Ausgerechnet an ihrem Geburtstag gibt Laras (Corinna Harfouch) Sohn ein Konzert, zu dem er sie nicht eingeladen hat. Sie kauft sich dennoch Karten.
"Lara" ist erst der zweite Spielfilm von "Oh Boy"-Macher Jan-Ole Gerster. Mit Corinna Harfouch hat er die perfekte Hauptdarstellerin gefunden.

Lara

KINOSTART: 07.11.2019 • Komödie • D (2019) • 98 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Lara
Produktionsdatum
2019
Produktionsland
D
Filmstudio
Schiwago Film, StudioCanal, ARTE, BR, Leuchtstoff, ARD
Laufzeit
98 Minuten
Regie
Jan Ole Gerster
Music
Arash Safaian
Kamera
Frank Griebe

Filmkritik

Minimalistische Entdeckungsreise
von Claudia Nitsche

Nach "Oh Boy" hat sich Regisseur Jan-Ole Gerster sieben Jahre Zeit für seinen zweiten Film genommen. Das Warten auf "Lara" hat sich gelohnt.

Jan-Ole Gerster war jener stilsichere Regisseur, der Tom Schilling 2012 ins schwarzweiße Berlin schickte. Nach seinem gefeierten Debüt "Oh Boy" folgt auch Gersters neues Werk "Lara", sein zweiter Spielfilm erst, visuell strengen Bahnen. Corinna Harfouch ist dabei die eiserne Lady dieses Films. Es ist ihr Drama, ein Ein-Frau-Stück, das als logische Konsequenz Tom Schilling sträflich unterbeschäftigt. Das aber ist die einzige Sünde des 41-jährigen Regisseurs aus Hagen, der sein Herz wie so viele an Berlin verloren hat. Und an die Theaterfrau Harfouch, deren Präsenz und präzise Boshaftigkeit auf der Bühne in Gerster den Wunsch weckten, mit ihr zu arbeiten.

Corinna Harfouch spielt die Titelfigur, eine Frau, die ihren 60. Geburtstag alleine feiert, gnadenlos im Umgang ist und die Wünsche anderer meist ignoriert. Dafür macht sie selbst keine Fehler, ist ihrer Meinung nach korrekt, weiß viel und lässt emotional nichts zu. Ganz bestimmt keine Kritik von Mann (Rainer Bock), Sohn (Tom Schilling) oder Mutter (Gudrun Ritter), die alle lieber in sicherer Distanz zu ihr bleiben. Dabei schickt sich die eloquente und attraktive Frau gleich zu Beginn an, Gutes zu tun. Sohn Viktor hat just an ihrem Jubeltage, zu dem er sie nicht mal anruft, ein wichtiges Klavierkonzert, bei dem er glänzen will. Es könnte ein mütterlicher Zug sein, dass Lara die Restkarten für den Abend aufkauft und verschenken will. Aber 22 Eintrittskarten entscheiden nicht über Wohl oder Wehe einer Pianistenkarriere.

Keine Minute lässt die Kamera die Hauptdarstellerin aus den Augen. Fraglos hat Lara viel mit der Karriere ihres Sohnes zu tun, und ihre eigene Pensionierung macht ihr zu schaffen. Manchmal hat man das Gefühl, sie fange an zu menscheln. Schließlich ist die Tristesse ihres Lebens nicht zu übersehen und der Suizidwunsch vom Anfang des Films nicht vergessen. Doch diese Frau hat den Anschluss längst verloren. Dank des bravourösen Drehbuchs von Blaz Kutin werden Laras Facetten ganz langsam sichtbar. Gersters sensibles Gespür für Details macht den Film zu einer minimalistischen Entdeckungsreise.

So sachlich wie sie bis vor kurzem ihre Arbeit erledigte, so nüchtern entschied sie, ihr Selbstmordvorhaben aufgrund der Umstände zu vertagen – und geht zur Tagesordnung über. Wobei: Das stimmt nicht ganz, denn Lara versucht, Dinge anders zu machen. Kauft sich etwa ein Kleid für den Abend, um es wenig später in einen Mülleimer zu stopfen. Corinna Harfouch stemmt diesen Film alleine, ihr Regisseur legt Geheimes schweigend offen, zeigt ohne große Gesten, wie sie nicht aus ihrer Haut kann und wie die Konsequenzen aussehen. Nichts ändert etwas an ihrem großen Schmerz. Die Farben bleiben bleiern blau, und selbst der rote Mantel, den sie fast immer trägt, hat nichts Leuchtendes. "Lara" ist feinste Schauspielkunst vor ansprechender Kulisse und überdies ein ungemein weiser Film, der seine Klugheit in aller Bescheidenheit zurückhält.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller

Birge Schade (l.) und Gesine Cukrowski sind nicht gerade gut aufeinander zu sprechen.
Birge Schade
Corinna Harfouch in "Was bleibt".
Corinna Harfouch
Johann von Bülow als Hans in "Die Österreichische
Methode"
Johann von Bülow
Schauspieler Tom Schilling.
Tom Schilling
Volkmar Kleinert
Edin Hasanovic
Edin Hasanovic
Weitere Darsteller
André Jung Gudrun Ritter Rainer Bock Hildegard Schroedter Susanne Bredehöft Steffen Jürgens Tina Pfurr Till Butterbach Mala Emde Hendrik von Bültzingslöwen Maria Dragus Mark Filatov Alexander Khuon Stephan Taubert Moritz Bock

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