Molly Chester spielt mit dem Hütehunde-Nachwuchs. Noch sind sie klein und niedlich ...
80 Hektar ödes Land in eine große kleine Farm umzuwandeln, das kann klappen. "Unsere große kleine Farm" erzählt ein wunderbares Märchen, das auch noch wahr ist.

Unsere große kleine Farm

KINOSTART: 11.07.2019 • Dokumentarfilm • USA (2018) • 92 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
The Biggest Little Farm
Produktionsdatum
2018
Produktionsland
USA
Laufzeit
92 Minuten
Regie

Filmkritik

Auf dem Land: So gut kann es gehen
Von Jasmin Herzog

Ein Film über zwei, die sich aufmachen, ödes Land zu bewirtschaften – und den man unbedingt sehen sollte: "Unsere große kleine Farm" ist ein hervorragender Dokumentarfilm über ein wichtiges Projekt.

Alles begann mit einem Hund: Weil Tierfilmer John Chester und seine Frau Molly wegen des Dauergekläffs ihres Vierbeiners ihre Wohnung verloren, zogen sie aufs Land. Nach einem Leben in Los Angeles fanden sie 80 Hektar Grund in einer unwirtlichen Gegend eine Stunde nördlich der Stadt und beschlossen, hier Landwirtschaft zu betreiben, ohne wirklich Ahnung davon zu haben. Die Chesters wollten in den kalifornischen Hügeln ökologisch wirtschaften und gingen das seriös und mit professionellen Mitteln an – ein achtjähriges Experiment, von dem John Chester in seinem hervorragenden, vielfach prämierten Dokumentarfilm "Unsere große kleine Farm" kurzweilig erzählt.

Das Land, das John und Molly Chester zur Verfügung steht, ist dürr. Es fruchtbar zu machen, ohne zu konventionellen Mitteln zu greifen, ist die erste große Aufgabe der beiden Neu-Bauern. Erst im fünften Jahr konnte sich John Chester vorstellen, dass ihre Art, nachhaltig zu wirtschaften, sinnvoll ist. Als er beobachtete, wie Wildtiere und unzählige Insektenarten die Farm als Lebensraum aussuchten, wollte er seine Geschichte erzählen. Heute gilt seine Apricot Lane Farm als Vorbild für Nachhaltigkeit.

Doch man sieht auch viel Schlimmes in diesen 90 Minuten, denn so straff Chester auch erzählt, die Überraschungen bleiben wohl keinen Tag aus auf einer Farm. Da fressen Schnecken und Kojoten, was man verkaufen wollte, und auch die Vögel meinen, dass die Pfirsiche nur zu ihrem Vergnügen wachsen. Die Chesters wollen keine rüden, sondern nur natürliche Maßnahmen ergreifen. Ihr Berater Alan York, ein Fachmann für kreative Ideen in der ökologischen Landwirtschaft, wollte das Schwungrad mit viel Aufwand in Bewegung bringen, damit es dann von alleine weiter läuft.

Natürlich war es eine Herausforderung, den Farmalltag und den Dreh sowie nebenbei eine Ehe am Leben zu erhalten. John und Molly Chester sind ehrlich genug, darüber zu sprechen, erklären nicht im Film, aber in einem Interview dazu, dass sie als Paar Hilfe brauchten, um eines zu bleiben. Der Film selbst behandelt Privates nur sehr am Rande, der Fokus soll auf der Farm liegen. Aber dass es schwierig ist, vom Schneideraum zur Geburt eines Kälbchens zu eilen und zurückzukehren, kann man sich denken. Ebenso schwierig war es, die eigenen Fehler zu filmen und das Ego in den Hintergrund zu drängen, gibt John Chester zu. Der Lohn: ein unprätentiöser Film ohne Pathos. Eine Doku, die wirklich Mut macht und Tatendrang weckt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

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