Schiefes Bild: Eigentlich bleiben Nemec und
Wachtveitl immer unter einem Schirm und lassen
Hinrichs (l.) im Regen stehen

Tatort

KINOSTART: 25.05.2012 • Krimi • Deutschland (2012) • 150 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Tatort Gutfleischstraße
Produktionsdatum
2012
Produktionsland
Deutschland
Laufzeit
150 Minuten

Dieser Münchner Tatort bringt das Kunststück fertig, den Mord an einem jungen Mädchen zu opfern und mithilfe einer zweiten Geschichte wie unter Geröll verschwinden zu lassen. Vermutlich ist es in Anbetracht der Inflation von Fernsehmorden schon so, dass dem Fall eines jungen Mädchens, das auf dem Nachhauseweg spurlos verschwindet, keine filmfüllende Kraft mehr zugebilligt wird. Da muss noch was hinzu, mag sich Regisseur und Drehbuchautor Alexander Adolph gedacht haben, und so hat er dem Mord eine Portion ­Comedy übergestülpt, die in Tragödie endet. Carla, das Mädchen, gibt sich größte Mühe, abends nach dem Sport den Bus nach Hause zu ­erwischen. Aber so spielt das Schicksal, der Bus fährt knapp ohne sie und die Mutter ­erweist sich, von Carla angerufen, als unmütterlich sorglos. Dann ­verstreicht eine Mitfahrgelegenheit ungenutzt. Bis ­Carla doch einsteigt – beim Falschen.

Batic und Leitmayr (Nemec und Wachtveitl), die ewigen Münchner Kommissare, nehmen sich dieses Falls mit jenem ­mittelpräch­tigen Interesse an, das aus der Routine allzu vieler Morde und allzu vieler Dienstjahre erwächst. Die Fundstelle der schrecklich zugerichteten Leiche, die trauernden Eltern, die Scherze der Kollegen, das alles entspricht der abstumpfenden Realität ihres Berufes. In diese Situation dringt nun Gisbert Engelhardt (Fabian ­Hinrichs), ein junger Kollege. Mit ihm beginnt die eigentliche Geschichte. Für Gisbert gibt es keine Routine, er brennt innerlich, führt sich als Profiler und Mad Max in einer Person auf und lässt sich Carlas ­Eltern gegenüber zu dem Versprechen ­hinreißen: "Wir ­kriegen den Mörder." Fortan sind zwei Dinge zu beobachten: Die Ungeduld des ­Jungen reibt sich mitunter saukomisch an der bleiernden Abgeklärtheit der Alten, und Gisbert nimmt eine Anleihe bei Dürrenmatts vielmals verfilmtem Roman "Das Versprechen": Immer wieder sucht er die Nähe des Tatorts auf, wo er auf eine Rückkehr des Mörders hofft. Am Ende kippt alles, wie gesagt, schwer ins ­Tra­gi­sche. Bleibt die Erkenntnis: Der Junge hatte Recht. dh

Foto: BR/Kerstin Stelter

Darsteller

Bettina Redlich
Fabian Hinrichs.
Fabian Hinrichs
Thomas (Hans-Jochen Wagner) und Susanne (Anna
Loos) suchen verzweifelt nach einer Lösung
Hans-Jochen Wagner
Miroslav Nemec als "Tatort"-Kommissar.
Miroslav Nemec
Schauspieler Udo Wachtveitl.
Udo Wachtveitl

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