Am Ende eines für ihn enttäuschenden, halbjährigen USA-Aufenthalts 1930 schien Sergej Eisenstein das Glück doch noch zu lächeln: auf Anregung des Malers Diego Riviera wendete er sich seinem Lieblingsprojekt zu, einem Dokumentarfilm über das Leben in Mexiko. Für die Finanzierung dieses Vorhabens konnte Eisenstein auf Empfehlung seines Freundes Charles Chaplin den sozialistischen Schriftsteller Upton Sinclair gewinnen. Doch die geplante Realisierung seines Traumes "Que viva Mexico" wurde zu einer der tragischsten Episoden im Leben des Sergej Eisenstein: Erst im Verlauf seiner ausgedehnten Reisen durch Mexiko konkretisieren sich Eisensteins Ideen vom Aufbau seines Films: vier Episoden - "Sandunga", "Fiesta", "Maguey" und "Soldadera" - mit Prolog und Epilog stehen für verschiedene historische Epochen, in denen sich das mexikanische Volk aus scheinbar naturgegebenen Abhängigkeiten zu einer selbst bestimmten Gesellschaft emanzipiert. Das soziale Element, der Wille zum Leben in Freiheit und Glück für alle, triumphiert über das biologische, die Furcht vor dem Tode. Ein Kreislauf von Leben und Tod, verstanden als siegreicher Klassenkampf gegen Kolonisation und Feudalherrschaft, an dessen Ende sich der Sieg über das kapitalistische System abzeichnet. Diese Intention sollte allerdings erst in der Montage Gestalt annehmen.

Infolge zahlloser Probleme während der Dreharbeiten - darunter die zwischenzeitliche Verhaftung Eisensteins und seiner Mitarbeiter Grigori Alexandrow und Eduard Tisse in Mexiko-City bei der Einreise im Dezember 1930 - zögerten sich die auf vier Monate veranschlagten Dreharbeiten jedoch auf vierzehn Monate hinaus. Aufgrund der Nachricht Stalins an Sinclair, man halte Eisenstein für einen Deserteur, an dessen Werk das sowjetische Volk bald das Interesse verlieren werde, stellte der ungeduldig gewordene Sinclair die Zahlungen im Januar 1932 kategorisch ein. Zu diesem Zeitpunkt waren statt der geplanten 25000 bereits 53000 Dollar in den Film investiert und 70000 Meter Filmmaterial abgedreht. Es fehlte lediglich noch die Episode "Soldadera", ein entscheidender Teil jedoch, ohne den der Film seinen Sinn und seine Schlusswirkung verfehlt. Als ihm die US-Behörden die Einreise nach Hollywood untersagen, muss Eisenstein in die Sowjetunion zurückkehren, ohne das von ihm abgedrehte Material jemals wieder zu Gesicht zu bekommen. Denn entgegen seinem Versprechen sendete Upton Sinclair das Negativ nicht an Eisenstein, sondern verkaufte es gegen eine hohe Summe an den Filmproduzenten Sol Lesser. Dieser montierte aus "Que viva Mexico" Qden abendfüllenden Spielfilm "Sturm über Mexiko", der in den USA zu heftigen Protesten der führenden kommunistischen Organisationen führte. Später brachte Lesser aus dem restlichen Ursprungsmaterial noch die Kurzfilme "Totentag" und "Eisenstein in Mexiko" heraus. Erst die Eisenstein-Biografin Marie Seton bemühte sich mit ihrer 1939 montierten Filmfassung "Unter Mexikos Sonne", die Eisensteinische Konzeption in ihrer Gesamtheit zu verwirklichen.