Barbara Hershey

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Barbara Hershey zählt seit Jahrzehnten zu Hollywoods besten Schauspielerinnen
Barbara Herzstein
Geboren: 05.02.1948 in Hollywood, Kalifornien, USA
Sternzeichen: Wassermann

Barbara Hershey besucht die Hollywood High School und tritt schon früh als Schauspielerin in College-Aufführungen auf. Erstmals große Erfolge hat sie in der TV-Serie "The Monroes" (1966). Darin ist sie die 16-jährige Kathy, die 1876, nachdem ihre Eltern ertrunken sind, gemeinsam mit ihrem 13-jährigen Bruder eine Gruppe von Kindern anführt, die sich im Wyoming Territory zurechtfinden wollen. Sie ist noch nicht 20, als sie im Theater Erfolge sammelt: in Stücken wie "Gidget" oder "Des Farmers Tochter".

1968 spielt sie ihre erste größere Rolle neben Doris Day in Howard Morris' "Der Mann in Mammis Bett", in "Pulver und Blei" (1969) von Lee H. Katzin ist sie neben Glenn Ford, Carolyn Jones und David Carradine zu sehen. Obwohl die Geschichte, die dieser aufwendige Farbwestern zum wiederholten Mal erzählt, nicht sehr originell variiert ist und Fernsehregisseur Lee Katzin dem Kino nie besondere Seiten abverlangt, erweist sich diesmal wieder der Hollywood-Produzentenfilm als sinnvoll: Dank ausgezeichneter Photographie, sicherem Schnitt und guter Schauspieler gelang ein kurzweiliger Film. Erzählt wird die Story vom schießkräftigen Priester, der zwischen sich befehdenden Rinder- und Schafzüchtern trickreich Frieden schafft, indem er sich der Frauen und Kinder bedient.

Als sie 1969 in Frank Perrys "Petting" mitspielt und hinterher sieht, wie in dem Film eine Möwe getötet wird, ändert sie ihren Namen in Barbara Seagull (= Möwe), da sie es dem toten Tier schuldig zu sein glaubte. In diesem Film und als Hippy-Mädchen in Jeff Bridges' "The Baby Maker" (1970) hat sie ihre ersten großen Kinoerfolge. Der künstlerische Durchbruch kommt allerdings mit der Titelrolle in "Die Faust der Rebellen" (1972) von Martin Scorsese: Im amerikanischen Süden der 30er Jahre kämpfen Sträflinge und Arbeiter gegen Polizisten und Geldbosse. Die Filmhelden sind kleine Leute, die sich ohnmächtig gegen Unrecht und Gewalt auflehnen. Meist erkennen sie zu spät, dass sie keine Chance haben.

In Scorseses Kino-Protagonisten aus den Siebzigerjahren kann man typische Figuren des zeitgenössischen Amerika erkennen: Menschen, in denen sich amerikanisches Wesen und Denken niederschlägt. Eine junge Frau erlebt, wie ihr Vater bei der Feldarbeit verunglückt, zwei Eisenbahngangster retten Bertha vor der Brutalität des (schuldigen) Arbeitgebers, den das Mädchen attackiert. Der Gewerkschaftler Bill hetzt die Arbeiter gegen die Bosse auf, doch er wird von der Polizei zusammengeschlagen und ins Gefängnis gesteckt, aus dem ihn Bertha befreit. Jetzt sind sie Vogelfreie, von Polizei und Eisenbahnarmee gejagt, letztere bringt sie zur Strecke: Vor Berthas Augen wird Bill hingerichtet. Der Film vereint Zwiespalt und Skepsis eines Landes und seiner Bewohner, Hoffnung auf eine neue Generation und Trauer über die Vergangenheit, die ihre Krankheitskeime tief eingegraben hat.

"Scorseses Figuren mögen allesamt Gangster sein, sie bleiben dennoch kleine, miese, erfolglose Existenzen", schreibt Klaus Eder in der Zeitschrift "medium" und erkennt, dass Scorseses Figuren ihr Selbstbewusstsein, ihre Identität verloren haben. Roger Corman, der viele talentierte junge US-Filmer gefördert hatte - so Peter Bogdanovich und John Carpenter - produzierte auch Scorseses "Boxcar Bertha". Zunächst wurde der Film verstümmelt, erst Jahre später gelang Scorsese die Rekonstruktion.

"Heißer Stoff für Boston" (1971) heißt ein Film von Paul Williams. Harvard-Student Peter unternimmt für einen Bekannten Kurierflüge von Boston nach Berkeley, die nicht ganz ungefährlich sind, denn John handelt mit Mariuhana. Dort verliebt er sich in die hübsche Susan, und als er sie, um sie rasch wiederzusehen, mit einem Koffer voller "Ware" kommen lässt, geht sie der Polizei ins Netz. Doch als Detektiv Murphy etwas von dem Stoff beiseite tut, wird die ganze Geschichte lebensgefährlich.

1973 spielt Barbara Hershey die Hauptrolle in dem niederländischen Film "Angela - Love Comes Quietly", ein Jahr später in Arthur Hillers "The Crazy World Of Julius Vrooder" und wiederum ein weiteres Jahr später in "Der Diamanten-Clou".

"Der Letzte der harten Männer" (1976) von Andrew V. McLaglen mit Charlton Heston und James Coburn erzählt vom Alt-Sheriff Heston, der sich in Filzpantoffeln aufs Altenteil zurückgezogen hat, doch eigentlich ganz froh ist, als Bankdieb Coburn ihn wieder auf Trab bringt. Denn einst hat er das Halbblut hinter Gitter gebracht, wobei die Squaw des Banditen bedauerliches Opfer war. Und so kommt es, wie es kommen muß: Erst will Coburn an Heston Rache nehmen, dann wendet sich das Blatt und die Gerechtigkeit siegt. Barbara Hershey spielt die Tochter von Charlton Heston.

Seit Andrew V. McLaglen sich auf den Spuren seines Vaters Victor (eine der herrlichsten Sergeant-Figuren bei John Ford und in der ganzen Western- Geschichte) begab und sich dann gar als Erbe des großen John Ford verstand, drehte er Western auf Teufel-komm-raus. Sie alle sind so langweilig und durchschnittlich wie dieser. Aber es gibt immer wieder Chronisten, die dem Epigonen eine hohe Qualität nachsagen. John Wayne bezeichnete ihn gar als seinen Lieblingsregisseur.

"Der lange Tod des Stuntman Cameron" (1979) von Richard Rush mit Peter O'Toole ist ein Film zum Thema Kino und Wirklichkeit in gegenseitiger Wechselwirkung. Er, der King, der Regisseur, ist Herrscher über Leben und Tod - es ist die alte Psycho-Kiste vom fanatischen Regisseur, der mit allen Mitteln das letzte aus seinen Darstellern herausholen will. Da ist eben ein Stuntman ums Leben gekommen, weil ihm der Ausbrecher Cameron auf der Flucht vor der Polizei dazwischenkam. Dieser nun wird als williges Werkzeug benutzt. Die Hauptdarstellerin verliebt sich in den Stuntman und warnt ihn. Da Cameron aber echte Angst zeigt, hat der Regisseur seine Befriedigung: nahe der Wirklichkeit. Regisseur Cross will einen Film gegen den Krieg drehen und benutzt die Absurdität als Stilmittel. Action-Regisseur Richard Rush will seinerseits auch die Figur des Regisseurs (Peter O'Toole) der Lächerlichkeit preisgeben, doch die Form ist nicht konsequent, das Ganze wird allmählich zur langgedehnten Farce.

"Hannah und ihre Schwestern" (1985) ist Hersheys Begegnung mit Woody Allen. Woodys Annäherung an sein großes Vorbild Ingmar Bergman wird hier nach "Innenleben" wieder deutlich: strenger Stil, stringenter, dramaturgischer Ablauf, Konflikte gären unter der Oberfläche. Dennoch kultiviert Allen in dieser komplizierten Familiengeschichte um Liebe, Betrug und Erhalt von Schein seinen alten Humor, betont mit Vorliebe das Makabre, Sarkastische.

"Tin Men - Zwei haarsträubende Rivalen" (1986) von Barry Levinson zeigt Barbara Hershey neben Richard Dreyfuss und Danny DeVito. Der Kratzer im Cadillac - so sagt es der Film von Barry Levinson - ist schlimmer als der Verlust oder die Beschädigung der Ehefrau. Im Baltimore der 60er Jahre treffen Richard Dreyfuss und Danny DeVito in ihren Schlitten unsanft aufeinander und werden zu Erz-Feinden. Der eine wie der andere hat es von nun ab auf das Gefährt des anderen abgesehen. Doch eines Tages kommt dem einen eine ganz infame Idee: Er lässt den geparkten Cadillac des anderen in Ruhe und macht sich dafür an dessen Ehefrau heran. Da erlebt er eine Überraschung... Akzeptiert man erst einmal, dass das ein reiner Männerfilm ist, so macht das doch Spaß, und es ist clever und zügig inszeniert.

In "Die letzte Versuchung Christi" (1988) mit Willem Dafoe und Harvey Keitel berufen sich Drehbuchautor Paul Schrader und Regisseur Martin Scorsese nicht auf die Bibel, sondern auf die Romanvorlage von Nikos Kazantzakis, und vermitteln eine sehr skeptische Auffassung vom Christentum und der Heilsbotschaft. Ein vielschichtiger, interessanter Film. Barbara Hershey spielt darin die Maria Magdalena.

Bereits 1987 wurde Barbara Hershey in Cannes für ihre Rolle in Andrej Michalkow-Kontschalowskis "Shy People - Bedrohliches Schweigen" als beste Schauspielerin ausgezeichnet, ein Jahr später erhielt sie die Auszeichnung erneut, diesmal für ihre eindringliche Darstellung in "Zwei Welten" von Chris Menges. Der Film spielt im Johannesburg der frühen Sechzigerjahre. Gus Roth, Gegner des südafrikanischen Apartheid-Regimes, verlässt unmittelbar vor einer neuen Verhaftung das Haus bei Nacht und Nebel. Was für Ehefrau Diana (eine nuancenreiche Barbara Hershey) Routine ist, wird für die 13-jährige Molly später zu einem erschreckenden Moment ihrer Kindheit, vor allem dann, wenn die Mutter verhaftet, verhört und interniert wird. Wenn die Diffamierungen beginnen, erkennt Molly, was um sie herum geschieht: Diana Roth wird als eine "negerfreundliche" Kommunistin hingestellt, und bald rücken von ihr alle guten Bürger ab. Mollys Freundin und die Schulkameraden dürfen nicht mehr mit ihr spielen, sie wird am Hoftor abgewiesen, wo sie früher ein und aus ging: Allmählich begreift das Kind, dass es in einer feindlichen Welt lebt, es erkennt ihre Verlorenheit, Einsamkeit, spürt den Verlust an Geborgenheit, an Unbekümmertheit, den Verlust der Kindheit. Chris Menges erzählt die Geschichte aus der unmittelbaren Betroffenheit der Frauen.

Zu Hersheys Filmen der Neunzigerjahre gehören John Amiels "Julia und ihre Liebhaber" (1990) mit Peter Falk und Keanu Reeves und der Psychothriller "Wehrlos" (1991) von Martin Campbell, worin sie neben Sam Shepard eine Yuppie-Rechtsanwältin spielt. 1990 glänzt sie in Stephen Gyllenhaals "Tollwütig" als Ehefrau von Dennis Hopper, die von diesem brutal terrosiert wird. 1993 spielt sie in Joel Schumachers Großstadt-Western "Falling Down" an der Seite von Michael Douglas' Amokläufer die ängstliche Ehefrau und hat damit einen ganz großen Publikumserfolg, auch wenn der Film in seiner Aussage fragwürdig ist. Im selben Jahr ist sie bei Stephen Gyllenhaal neben Debra Winger in "Liebe, die tötet" und in Robert Youngs Klamotte "Und ewig schleichen die Erben" zu sehen.

Fürs Fernsehen steht sie neben der Fortsetzung der "Lonesome Dove"-Western-Mini-Serie auch für die Bibel-Verfilmung "Die Bibel - Abraham" vor der Kamera. Die Rolle einer Anthropologie-Professorin verkörpert sie in Tab Murphys Thriller "Das Tal der letzten Krieger" (1995) und schließlich die geheimnisvolle Madame Merle in Jane Campions stilvollem Melodram "Das Porträt einer Lady" (1996) neben Nicole Kidman und John Malkovich. 1998 dreht sie an der Seite von Kris Kristofferson mit Regisseur James Ivory "Die Zeit der Jugend", übernimmt die Hauptrolle in Amos Poes "Frogs And Snakes" und in der TV-Produktion "The Staircase". Außerdem spielt sie die fernsehsüchtige Ehefrau von Bruce Willis in Alan Rudolphs "Breakfast of Champions - Frühstück für Helden". 1999 entstand das Drama "Extreme Leidenschaft - Passion".

Weitere Filme: Robert Mulligans "Fünf Finger gteben eine Faust" (1969), William Wylers "Glut der Gewalt" (1970), "Die Angeklagte" (1974), "Die Flut bricht los", "Selbstjustiz" (beide 1976), "Der Furchtlose" (1978), "Verdammt in alle Ewigkeit" (TV-Mini-Serie, 1979), "Ein Engel auf meiner Schulter" (1980), "Ein Senkrechtstarter kratz die Kurve" (1981), Sidney Furies "Entity" (1982), Philip Kaufmans "Der Stoff, aus dem die Helden sind" (1983), Barry Levinsons "Der Unbeugsame" (1984), "Die Errol-Flynn-Legende" (TV, 1985), "Freiwurf", "Mörderische Gefühle" (beide 1986), Garry Marshalls "Freundinnen - Die Logik des Lebens" (1988), Stephen Gyllenhaals"Die Axtmörderin", "Evidence Of Love", (1990), Howard Franklins "Der Reporter" (1992), "Grenzenlose Leidenschaft" (1991), "Der Reporter", "Swing Kids" (beide 1992), "Eine gefährliche Frau" (1993), "Der Zufallslover" (1996), "Lantana" (2001), "11:14" (2003), "The Bird Can't Fly" (2007), "Bis später, Max! - Die Liebe kommt, die Liebe geht" (2007), "Black Swan", "Insidious" (beide 2010).


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