Hier wird geprügelt. Und meist sind es Polizisten, welche die Fäuste fliegen lassen. Der Tatort aus München - "Macht und Ohnmacht" heißt er - nimmt es mit den Cowboyfilmen aus alten Tagen auf, als Schlägereien feste dazugehörten. Kann so was heute noch einen Sinn ergeben? Ja, wenn man die Eingangssequenz gesehen hat, in der vermummte Täter immer wieder und wie von Sinnen auf einen am Boden liegenden Kioskbesitzer eintreten. Ja, wenn man sieht, wie die mutmaßlichen Täter unter großem Einsatz gefasst – und vom Haftrichter im Handumdrehen wieder freigelassen werden. Mangelnde Beweise. Ja, man kann verstehen, wenn Polizeibeamten die Galle hochkommt. Die Gewalt rechtfertigt das nicht.

Kürzlich endete die weltmeisterliche ­Polizei­serie um Kommissarin Lund: Das Verbrechen in ähnlich ­verstörender Gerechtigkeit. Die Kommissarin sah keine Chance, einen Kinderschänder vor ­Gericht zu bekommen. Sie knallte ihn ab. In München walten aus Tradition die Herren Wachtveitl und Nemec als Kommissare. Diesmal bleiben sie im Hintergrund. Wenn, dann ermitteln sie intern gegen die eigenen Leute. Auch ihr früherer Mitstreiter Carlo Menzinger (Michael Fitz), gerade auf Stippvisite im alten Revier, ist ob der Brutalität der Kollegen in Uniform verstört. Doch bei der erstbesten Gelegenheit schlägt er selbst zu. Polizisten im Druckkessel. Unter der Überforderung des Alltags lösen sich die Ideale von ehedem in Wut auf. Und in Floskeln. Ein Tatort von harter Gangart. Spannend, erregend, desillusionierend. dh

Foto: BR/Hagen Keller