25 Jahre nach seinem Tod im Hotel Beau-Rivage am Genfer See wäre der Fall Uwe Barschel beinahe gelöst worden. Sibel Kekilli und Axel Milberg in ihren Rollen als Kieler Kommissare kommen der Wahrheit zum Greifen ­nahe. Der Tatort als Endstation für eine Politaffäre, die Deutschland eine Zeitlang in Atem hielt. Sibel Kekilli, die 1987 sieben Jahre alt war, macht sich tatendurstiger und verschwörungshungriger an die Sache als Kollege Milberg, der von den ollen Waffendeal- und Geheimdienstmunkeleien nichts mehr hören mag. Vor Ort, sprich in Barschels Todeszimmer 317, packt es ihn dann aber doch.

Was hat sich hier abgespielt? Sibel verpasst ihm ein Hämatom auf der Stirn, so wie der tote Barschel eins aufwies, um zu demonstrieren: Das kann er sich nicht selbst beigebracht haben. So richtig Bescheid wissen könnte nur einer, der gescheiterte Krimi-Autor Dirk Sauerland. Aber der ist leider kürzlich tot auf seinem Bötchen im Kieler Hafen aufgefunden worden. Ein guter, beinahe erstklassiger Tatort (Regie: Eoin Moore), der sich kunstvoll an der Realität entlangschlängelt und eigentlich nur einen Aspekt verschenkt: Im Beau-Rivage verbrachte auch Kaiserin Sisi ihre letzte Nacht, bevor sie niedergestochen wurde. Und Barschel? Hm, ein Koffer verschwindet, ein Experte verdünnisiert sich, Daten werden gelöscht. Wieder nichts! Detlef Hartlap

Foto: NDR/Marion von der Mehden