Jim Knopf (Solomon Gordon, vorne) und Lukas (Henning Baum) sind mit Emma unterwegs.
Dennis Gansels Version von "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" hält sich glücklicherweise eng an die Vorlage und ihrer kongenialen Verfilmung durch die Augsburger Puppenkiste.

Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer

KINOSTART: 29.03.2018 • Familie • D (2018) • 110 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer
Produktionsdatum
2018
Produktionsland
D
Filmstudio
Malao Film, Rat Pack Filmproduktion, Warner Bros. Entertainment Germany
Budget
125.000 USD
Laufzeit
110 Minuten
Regie
Dennis Gansel
Music
Ralf Wengenmayr
Kamera
Torsten Breuer

Filmkritik

Eine utopische Insel
von Gabriele Summen

"Eine Insel mit zwei Bergen und dem tiefen, weiten Meer" – Generationen sind mit der legendären Verfilmung von Michael Endes Roman "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" durch die Augsburger Puppenkiste groß geworden. Schon die Titelmelodie versetzt zurück in die Kindheit. Auch Regisseur Dennis Gansel ("Die Welle") lag der zeitlose Stoff am Herzen, sodass er 15 Jahre darum kämpfte, den Kinderbuchklassiker als aufwendig produzierte Realverfilmung herauszubringen. Fraglos mutig, sich an ein derart perfektes Stück deutschen Popkulturguts heranzuwagen. Doch Gansel hat seine Sache alles in allem sehr gut gemacht, indem er und sein vierköpfiges Drehbuchteam sich eng an die Vorlage hielten.

Ein Paket kommt an in dem beeindruckend in Szene gesetzten, spielzeughaft wirkenden Lummerland. Die Aufregung bei den vier Einwohnern der winzig kleinen, farbenfrohen Insel ist groß, befindet sich doch ein schwarzes Baby in dem Paket! Lukas (perfekt besetzt: Henning Baum) und Frau Waas (Annette Frier) schließen den Jungen sogleich in ihr Herz und nehmen sich seiner an. Jim Knopf (großartig: Solomon Gordon) wächst zu einem lebenslustigen Jungen heran – selbstverständlich von der Kostümabteilung mit dem markanten knallroten Pullover und der blauen Kappe ausgestattet.

Eines Tages entscheidet der zu Wortdrehern neigende König Alfons, der Viertel-vor-Zwölfte (herrlich überdreht von Uwe Ochsenknecht verkörpert), dass die Lokomotive Emma weg muss. Leider sei der Platz auf Lummerland allmählich zu eng geworden. Lokomotivführer Lukas bringt es jedoch nicht übers Herz, sich von Emma zu trennen, und beschließt, sich eine neue Heimat zu suchen. Im Schlepptau sein abenteuerlustiger Ziehsohn, der mehr über seine Herkunft herausfinden möchte.

So geht es über den animierten, tosenden Ozean – Fans werden das unheimlich wogende Plastikfolienmeer der Augsburger Puppenkiste vermissen – zunächst nach Mandala, jenes an China erinnernde Königreich. Dort reden die meisten Chinesen immer noch komisch-nuschelig und verspeisen angeblich – politisch heutzutage nicht mehr ganz korrekt – gesottene Wespennester und ähnlich merkwürdiges Zeug. Jim und Lukas erfahren von der Entführung der Prinzessin Li Si, die von der Wilden 13 an den Drachen Frau Malzahn verkauft wurde. Und sie beschließen, mit Emma bis nach Kummerland zu reisen, um die Prinzessin zu retten.

Jede einzelne Station ihrer Reise bleibt dicht an der Vorlage, sehr spannend und eng an die legendäre Puppenkisten-Verfilmung angelehnt inszeniert: das einstürzende Gebirge, das Treffen mit dem einsamen Scheinriesen Tur Tur (Milan Peschel) und schließlich Nepomuks Kohleberg und die prächtig animierte Drachenstadt. Dramaturgisch funktioniert das als Film allerdings nicht ganz so gut, dafür eignet sich das Serienformat tatsächlich besser. Auch ein paar Kürzungen hätten gutgetan.

Doch spätestens, wenn der Halbdrache Nepomuk uns an seinem Kummer teilhaben lässt, aus der rassenreinen Drachenstadt ausgeschlossen zu sein, kann man Regisseur Gansel nur dazu gratulieren, Michael Endes 1960 erschienenes Meisterwerk in diesen Zeiten, in denen der Rassismus wieder erschreckend aufblüht, erneut und ohne großen moralischen Zeigefinger aufgelegt zu haben.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller

Annette Frier lacht gerne und viel.
Annette Frier
Comedy-Schwergewicht Christoph Maria Herbst.
Christoph Maria Herbst
Henning Baum
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Macht auch in Märchen eine gute Figur: Reiner Schöne (hier im ZDF-Märchenfilm "Die weiße Schlange").
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Weitere Darsteller
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