Die Milchfarm verlangt Inga (Arndís Hrönn Egilsdóttir) alles ab. Hoffnung, ihre Schulden bei der Kooperative abzuzahlen, hat sie nicht.
In Grímur Hákonarsons Tragikomödie "Milchkrieg in Dalsmynni" nimmt eine Milchbäuerin ganz allein den Kampf gegen eine lokale Kooperative auf.

Milchkrieg in Dalsmynni

KINOSTART: 09.01.2020 • Drama • IS/DK/F/D (2019) • 92 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Héraðið
Produktionsdatum
2019
Produktionsland
IS/DK/F/D
Filmstudio
Profile Pictures, One Two Films, Netop Films, Haut et Court
Laufzeit
92 Minuten
Regie
Grímur Hákonarson
Music
Valgeir Sigurðsson
Kamera
Mart Taniel

Filmkritik

Allein gegen die Milch-Mafia
von Gabriele Summen

Wieder einmal eine David-gegen-Goliath-Geschichte auf Isländisch: Grímur Hákonarson erzählt in seiner Tragikomödie "Milchkrieg in Dalsmynni" vom Kampf einer Milchbäuerin gegen die entgleiste Monopolwirtschaft einer ehemaligen Solidargemeinschaft.

Isländer können schrecklich stur sein und scheinen zivilen Ungehorsam bereits mit der Muttermilch aufzusaugen: Das zumindest vermitteln zwei herausragende Filme der letzten Jahre aus dem kargen Inselstaat, in dem die Folgen des Turbokapitalismus und der Globalisierung schon lange auch schmutzigen Blüten tragen. In dem großartigen Ökothriller "Gegen den Strom" (2018) von Benedikt Erlingsson zog eine freundliche Fünfzigjährige nachts mit Pfeil und Bogen los, um die Aluminiumindustrie zu schädigen, und in dem archaischen Bruderdrama "Sture Böcke" von Grímur Hákonarson aus dem Jahre 2015 widersetzte sich ein zotteliger Schafbesitzer dem Veterinäramt. Auch in Hákonarsons neuestem Film "Milchkrieg in Dalsmynni" wagt es eine verwitwete Milchbäuerin, den Kampf David gegen Goliath aufzunehmen und legt sich mit der örtlichen, mafiös-korrupten Genossenschaft an.

Gleich in einer der ersten Szenen hilft die tatkräftige Inga (Arndís Hrönn Egilsdóttir) einem Kalb auf die Welt und macht damit von Anfang an deutlich, dass sie in einer von patriarchalen Strukturen geprägten Welt ihre Frau zu stehen weiß. Sie und ihr Mann Reynir (Hinrik Ólafsson) betreiben eine Milchfarm, die jedoch hoffnungslos verschuldet ist. Schuld daran ist die lokale Kooperative des Dorfes, in der alle Farmer Mitglieder sind. Einst gegründet zum Schutz gegen internationale Konzerne, haben sich die Strukturen der Solidargemeinschaft verselbstständigt.

Ihre Mitglieder werden mittlerweile gezwungen, ihren Farmbedarf bei der Genossenschaft zu teilweise überteuerten Preisen zu erwerben und auch ihre Erzeugnisse nur an diese zu verkaufen. So ist ein ganzer Ort abhängig von einer Organisation, die man selbst geschaffen hat. Abweichler werden bestraft und erpresst, wie auch Ingas Mann, der eines Tages nach einem Termin beim Genossenschaftsvorsitzenden tödlich verunglückt – die Frage, ob es sich um Selbstmord, Mord oder einen Unfall handelt, bleibt offen.

So beginnt er, der titelgebende "Milchkrieg in Dalsmynni". Regisseur Hákonarson erzählt seine Geschichte äußerst gemächlich, Kameramann Mart Taniel hat sie in starren Einstellungen festgehalten, unterstützt von nur spärlich eingesetzter Filmmusik.

Inga begreift nach und nach, dass der Tod ihres Mannes mit den mafiösen Machenschaften der Kooperative zusammenhängt. Sie beginnt, auf Facebook Beiträge über die schmutzigen Methoden der Genossenschaftler zu posten, gibt aufrührerische TV-Interviews, pfeift auf die Drohungen des mächtigen Leiters der Kooperative (Sigurður Sigurjónsson) und bewirft das Auto eines mächtigen Mitarbeiters, der ihr Angst machen will, mit Mist. Zunächst steht sie allein auf weiter Flur, denn keiner der Bauern wagt es, gegen die allmächtige Genossenschaft aufzubegehren. Im Laufe des Films aber ändert sich das ganz allmählich.

Leider aber fiebert man dabei mit Inga nicht wirklich mit. Und das, obwohl Hauptdarstellerin Egilsdóttir sie kraftvoll und glaubwürdig verkörpert. In ihren besten Momenten erinnert sie mit dem von einem harten Leben gezeichneten Gesicht, den klaren Augen und dem blaugrauen Arbeitsoverall an Frances McDormands in dem grandiosen, bitterbösen Rachedrama "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri"; gegen das schwache Drehbuch des Films kommt sie aber nicht an. Ihre Figur bleibt farblos, viel erfährt der Zuschauer nicht über diese Inga. Und zum Schluss stiehlt sich Regisseur Hákonarson auch noch mit einem recht billigen Ende davon. Seine Drehbuch-Milchmädchen-Rechnung geht leider nicht ganz auf.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

Weitere Darsteller
Arndís Hrönn Egilsdóttir Sigurður Sigurjónsson Sveinn Ólafur Gunnarsson Þorsteinn Bachmann Ævar Þór Benediktsson Þorsteinn Gunnar Bjarnason Daniel Hans Erlendsson Edda Björg Eyjólfsdóttir Hafdís Helga Helgadóttir Siggi Holm Ingrid Jónsdóttir Hjörtur Jóhann Jónsson Steinn Ármann Magnússon Alfrun Rose Rakel Ýr Stefánsdóttir Hannes Óli Ágústsson Guðmundur Ólafsson Hinrik Ólafsson Davíð Kristjánsson

Neu im kino

Die reichste Frau der Welt (2025)
Die reichste Frau der Welt
Komödie • 2025
prisma-Redaktion
Pferd am Stiel – Ein Hobby-Horsing-Abenteuer (2026)
Pferd am Stiel – Ein Hobby-Horsing-Abenteuer
Familie • 2026
prisma-Redaktion
Michael (2026)
Michael
Musik • 2026
prisma-Redaktion
Paris Murder Mystery (2025)
Paris Murder Mystery
Drama • 2025
prisma-Redaktion
Lee Cronin's The Mummy (2026)
Lee Cronin's The Mummy
Horror • 2026
prisma-Redaktion
Kiss of the Spider Woman (2025)
Kiss of the Spider Woman
Liebesfilm • 2025
prisma-Redaktion
Der Magier im Kreml (2026)
Der Magier im Kreml
Drama • 2026
prisma-Redaktion
Arco (2025)
Arco
Animation • 2025
prisma-Redaktion
How to Make a Killing – Todsicheres Erbe (2026)
How to Make a Killing – Todsicheres Erbe
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Das Drama – Noch mal auf Anfang (2026)
Das Drama – Noch mal auf Anfang
Liebesfilm • 2026
prisma-Redaktion
A Missing Part (2024)
A Missing Part
Drama • 2024
prisma-Redaktion
Der Super Mario Galaxy Film (2026)
Der Super Mario Galaxy Film
Abenteuer • 2026
prisma-Redaktion
Horst Schlämmer sucht das Glück (2026)
Horst Schlämmer sucht das Glück
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Blue Moon (2025)
Blue Moon
Historie • 2025
prisma-Redaktion
Shelter (2026)
Shelter
Action • 2026
prisma-Redaktion
Der Astronaut – Project Hail Mary (2026)
Der Astronaut – Project Hail Mary
Science Fiction • 2026
prisma-Redaktion
Is This Thing On? (2025)
Is This Thing On?
Komödie • 2025
prisma-Redaktion
Ein Sommer in Italien – WM 1990 (2026)
Ein Sommer in Italien – WM 1990
Dokumentarfilm • 2026
prisma-Redaktion
Good Luck, Have Fun, Don't Die (2026)
Good Luck, Have Fun, Don't Die
Action • 2026
prisma-Redaktion
The Testament of Ann Lee (2025)
The Testament of Ann Lee
Historie • 2025
prisma-Redaktion
Nouvelle Vague (2025)
Nouvelle Vague
Komödie • 2025
prisma-Redaktion
The Bride! – Es lebe die Braut (2026)
The Bride! – Es lebe die Braut
Science Fiction • 2026
prisma-Redaktion
Hoppers (2026)
Hoppers
Animation • 2026
prisma-Redaktion
Gelbe Briefe (2026)
Gelbe Briefe
Drama • 2026
prisma-Redaktion
Ein fast perfekter Antrag (2026)
Ein fast perfekter Antrag
Drama • 2026
prisma-Redaktion
Marty Supreme (2025)
Marty Supreme
Drama • 2025
prisma-Redaktion
Father Mother Sister Brother (2025)
Father Mother Sister Brother
Komödie • 2025
prisma-Redaktion
Cold Storage (2026)
Cold Storage
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Dead of Winter – Eisige Stille (2025)
Dead of Winter – Eisige Stille
Thriller • 2025
prisma-Redaktion
Dust Bunny (2025)
Dust Bunny
Fantasy • 2025
prisma-Redaktion