Seniorin Edie (Sheila Hancock) will sich einen lange gehegten Traum erfüllen und den Berg Suilven besteigen.
In "Edie - Für Träume ist es nie zu spät" nimmt eine 84-jährige Rentnerin eine herausfordernde Bergbesteigung in Angriff.

Edie - Für Träume ist es nie zu spät

KINOSTART: 23.05.2019 • Drama • GB (2017) • 102 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Edie
Produktionsdatum
2017
Produktionsland
GB
Laufzeit
102 Minuten
Regie
Simon Hunter
Music
Debbie Wiseman
Kamera
August Jakobsson

Filmkritik

Was noch geht
von Andreas Günther

Ein Abenteuerfilm im Zeichen des demografischen Wandels: "Edie – Für Träume ist es nie zu spät" schickt eine 84-Jährige zur Bergbesteigung.

Seit ein paar Jahren entdeckt das Kino die Senioren für sich. Denn während die Jungen ihre Filme vermehrt ins heimische Wohnzimmer streamen, geht die Generation 60 Plus wieder häufiger ins Kino. Derweil machen die über 80-Jährigen die jugendverwöhnte Leinwand unsicher. Erst kürzlich hat Clint Eastwood in "The Mule" als greiser Drogenkurier gejobbt und Robert Redford in "Ein Gauner & Gentleman" lässig Banken überfallen. Nun zieht Altersgenossin Sheila Hancock nach. Im Vereinigten Königreich als Bühnendarstellerin und Fernsehschauspielerin bekannt, hat sie sich die Titelrolle im Kinofilm "Edie – Für Träume ist es nie zu spät" mit rigorosem körperlichen Training gesichert.

Denn das Drama ist genau genommen ein Abenteuerfilm. Und wenn zu sehen sein soll, wie eine 84-Jährige den schottischen Berg Suilven mit seinen 731 Metern Höhe besteigt, ist es vorteilhaft, dass die Darstellerin dazu wirklich in der Lage ist. Während der Dreharbeiten soll Sheila Hancock bisweilen nahe daran gewesen sein, aufzugeben. Es ist gut, dass sie sich durchgebissen hat. Mag der Film gelegentlich auch schwächeln, liegt es doch niemals an ihr – und Hancock macht Gleichaltrigen auf wunderbare Weise Mut, sich nicht "alt" zu fühlen.

"Wollen wir da mal rauf? Um der alten Zeiten willen?" Diesen Postkartentext hat Edie (Hancock) einst von ihrem Vater bekommen, mit Schwarzweiß-Foto des Bergs Suilven auf der Kehrseite. Edie findet die Karte wieder, als sie nach dem Tod ihres Mannes aufräumt, für dessen Pflege sie ihr eigenes Leben praktisch aufgegeben hat. Ihre Tochter wähnt die Zeit gekommen, ihre Mum einem Altersheim zu überantworten. Immerhin ist Edie ja schon nicht mehr so recht beieinander.

Verspäteter Widerstand

Aber Mutter Edie sagt das für sie bestimmte neue Zuhause wenig zu. Stattdessen wünscht sie sich nachzuholen, was sie mit ihrem Vater versäumt hat – nämlich auf den Suilven zu steigen. In antiquierter Wanderausrüstung bricht sie nach Schottland auf. Sie kauft im Outdoor-Laden von Jonny (Kevin Guthrie) nicht nur weiteres Equipment ein, sondern engagiert ihn auch als Führer auf den Berg. Die Teambildung gestaltet sich jedoch nicht zuletzt aufgrund des Altersunterschieds recht schwierig. Als Fiona (Amy Manson) ihren Verlobten Jonny ermahnt, doch bitte mehr Aufmerksamkeit dem gemeinsamen Geschäftsvorhaben als dem verrückten Plan der Alten zu schenken, macht sich Edie allein auf den Weg hinauf zum Gipfel.

Der Dialog mit der Jugend gelingt in "Edie – Für Träume ist es nie zu spät" nicht. Weder Drehbuchautorin Elizabeth O'Halloran noch Simon Hunter, bisher Regisseur unbekannt gebliebener Horrorstreifen, fällt etwas Substanzielles für die Beziehung zwischen Edie und Jonny ein. Das Gezänk zwischen alter Schachtel und genervtem Jüngling nimmt viel Zeit ein.

Aber Edie ist top. Ihre Bergbesteigung erweist sich äußerst eindrucksvoll als verspäteter Widerstand gegen männliche Unterdrückung in der Ehe, wie sie Frauen ihrer Generation in der Regel extremer erlebt haben als heutige. Markant spiegelt Sheila Hancock Melancholie und Sehnsucht wider und kann auch mal schnurrig verschmitzt sein. Doch vor allem zeigt sie, dass es sich lohnt, auch dann an seine Grenzen zu gehen und die Limits auszuschöpfen, wenn das Leben schon fast vorbei scheint.

Die Filmemacher, inmitten rauer Natur ganz in ihrem Element, beschenken Edie an einem gefährlichen Punkt ihrer Wanderung mit einer Begegnung der unvermuteten und besonderen Art. Es ist eine Begegnung von berührender Einfachheit und zugleich Magie, wie sie in je eigener Weise jedem zuteilwerden kann, der etwas zu wagen wagt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Weitere Darsteller
Sheila Hancock Kevin Guthrie Paul Brannigan Amy Manson Wendy Morgan Rachael Keiller Donald Pelmear Daniela Bräuer Christopher Dunne Tori Butler-Hart Calum MacRae Tanya Winsor Sallyann Fellowes Wynne Potts Tom McHugh Seoras Hearton Shaun Cowan

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