Was die Laien nicht wissen, erschließt sich Literatur-Experten und darunter insbesondere den Shakespeare-Kennern natürlich sofort: Der Filmtitel "Hamnet" bezieht sich auf Hamnet Shakespeare (1585 bis 1596), neben den zwei Töchtern Susanna und Judith der einzige Sohn des legendären Dichters. Über besagten Hamnet Shakespeare ist nicht viel mehr verlässlich dokumentiert, als dass er geboren wurde und früh gestorben ist. Die Autorin Maggie O'Farrell baute auf den wenigen belegten Fakten trotzdem den sehr erfolgreichen und vielfach ausgezeichneten fiktionalisierten Roman "Judith und Hamnet" auf, den Oscargewinnerin Chloé Zhao ("Nomadland", Regie und Drehbuch) nun in die Kinoform übersetzt hat. Produziert wurde die Verfilmung unter anderem von Steven Spielberg.
Die Geschichte beginnt in Stratford-upon-Avon, der heute weltberühmten britischen Kleinstadt, aus der William Shakespeare stammt. Shakespeare (Paul Mescal) arbeitet dort in den 1580er-Jahren, vor seinem Durchbruch in der Londoner Theaterszene, als Lateinlehrer und lebt in einer Beziehung mit Agnes (Jessie Buckley). Irgendwann kommt Tochter Susanna zur Welt, dann folgen die Zwillinge Judith und Hamnet. Eine kleine Familie wächst heran. Doch gleichzeitig zieht es William weg, es rufen London und die große Kunst.
Chloé Zhao, die das Drehbuch zu "Hamnet" gemeinsam mit Maggie O'Farrell schrieb, liefert mit ihrem ersten Film nach dem Marvel-Projekt "Eternals" (2021) eine historische Tragödie, die bewusst dramatisiert und zwischen Pest, familiären Tragödien und der Entstehung von Shakespeares "größtem Meisterwerk" auch viel spekuliert. Es ist, wie so oft, wenn Shakespeare im Kino landet, eher nichts für die Gelehrten. Aber doch große Filmkunst, da sind sich die meisten Kritikerinnen und Kritiker einig. Zuletzt wurde "Hamnet" unter anderem schon mit einem Golden Globe in der Kategorie "Bester Film – Drama" ausgezeichnet (bei insgesamt sechs Nominierungen).