Christoph Röhls Dokumentarfilm "Verteidiger des Glaubens" zeichnet die gescheiterte Papst-Karriere des bayerischen Intellektuellen Joseph Ratzingers nach. In ruhigen Bildern und klugen Interviews wird das Ende der Kirche in ihrer "klassischen Form" analysiert.

Auch wenn die Welt immer "weltlicher" wird, Papstfilme scheinen in Mode zu sein. Vielleicht, weil der Vatikan heute so anachronistisch erscheint. Für HBO versucht sich der italienische Bilderkünstler Paolo Sorrentino seit 2016 mit "The Young Pope" dem Thema Kurie fiktional zu nähern. Die Nachfolgeserie "The New Pope" mit Jude Law und John Malkovich startet demnächst. Wim Wenders drehte 2018 einen dokumentarisch angehauchten Imagefilm mit dem Titel "Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes", der den aktuellen Stellvertreter Jesu Christi auf Erden der wohlmeinenden Linse des Meisterregisseurs aussetzte. Ein handwerklich durchaus betörender Film, aber auch ein ziemlich unkritischer. Ein gänzlich anders gelagertes Werk ist nun "Verteidiger des Glaubens" des deutsch-britischen Dokumentarfilmers Christoph Röhl. Man kennt Röhl als sorgsamen Rechercheur und präzise uneitlen Regisseur von zwei Filmen über die Odenwaldschule. Seinem dokumentarischen Werk "Und wir sind nicht die Einzigen" (2011) folgte der Spielfilm "Die Auserwählten" mit Ulrich Tukur.

Jener Tukur, der seine Schulkarriere in einem hessischen Franziskaner-Gymnasium absolvierte, leiht nun "Verteidiger des Glaubens" seine Erzählerstimme. In ruhigen Bildern wird der Aufstieg des frommen, aber hochgebildeten Bayern Joseph Ratzinger vom Priester zum Theologieprofessor und Spitzen-Kardinal bis hin zum höchsten Amt der katholischen Kirche erzählt. Dabei beschreiben Weggefährten, Theologie-Experten und Kritiker den mittlerweile 92-Jährigen als Mann, der die Moderne verabscheut und sie als "Diktatur des Relativismus" bekämpft.

Dass man ausgerechnet ihn, den Anti-Modernisten, 2005 zum Chef der Kurie und damit zum Oberhaupt aller katholischen Christen ernannte, hatte sicher seine Gründe. Zwar kann man es dem in sich gekehrten Moralisten Ratzinger abnehmen, dass er kein klassisch machthungriger Kirchenmann war; dennoch opferte sich der Strippenzieher von Rom der Idee, mit einer streng konservativen Politik die Kirche als Fels in der Brandung der Moderne zu bewahren.

Mission gescheitert

Mittlerweile weiß man: Die Mission von Benedikt XVI. ist gescheitert. 2013 trat er als zweiter Papst in der Geschichte des Amtes zurück. Vor allem der zweite Teil von Röhls Film widmet sich dem desaströsen Missbrauchsskandal der katholischen Kirche, der für viele Länder belegte: Missbrauch durch Priester geschah nicht sporadisch und zufällig, sondern wurde vom System der katholischen Kirche begünstigt und beschützt. Selbst als die Beweise immer deutlicher an Licht traten, schützte Papst Benedikt Vertraute, die Schuld auf sich geladen hatten, oder zumindest Amtsträger in seiner Nähe, die systematischen Missbrauch verheimlichten.

Nun hätte Filmemacher Röhl es sich einfach machen und übliche oder gar prominente Kirchenkritiker vor die Kamera zerren können. Der überaus seriösen, aber über die 90 Minuten immer mehr fesselnden Erzählweise seines Interview-betonten Films kommt es aber zugute, dass nur Insider der Kirche und zudem engagierte Katholiken zu Wort kommen. Darunter viele Begleiter des ehemaligen Papstes, die letztendlich das Bild eines Gescheiterten zeichnen. "Die Kirche ist zum Heil der Welt da und darf auf keinen Fall kritisiert oder beschädigt werden" – diese im Film ausgesprochene Überzeugung Ratzingers ließ den frommen Mann aus Oberbayern sämtliche Reformen, Aufklärung und Selbstkritik wider besseres Wissen abschmettern. Das Ergebnis: Selbst in einem erzkatholischen Land wie Irland sind die Kirchenskeptiker heute fast schon in der Mehrheit. Eine Entwicklung, die Ratzinger in knapp acht Jahren Amtszeit mitverschuldet hat.

Quelle: teleschau – der Mediendienst