2005 wählten die Kardinäle den Deutschen Joseph Ratzinger zum Papst. Im Nachhinein könnte man die Entscheidung für einen streng konservativen Papst fast als Sargnagel der katholischen Kirche bezeichnen. Zumindest lautet so die These des neuen Dokumentarfilms "Verteidiger des Glaubens".
Ein frommer Mann, dessen Mission gescheitert ist - so zeigt "Verteidiger des Glaubens" Benedikt XVI.

Verteidiger des Glaubens

KINOSTART: 31.10.2019 • Dokumentarfilm • D (2019) • 92 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Verteidiger des Glaubens
Produktionsdatum
2019
Produktionsland
D
Laufzeit
92 Minuten

Filmkritik

Wir waren Papst, aber es hat nichts gebracht
Von Eric Leimann

Christoph Röhls Dokumentarfilm "Verteidiger des Glaubens" zeichnet die gescheiterte Papst-Karriere des bayerischen Intellektuellen Joseph Ratzingers nach. In ruhigen Bildern und klugen Interviews wird das Ende der Kirche in ihrer "klassischen Form" analysiert.

Auch wenn die Welt immer "weltlicher" wird, Papstfilme scheinen in Mode zu sein. Vielleicht, weil der Vatikan heute so anachronistisch erscheint. Für HBO versucht sich der italienische Bilderkünstler Paolo Sorrentino seit 2016 mit "The Young Pope" dem Thema Kurie fiktional zu nähern. Die Nachfolgeserie "The New Pope" mit Jude Law und John Malkovich startet demnächst. Wim Wenders drehte 2018 einen dokumentarisch angehauchten Imagefilm mit dem Titel "Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes", der den aktuellen Stellvertreter Jesu Christi auf Erden der wohlmeinenden Linse des Meisterregisseurs aussetzte. Ein handwerklich durchaus betörender Film, aber auch ein ziemlich unkritischer. Ein gänzlich anders gelagertes Werk ist nun "Verteidiger des Glaubens" des deutsch-britischen Dokumentarfilmers Christoph Röhl. Man kennt Röhl als sorgsamen Rechercheur und präzise uneitlen Regisseur von zwei Filmen über die Odenwaldschule. Seinem dokumentarischen Werk "Und wir sind nicht die Einzigen" (2011) folgte der Spielfilm "Die Auserwählten" mit Ulrich Tukur.

Jener Tukur, der seine Schulkarriere in einem hessischen Franziskaner-Gymnasium absolvierte, leiht nun "Verteidiger des Glaubens" seine Erzählerstimme. In ruhigen Bildern wird der Aufstieg des frommen, aber hochgebildeten Bayern Joseph Ratzinger vom Priester zum Theologieprofessor und Spitzen-Kardinal bis hin zum höchsten Amt der katholischen Kirche erzählt. Dabei beschreiben Weggefährten, Theologie-Experten und Kritiker den mittlerweile 92-Jährigen als Mann, der die Moderne verabscheut und sie als "Diktatur des Relativismus" bekämpft.

Dass man ausgerechnet ihn, den Anti-Modernisten, 2005 zum Chef der Kurie und damit zum Oberhaupt aller katholischen Christen ernannte, hatte sicher seine Gründe. Zwar kann man es dem in sich gekehrten Moralisten Ratzinger abnehmen, dass er kein klassisch machthungriger Kirchenmann war; dennoch opferte sich der Strippenzieher von Rom der Idee, mit einer streng konservativen Politik die Kirche als Fels in der Brandung der Moderne zu bewahren.

Mission gescheitert

Mittlerweile weiß man: Die Mission von Benedikt XVI. ist gescheitert. 2013 trat er als zweiter Papst in der Geschichte des Amtes zurück. Vor allem der zweite Teil von Röhls Film widmet sich dem desaströsen Missbrauchsskandal der katholischen Kirche, der für viele Länder belegte: Missbrauch durch Priester geschah nicht sporadisch und zufällig, sondern wurde vom System der katholischen Kirche begünstigt und beschützt. Selbst als die Beweise immer deutlicher an Licht traten, schützte Papst Benedikt Vertraute, die Schuld auf sich geladen hatten, oder zumindest Amtsträger in seiner Nähe, die systematischen Missbrauch verheimlichten.

Nun hätte Filmemacher Röhl es sich einfach machen und übliche oder gar prominente Kirchenkritiker vor die Kamera zerren können. Der überaus seriösen, aber über die 90 Minuten immer mehr fesselnden Erzählweise seines Interview-betonten Films kommt es aber zugute, dass nur Insider der Kirche und zudem engagierte Katholiken zu Wort kommen. Darunter viele Begleiter des ehemaligen Papstes, die letztendlich das Bild eines Gescheiterten zeichnen. "Die Kirche ist zum Heil der Welt da und darf auf keinen Fall kritisiert oder beschädigt werden" – diese im Film ausgesprochene Überzeugung Ratzingers ließ den frommen Mann aus Oberbayern sämtliche Reformen, Aufklärung und Selbstkritik wider besseres Wissen abschmettern. Das Ergebnis: Selbst in einem erzkatholischen Land wie Irland sind die Kirchenskeptiker heute fast schon in der Mehrheit. Eine Entwicklung, die Ratzinger in knapp acht Jahren Amtszeit mitverschuldet hat.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller
Multitalent: Ulrich Tukur.
Ulrich Tukur
Lesermeinung

Neu im kino

The Son
Drama • 2022
prisma-Redaktion
Plane
Action • 2023
prisma-Redaktion
Ein Mann namens Otto
Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Moritz Bleibtreu setzt sich in "Caveman" mit seinem ganz persönlichen inneren Höhlenmenschen auseinander.
Caveman
Komödie
Die drei ??? – Erbe des Drachen
Familienfilm • 2023
prisma-Redaktion
Rache auf Texanisch
Thriller • 2022
prisma-Redaktion
Shotgun Wedding – Ein knallhartes Team
Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Babylon – Rausch der Ekstase
Drama • 2022
prisma-Redaktion
Scooter hautnah: Da die Band ohnehin viel ungeplante Freizeit hatte, ließen H. P. Baxxter (Bild) und Co. eine Dokumentation über sich drehen - "FCK2020 - Zweieinhalb Jahre mit Scooter".
FCK2020 – Zweieinhalb Jahre mit Scooter
Dokumentarfilm
Holy Spider
Krimi • 2022
prisma-Redaktion
M3GAN
Horrorfilm • 2023
prisma-Redaktion
Belle & Sebastian – Ein Sommer voller Abenteuer
Familienfilm • 2022
prisma-Redaktion
Operation Fortune
Action • 2023
prisma-Redaktion
The Banshees of Inisherin
Drama • 2022
prisma-Redaktion
Die Insel der Zitronenblüten
Drama • 2021
prisma-Redaktion
Blueback – Eine tiefe Freundschaft
Drama • 2022
prisma-Redaktion
Was man von hier aus sehen kann
Tragikomödie • 2022
Der gestiefelte Kater: Der letzte Wunsch
Animationsfilm • 2022
prisma-Redaktion
Der denkwürdige Fall des Mr. Poe
Mysterythriller • 2022
Whitney Houston: I Wanna Dance With Somebody
Drama • 2022
prisma-Redaktion
Frieden, Liebe und Death Metal
Drama • 2022
prisma-Redaktion
Ein Triumph
Komödie • 2020
prisma-Redaktion
Avatar: The Way of Water
Science-Fiction • 2022
prisma-Redaktion
Call Jane
Drama • 2022
prisma-Redaktion
Die stillen Trabanten
Liebesfilm • 2022
Violent Night
Action • 2022
prisma-Redaktion
Shattered – Gefährliche Affäre
Thriller • 2022
prisma-Redaktion
Guillermo del Toros Pinocchio
Animation • 2022
prisma-Redaktion
"Glass Onion: A Knives Out Mystery"
Komödie • 2022
Einfach mal was Schönes
Komödie • 2022

BELIEBTE STARS

Schauspielerin und Sängerin Sofia Carson bei den MTV Music Awards 2022.
Sofia Carson
Lesermeinung
Lässiger Typ: Schauspieler Karl Urban.
Karl Urban
Lesermeinung
Preisgekrönter Charakterkopf: Michael Gwisdek.
Michael Gwisdek
Lesermeinung
Demi Moore
Lesermeinung
Tanja Wedhorn
Tanja Wedhorn
Lesermeinung
Ein viel beschäftigter Kino- und TV-Darsteller: Alexander Beyer
Alexander Beyer
Lesermeinung
Oliver K. Wnuk ist u.a. durch "Stromberg" und "Nord Nord Mord" bekannt.
Oliver K. Wnuk
Lesermeinung
Ganz schön witzig: Mike Myers.
Mike Myers
Lesermeinung
Verkörpert quasi alles zwischen Priestern und Gangstern: Jason Isaacs.
Jason Isaacs
Lesermeinung
Schauspieler Sean Penn.
Sean Penn
Lesermeinung
Al Pacino im Jahr 2022.
Al Pacino
Lesermeinung
Erfolgreicher Schauspieler: Tommy Lee Jones.
Tommy Lee Jones
Lesermeinung
Hollywood-Star Robert De Niro.
Robert De Niro
Lesermeinung