Ein Tatort für Freunde des Laufsports. Es wird derart viel gerannt, dass man meinen könnte, "Das Wunder von Wohlbeck" beziehe sich auf ein neues ­Trainings­programm, dessen erster Nutznießer Axel Prahl ist, der Kugelblitz von Münster. Nicht zum ersten Mal liefert er eine ­erstaunliche Kostprobe seines Beschleunigungsvermögens, als er in der Praxis eines gemeuchelten Heilpraktikers verdächtige Geräusche und Schatten wahrnimmt. Später wird er der Gattin des Toten hinterherrennen müssen, bis es ihm zu viel wird: "Nun halten sie doch mal an!" Vergebens. Lina Beckmann in einer Rolle, die zu flach angelegt ist, um ihr Können ­abzufordern, lässt sich von der ­Polizei nicht stoppen und rennt wie von Sinnen weiter.

Auch mit der jungen, aus Polen stammenden Mutter Milena (hervorragend: Julia Krynke), kann Prahl auf die Dauer nicht Schritt halten. Milena schiebt, als ob sie auf diese Weise ihre kalte neue Heimat Westfalen abstreifen könnte, den Kinderwagen zwanghaft übers Land. Natürlich geht es nicht ums Laufen, sondern um Kinderwünsche, erfüllte und unerfüllte. Und um einen Arzt, der den Frauen Hoffnungen macht. Vor allem aber geht es darum, Land und Leute in einer Art Nummernrevue vorzuführen (Regie Matthias Tiefenbacher). Ein thekenschlaues Dreigestirn, eine biestige "Von" aus Ostpreußen, ein wortarmer Bauer, Prof. Börne als Ziegendoktor in seinen bewährten weißen Stenz-Stiefeln – unter so viel scherzkeksigen Effekten erstickt der Witz. Tragödie wirkt, wenn sie von Komödie durchwirkt ist. Umgekehrt geht das gewöhnlich schief. In dieser Folge steckt ein Übermaß Tragik, schade, dass sie verwässert wird. Der schwächste Münster-Tatort seit zehn Jahren. So lange gibt es ihn nämlich schon. Detlef Hartlap

Foto: WDR/Wolfgang Ennenbach