Lotta (Meggy Hussong) und Cheyenne (Yola Streese) sind beste Freundinnen und meistern Schwierigkeiten gemeinsam.
"Alles Bingo mit Flamingo!" ist die erste Verfilmung eines Buchs der beliebten "Lotta-Leben"-Reihe.

Mein Lotta-Leben - Alles Bingo mit Flamingo!

KINOSTART: 29.08.2019 • Familie • D (2019) • 94 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Mein Lotta-Leben - Alles Bingo mit Flamingo
Produktionsdatum
2019
Produktionsland
D
Einspielergebnis
228.385 USD
Laufzeit
94 Minuten

Filmkritik

Hauptsache nicht belämmert
Von Diemuth Schmidt

Die erfahrene Kinderfilmregisseurin Neele Leana Vollmar überzeugt mit ihrer stimmigen Adaption der Buchreihe "Mein Lotta-Leben". Ein großes Vergnügen – nicht nur für Kinder, die Flötespielen hassen.

Lotta (Meggy Hussong), Heldin der sympathischen Kinderbuchverfilmung "Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!", hält sich für ziemlich normal. Auf jeden Fall für normaler als andere in ihrer Umgebung. Und trotzdem bricht um sie herum ständig Chaos aus. Dabei hat die Elfjährige viele Talente, einige davon warten allerdings noch darauf, entdeckt zu werden. Dabei helfen jede Menge Stolpersteine im Alltag, die sie immer wieder herausfordern und ihr kreative Lösungen abverlangen. Zunächst wäre da Lottas Familie. Mama Sabine (Laura Tonke) befindet sich auf einem Ayurvedatrip und steigt bei Heiner Krishna (Milan Peschel) in dessen Meditationsstudio ein. Für Lotta hält er eine indische Flöte bereit, dabei hasst sie nichts mehr, als Flöte zu spielen, und versucht, das Ding den ganzen Film lang wieder loszuwerden. Ein netter Running-Gag für alle von Holzblasinstrumenten geplagte Kinder.

Lottas grummeligen Papa Rainer (Oliver Mommsen) lässt man am besten in Ruhe. Der ist schon genervt genug von ihren beiden "Blöd-Brüdern" (Lenny und Marlow Kullmann), die ständig neue Ideen haben, wie sie Lotta ärgern können. Und anstatt sich mit einem tollen Haustier über die Situation trösten zu können, stolpert sie zu Hause ständig über ihre wie ein umgedrehter Kochtopf im Weg liegende große Schildkröte Heesters.

"Mein Lotta-Leben" trifft den Nerv von Mädchen ab neun und ist so etwas wie die deutsche Antwort auf "Gregs Tagebuch". Der amerikanische Bestseller schaffte es mit mehreren Verfilmungen längst auf die große Leinwand. Dort soll jetzt auch die deutsche Kinderbuchreihe der Autorin Alice Pantermüller Erfolge feiern. Regie führte Neele Leana Vollmar, die schon in zwei Filmen die beliebten Helden Rico und Oskar gelungen in Szene setzte. Und die Fans werden auch bei "Lotta" nicht enttäuscht, denn der Film nimmt seine junge Hauptfigur im alltäglich empfundenen Wahnsinn ernst und lässt sie mit viel Witz ihr Leben kommentieren.

Gut, dass Lotta dabei nicht allein ist und ihre beste Freundin Cheyenne (Yola Streese) immer an ihrer Seite weiß. Gemeinsam halten sie die Attacken böser Mitschüler aus, helfen sich bei den Hausaufgaben und haben mit dem nerdigen Paul (Levi Kazmaier) eine eigene Bande gegründet: die wilden Kaninchen. Ein Gegenkonzept zu den (G)Lämmer-Girls, mit denen sich ihre eingebildete Mitschülerin Berenike (Laila Ziegler) umgibt. Wer will schon zu einer Gruppe gehören, die sich so belämmert anhört?

Die gute Laune vergeht ihnen allerdings, als Berenike wirklich alle – außer ihnen beiden – zu einer riesigen Party in ihrer Villa einlädt. Das wollen Lotta und Cheyenne nicht auf sich sitzen lassen. Der berühmte Sänger Marlon (YouTube-Teenie-Star Lukas Rieger), mit dem Lotta zufällig in Kontakt kommt, soll ihnen als Begleitung Zugang zur Party verschaffen. Doch während sie an der Umsetzung des Plans arbeiten, kommt es zum Streit zwischen den beiden, und es stellt sich die Frage, was wahre Freundschaft wirklich bedeutet.

Regisseurin Neele Leana Vollmar ihre Drehbuchautorin Bettina Börgerding, die schon bei der Detlef-Buck-Filmreihe "Bibi & Tina" als Autorin überzeugte, setzen mit filmischen Mitteln den Witz der comicartigen Buchvorlage perfekt um. Gezeichnete Bilder und grafisch gestaltete Kommentare erscheinen häufig über, unter und hinter den realen Figuren. Lottas Seelenleben lässt sich so wunderbar miterleben, und das Zielpublikum fiebert mit, wenn scheinbar kleine Probleme sich vor Lotta zu großen Hürden aufbauen, die überwunden werden müssen. Nicht alle Gags zünden, doch die gekonnte Überzeichnung, die nie ins Karikaturhafte abdriftet, rettet den Film immer wieder.

Die beiden Hauptdarstellerinnen Meggy Hussong als kindliche Lotta und Yola Streese als flippige Cheyenne spielen sich schnell in die Herzen des jungen Publikums und agieren auf Augenhöhe mit den Profis Laura Tonke, Milan Peschel und Oliver Mommsen. "Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo" überzeugt mit der richtigen Portion Witz, Originalität und Ernsthaftigkeit und bereitet so ein vergnügliches Kinoerlebnis, das Lust auf mehr macht.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

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