Die flippige Marilyn (Audrey Lamy), die arrogante Sandra (Cecile de France) und die bald an der Schrotflinte glänzende Nadine (Yolande Moreau, von links) schuften am Fließband der Fischfabrik.
Drei Damen aus der Fischfabrik verteidigen in der pechschwarzen Farce "Rebellinnen - Leg' Dich nicht mit ihnen an!" ihre Zukunft und viel Geld gegen die belgische Drogenmafia.

Rebellinnen ? Leg' Dich nicht mit ihnen an!

KINOSTART: 11.07.2019 • Komödie • FR (2019) • 88 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Rebelles
Produktionsdatum
2019
Produktionsland
FR
Laufzeit
88 Minuten

Filmkritik

Ein ruppiges Trio
Von Andreas Günther

Sie kastrieren, ballern, rauben: Drei Damen aus der Fischfabrik verteidigen ihre Zukunft und einen Haufen Geld gegen bräsige bis gewalttätige Männer. Die schwarzhumorige, furiose Farce mit dem Warnruf-Titel "Rebellinnen – Leg' dich nicht mit ihnen an!" bereitet damit schier unverschämtes Vergnügen.

"Hände hoch! Her mit der Kasse!" Die ordentlichen Bürger, befasst mit den Essensspenden für den nächsten Tag, sind zutiefst erschrocken. Vor ihnen stehen drei grimmig auftretende Gestalten, die sie aus Löchern in den Papiertüten über ihren Köpfen anstarren, wohl Frauen und offenkundig bereit, ihre abgesägte Schrotflinte abzufeuern und mit dem Brecheisen zuzuschlagen. "Das ist eine Tafel! Hier gibt es keine Kasse!" Tatsächlich interessieren sich die Vermummten eher für bestimmte Konserven – zum Erstaunen ihrer Opfer.

Die temporeiche, tiefschwarze Farce "Rebellinnen – Leg'dich nicht mit ihnen an!" begeistert immer wieder mit dramatischer Ironie: Die Tafel-Organisatoren sind ahnungslos, unsereins weiß, dass in den Konserven Menschenfleisch steckt. Die Räuberinnen wollen verhindern, dass jemand auf ein glotzendes Auge stößt, wenn er den Deckel öffnet. Auch wenn sie es hineingepackt haben, sind sie doch keine Barbarinnen. Die weibliche Grausamkeit unausweichlich aus widrigen Umständen hervorgehen zu lassen, die absolute Groteske aus dem fast Normalen zu entwickeln, ist vielleicht der noch größere Reiz des französischen Films.

Modisch, mit Rollköfferchen, aber eben auch mit einem großen blauen Auge taucht die einstige Provinz-Schönheitskönigin Sandra (Cécile de France) in ihrem Heimat-Kaff Boulogne-sur-Mer in Nordfrankreich wieder auf. Sie quartiert sich bei ihrer Mutter ein, die als Wächterin einer Art Ferienhaus-Siedlung arbeitet. Hinter Sandra liegt die gescheiterte Ehe mit einem reichen spanischen Macho, vor ihr die Arbeitslosigkeit – falls sie nicht bereit sein sollte, in der örtlichen Fischfabrik zu ackern. Sie tut es, wenn auch widerwillig.

Kollegin Marilyn (Audrey Lamy) zieht Sandra zunächst ein bisschen auf. Dennoch wird sie eine gute Freundin, genauso wie die füllige Nadine (Yolande Moreau). Doch so richtig zusammenfinden sie erst, als der Fabrikleiter nach Feierabend Sandra zu vergewaltigen versucht. Nach einem Akt der Kastration stürzt er tödlich. Die drei Frauen wollen seinen Tod vertuschen – ab in die Konserve! – und seine Sporttasche mit dem vielen Geld behalten. Die Euphorie währt kurz. Die Polizei stellt unangenehme Fragen, die Dosen mit den Leichenteilen verschwinden – und Simon (Simon Abkarian), örtlicher Statthalter der belgischen Drogenmafia, sucht sein Geld.

Warum hat sich Sandra das blaue Auge nicht weggeschminkt? Und reicht es aus, mit dem Fuß eine Spindtür kräftig zuzuschlagen, um Vergewaltiger zu entmannen? Die Versuchung, solche kleinlich erscheinenden Einwände hintanzustellen, ist bei "Rebellinnen – Leg'dich nicht mit ihnen an!" einfach zu groß. Denn der Film ist ein unverschämt gutes Vergnügen, eines, das seine Anleihen, die es bei Quentin Tarantino nimmt, nicht verleugnet. Frauenpower dominiert wie bei "Kill Bill", erhält aber eigene Akzente, obwohl Regisseur und Co-Autor Allan Mauduit Kameraeinstellungen, Musikeinsatz und Standardsituationen zitiert.

Drei herzhaft rotzig porträtierte Frauen kämpfen hier hart um ihre Zukunft und um viel Geld. Die Auseinandersetzung mit der Männerwelt wird zur Emanzipations- und Reifeprüfung. Nadine, geschlagen mit faulem Ehemann und ebensolchen Söhnen, erlebt Selbstwirksamkeit an der Schrotflinte; die flippige Marilyn repariert das Verhältnis zu ihrem Sohn; und die auf vulgäre Art arrogante Sandra lernt endlich ihren kriminellen Vater kennen. Übertreibung, Rasanz und haarsträubende Situationen sind Trumpf, schließen aber gewollt realistische Gewaltmomente nicht aus. Das Trio ist ruppig und von dieser Welt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller
Yolande Moreau
Lesermeinung
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