In "Jonathan" spielt Ansel Elgort eine Doppelrolle: zwei Brüder, die sich einen Körper teilen.
Bill Olivers Spielfilmdebüt "Jonathan" wirft kluge Fragen zum Menschsein auf.

Jonathan

KINOSTART: 23.05.2019 • Drama • USA (2019) • 101 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Jonathan
Produktionsdatum
2019
Produktionsland
USA
Filmstudio
Manis Film, Raised by Wolves, Well Go USA Entertainment
Laufzeit
101 Minuten
Regie
Bill Oliver
Music
Brooke Blair, Will Blair
Kamera
Zach Kuperstein

Filmkritik

Zwei Seelen wohnen, ach!, in meiner Brust!
von Christopher Diekhaus

Die Brüder Jonathan und John teilen sich einen Körper und verfügen täglich jeweils zwölf Stunden über ihn. Diese originelle Prämisse nutzt Bill Oliver in seinem Spielfilmdebüt, um über Identität und Selbstverwirklichung zu sinnieren.

Vieles ist anfangs mysteriös in Bill Olivers Spielfilmdebüt "Jonathan", und nur langsam kristallisiert sich heraus, wohin die Reise gehen wird. Dreh- und Angelpunkt der futuristisch angehauchten Geschichte ist der schüchterne Titelheld, der ein höchst ungewöhnliches Verhältnis zu seinem Bruder John pflegt. Die Geschwister, die beide von Ansel Elgort ("Baby Driver") gespielt werden, teilen sich ein und denselben Körper und können dank eines hinter dem Ohr sitzenden Time-Splitters jeweils zwölf Stunden allein über ihn verfügen. Während einer der beiden ruht, ist der andere aktiv und fasst am Ende seiner "Schicht" das Erlebte in einem Video minutiös zusammen – eine Konstellation, die der Zuschauer ohne große Erklärungen zunächst schlucken muss. Um ihre Doppelexistenz geheimzuhalten, handeln die Brüder nach einem strikten Regelkodex, der alle tiefergehenden Beziehungen zu anderen Menschen verbietet.

Da sich der halbtags in einem Architekturbüro arbeitende, ordnungsliebende Jonathan in letzter Zeit seltsam erschöpft fühlt und gegenüber seinem Bruder misstrauisch wird, setzt er einen Privatdetektiv (Matt Bomer) auf ihn an und erfährt schließlich, dass sich der impulsive John in die Bardame Elena (Suki Waterhouse) verliebt hat. Der Bruch mit den Vereinbarungen treibt einen Keil zwischen die in einem Körper wohnenden jungen Männer und bringt auch die eingeweihte Ärztin Dr. Nariman (Patricia Clarkson) immer mehr ins Grübeln.

Dass Jonathan und John zwei voll ausgeprägte Persönlichkeiten sind und sich auch als solche wahrnehmen, unterstreicht Regiedebütant Oliver auf vielfältige Weise. Ihr Äußeres ist nicht deckungsgleich; ihr Temperament unterscheidet sich markant; und nicht umsonst stehen in ihrem Schlafzimmer zwei Betten. Bei allen Differenzen ist ihre Bindung aufgrund der ungewöhnlichen Lebensumstände allerdings besonders innig. Weil Handlungen des einen direkten Einfluss auf den Alltag des anderen haben, sind umfassendes Vertrauen und Offenheit unabdingbar.

Die selbst auferlegten Regeln dienen als Schutzmechanismen, produzieren aber zunehmend Enttäuschungen und Zweifel. An eine Selbstverwirklichung, ein Streben nach individuellem Glück ist nämlich nicht zu denken. Aus dem unvermeidlichen Konflikt der Geschwister hätten der auch am Drehbuch beteiligte Oliver und seine Koautoren Gregory Davis und Peter Nickowitz zweifellos einen wendungsreichen Thriller stricken können. Der Film entpuppt sich jedoch als existenzialistisches Science-Fiction-Drama, das fast ausschließlich Jonathans Perspektive einnimmt. John lernt man im Grunde nur über dessen Videobotschaften kennen.

Das manchmal provozierend langsame Erzähltempo des Films ist sicherlich herausfordernd. Und einige Aspekte – etwa die Rolle Dr. Narimans – hätten gewiss ein wenig Feinschliff vertragen können. Die unaufgeregte Auseinandersetzung mit spannenden Identitätsfragen schafft es aber dennoch, berührende Akzente zu setzen. Inmitten der sorgsam komponierten, kühlen, von geradezu erdrückenden Weißtönen bestimmten Bilder (Kameramann: Zach Kuperstein) brechen sich hin und wieder Emotionen Bahn, die das Publikum unerwartet an die Leinwand fesseln. Auch wenn nicht alles durchdacht ist und nicht jede Entscheidung vollends überzeugt, erwartet den Zuschauer ein anregendes Kinoerlebnis mit einigen klugen, diskussionswürdigen Einsichten zum Menschsein.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller

Wird jeder Herausforderung gerecht: Patricia Clarkson
Patricia Clarkson
Weitere Darsteller
Suki Waterhouse Ansel Elgort Joe Egender Douglas Hodge Matt Bomer Souléymane Sy Savané Shunori Ramanathan Ian Unterman Alok Tewari Jeff Kim Teo Rapp-Olsson Alaska McFadden

News zu Jonathan

Neu im kino

Spider-Man: Brand New Day (2026)
Spider-Man: Brand New Day
Science Fiction • 2026
Die Odyssee (2026)
Die Odyssee
Abenteuer • 2026
prisma-Redaktion
So klingt das Leben (2025)
So klingt das Leben
Drama • 2025
prisma-Redaktion
Was haben wir gelacht (2026)
Was haben wir gelacht
Dokumentarfilm • 2026
prisma-Redaktion
Vaiana (2026)
Vaiana
Familie • 2026
prisma-Redaktion
Virginia Woolf's Night & Day (2026)
Virginia Woolf's Night & Day
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Etwas ganz Besonderes (2026)
Etwas ganz Besonderes
Drama • 2026
prisma-Redaktion
The Piano Tuner (2026)
The Piano Tuner
Krimi • 2026
prisma-Redaktion
Vom Traum, unsinkbar zu sein (2026)
Vom Traum, unsinkbar zu sein
Dokumentarfilm • 2026
prisma-Redaktion
Minions & Monster (2026)
Minions & Monster
Abenteuer • 2026
prisma-Redaktion
Supergirl (2026)
Supergirl
Action • 2026
prisma-Redaktion
Jackass: Einer geht noch (2026)
Jackass: Einer geht noch
Action • 2026
prisma-Redaktion
Power Ballad – Der Song meines Lebens (2026)
Power Ballad – Der Song meines Lebens
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
The Invite (2026)
The Invite
Drama • 2026
The Death of Robin Hood (2026)
The Death of Robin Hood
Drama • 2026
LOL 2.0 (2026)
LOL 2.0: Anne’s Golden Hour
Komödie • 2026
Die kleine Amélie oder Der Charakter des Regens (2025)
Die kleine Amélie oder Der Charakter des Regens
Animation • 2025
prisma-Redaktion
Dolly (2026)
Dolly
Horror • 2026
prisma-Redaktion
Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit (2026)
Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit
Mystery • 2026
prisma-Redaktion
Masters of the Universe (2026)
Masters of the Universe
Action • 2026
prisma-Redaktion
Sommer auf Asphalt (2026)
Sommer auf Asphalt
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Scary Movie (2026)
Scary Movie
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Solo Mio (2026)
Solo Mio
Liebesfilm • 2026
prisma-Redaktion
Passenger (2026)
Passenger
Horror • 2026
prisma-Redaktion
Verflucht normal (2025)
Verflucht normal
Drama • 2025
prisma-Redaktion
Backrooms (2026)
Backrooms
Horror • 2026
Vivaldi und ich (2025)
Vivaldi und ich
Musik • 2025
prisma-Redaktion
Mother Mary (2026)
Mother Mary
Musik • 2026
prisma-Redaktion
The Mandalorian and Grogu (2026)
Star Wars: The Mandalorian and Grogu
Abenteuer • 2026
prisma-Redaktion
Ein Münchner im Himmel – Der Tod ist erst der Anfang (2026)
Ein Münchner im Himmel – Der Tod ist erst der Anfang
Komödie • 2026
prisma-Redaktion