trägt zur einmaligen Stimmung des Filmes bei: Die Miniaturwelten, die Annie Graham kreiert und mit denen sie sich ihre Welt irgendwie zu erklären versucht. Das Baumhaus, in dem Charlie sich gerne versteckt. Alles wirkt irgendwie gruselig.

Ari Aster jedenfalls, dessen zuvor veröffentlichte Kurzfilme "The Strange Thing About The Johnsons" und "Munchhausen" sich ebenfalls um dysfunktionale Familien drehten und der sich zu "Hereditary" von seinen eigenen Erfahrungen mit Trauer und Tragödie inspirieren ließ, dürfte eine große Karriere blühen. Doch auch die schauspielerischen Leistungen sind in "Hereditary" beeindruckend. Wie bitte schafft Milly Shapiro es, im zarten Alter von 16 Jahren so angsteinflößend zu schauen? Auch Toni Collette, die mit "The Sixth Sense" schon einmal in einem Film über das Übernatürliche vor der Kamera stand, hat in ihrer Rolle stets einen Funken Wahnsinn in den Augen.

So wird "Hereditary" zu einer – im positiven Sinne – 128-minütigen Tortur. Zugegeben: Bei all den vorab geschürten Erwartungen ist der Film dann vielleicht doch nicht ganz so schockierend, wie man vermutet hätte. Und am Ende gehen die Pferde mit Ari Aster etwas durch. Doch zeitweise ist der Film wirklich kaum auszuhalten. Feuchte Hände, die Hälfte der Zuschauer kann nicht mehr hinsehen. Und die, die durch ihre vorgehaltene Hand hindurch linsen, stoßen Laute des Entsetzens aus.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

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