Oben angekommen: 1996 erklimmt Hans Kammerlander (Michael Kuglitsch) den Gipfel des Mount Everest.
"Manaslu - Berg der Seelen" ist das bewegende Porträt über den Extrembergsteiger Hans Kammerlander.

Manaslu - Berg der Seelen

KINOSTART: 03.01.2019 • Dokumentarfilm • A (2018) • 123 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Manaslu - Berg der Seelen
Produktionsdatum
2018
Produktionsland
A
Laufzeit
123 Minuten

Filmkritik

Keine halben Sachen
Von Claudia Nitsche

Regisseur Gerald Salmina bringt mit "Manaslu – Berg der Seelen" ein bewegendes Porträt über den Südtiroler Extrembergsteiger Hans Kammerlander auf die Leinwand.

Auf halbem Weg stehenzubleiben, das gab es in der Südtiroler Welt von Hans Kammerlander nicht. Schon in der Kindheit, bei der Arbeit auf dem Hof, konnte man nicht nach der Hälfte sagen, dass man keine Lust mehr hat. Das hat den heute 62-Jährigen geprägt. Die filmische Doku "Manaslu – Berg der Seelen" porträtiert den Extrembergsteiger in bewegender Weise. Gleich zu Beginn präsentiert Regisseur Gerald Salmina viel Inhalt, dabei verschießt er aber keineswegs sein Pulver. Denn über das Leben des immer noch aktiven Südtirolers lässt sich stundenlang erzählen, ohne dass Langeweile aufkommt. Die Achttausender, der erfolgreiche Wettlauf gegen die Zeit und die Tiefschläge, alles Erlebte fasst Kammerlander selbst in Worte, berichtet von seinen Anfängen und allem, was heute zählt. Hat man den zweistündigen Film über diesen Mann gesehen, glaubt man zunächst, dass alle Fragen beantwortet sind – und doch fallen einem sofort viele neue ein. Denn oberflächlich ist dieses Porträt nicht.

Den Everest im Rekord bezwingen, sehr hohe Berge von allen Seiten erklettern, das sind unter anderem Hans Kammerlanders Taten. Schon früh lernte er, dass aufgeben keine Option ist. Eine gute Schule für seine Leidenschaft, das Klettern, am liebsten kombiniert mit einer anschließenden Abfahrt auf Skiern, so schwierig die sich auch gestaltete. Zwölf Achttausender, 50 Erstbegehungen oder die Zusammenarbeit mit Reinhold Messner, der zwar Kamerad, aber nie zum Freund wurde, sind Stichworte in einem aufregenden Leben, bei dem man nicht allzu aufgeregt agieren sollte.

Als der Manaslu mit seinen gut 8.200 Metern seine Freunde umbrachte, war es jedoch um Kammerlanders Leidenschaft geschehen. Der Berg, ausgerechnet "der Berg der Seelen", war plötzlich sein Feind. Erst 2017, 26 Jahre nach der schicksalhaften Tour in Nepal, unternahm er den Aufstieg ein zweites Mal.

Die anstrengende und prägende Episode Manaslu nimmt den größten Teil des gleichnamigen Films ein. Es geht jedoch bei diesem Porträt nicht um Superlative, sondern viel mehr um das Auf und Ab des Lebens. Kammerlander weiß trotz all seiner Fachkenntnisse, dass es nur Zufall ist, dass gerade er überlebt hat – und die anderen nicht. Denn dort oben passiert häufig das Gegenteil dessen, was alle vorhersagen, im fatalsten Fall ein Gewitter.

Regisseur Gerald Salmina steht für naturverbundene Filme und inszeniert die Aktionen am Berg gewöhnungsbedürftig als Actionfilm mit recht spektakulären Einstellungen. In Spielszenen werden die dramatischen Szenen auf dem Berg nachgestellt, die Kindheit wird wie ein Heimatfilm präsentiert. Diese eigenartige Mischung funktioniert, weil Kammerlander so ruhig und besonnen von seinem Leben berichtet, dass man ihm gerne zuhört.

Es braucht eine Weile, bis man weiß, warum diese zweistündige Dokumentation nicht langweilig wird. Der Grund ist schlicht und einfach, dass keiner prahlt. Das ist sozusagen der Gipfel in der Kunst des Erzählens. Heute hält der Südtiroler Extremkletterer vor allem Vorträge und gibt Seminare, häufig hält er sich in seiner zweiten Heimat Nepal auf, schreibt Bücher. Rentner ist er noch keiner, sondern einer, der die hohe Kunst beherrscht, entsprechend seines Alters zu leben.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

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