Nestroy

KINOSTART: 01.01.1970 • Literaturverfilmung • Österreich (1999)
Lesermeinung
Produktionsdatum
1999
Produktionsland
Österreich
Music
Im Wien des Vormärz der Revolution von 1848 herrschen Zustände wie in einem Polizeistaat: größtes Elend, Arbeitslosigkeit, Vagabundentum und radikale Unterdrückung jeden Versuchs einer politischen Veränderung. Die Mittel dazu sind eine allgegenwärtige Geheimpolizei und strengste Zensurmaßnahmen. Nestroy ist 32 Jahre alt und hat eine gescheiterte Karriere als Opernsänger hinter sich. Seine Ehefrau Wilhelmine ist mit einem Adeligen durchgebrannt. Um überleben zu können, hat er sich nach privatem Desaster auf das komische Fach verlegen müssen. Nun feiert er erste Erfolge. Er bearbeitet und adaptiert Stücke und Romane aus Frankreich und England und schreibt für sich selbst Rollen, die einen subversiven, abgründigen Witz entfalten, der in Wiens größtem Theater immer mehr Publikum anlockt. Bei Bühnenauftritten macht Nestroy mit frechen Zweideutigkeiten die anwesende Geheimpolizei lächerlich und erzeugt im Zuschauerraum eine hochexplosive Stimmung, in der seine Pointen zündende Funken schlagen. Von ihrem adeligen Liebhaber verlassen, kehrt Wilhelmine Nestroy zurück und erscheint eines Abends nach Ende der Vorstellung plötzlich in einer Kutsche am Bühneneingang. Nestroy lebt aber zu der Zeit bereits mit der Kleindarstellerin Marie Weiler zusammen. Diese hat inzwischen die absolute Kontrolle über Nestroys Lebensumstände und vor allem über seine Finanzen. Nestroy kann sich mit der zurückgekehrten Ehefrau deshalb nur heimlich treffen. Und aus akutem Geldmangel nur in einer Absteige, in der Prostituierte ihrem Gewerbe nachgehen. Nestroy fühlt sich von Wilhelmine nach wir vor sexuell sehr stark angezogen und will endlich Ordnung in sein zerrüttetes Leben bringen. Die romantisch veranlagte Frau und Mutter seines Sohnes hat einen Hang zu Höherem und bestätigt Nestroy darin, durch ein Engagement am gesellschaftlich geachteten Burgtheater seine berufliche Existenz zu veredeln. Nestroy gelingt es, den Direktor des Burgtheaters zur Uraufführung seines "Lumpazivagabundus" zu überreden, indem er diesem verspricht, dass er an einer bestimmten Stelle des Stückes einen seriösen, höchst tragischen Monolog einbauen werde, um zu beweisen, dass er den künstlerischen Anforderungen des Hofund Nationaltheaters durchaus gewachsen sei. Die Zeit der Proben zum neuen Stück wird konfliktreich. Von allen Seiten nimmt der Druck auf den jungen Dichter-Schauspieler zu. Carl, der Theaterdirektor, verlangt nicht Kunst, sondern nur garantiert publikumswirksame Ware. Die Zensurbehörde ist über Nestroys "Extempores" auf der Bühne so empört, dass sie bereits droht, das Theater schließen zu lassen. Wilhelmine kann das Hotel nicht mehr bezahlen, und der Wirt schickt ihr bereits Freier aufs Zimmer. Sie verlangt von ihrem Ehemann Nestroy, sie endlich wieder in seine Wohnung aufzunehmen. Dort residiert aber Demoiselle Weiler, die fest entschlossen ist, die Stellung nicht so schnell zu räumen. Endlich kommt der Tag der Premiere. Der Direktor des Burgtheaters sitzt in einer Loge nahe der Bühne, Wilhelmine neben ihm. Die Weiler steht gemeinsam mit Nestroy auf der Bühne. Das Publikum amüsiert sich über die derben Witze, und die beiden wie üblich anwesenden Geheimpolizisten werden immer nervöser, weil Nestroy den anarchischen Säufer Knieriem schamloser und unmoralischer darstellt, als es aus dem von der Zensurbehörde genehmigten Text abzulesen war. Die Weiler hat Nestroys Absicht, sich als "tragisch" aus ihrer Beziehung und aus dem Theater zu entfernen, allerdings längst durchschaut und findet das probate Gegenmittel. Nach der Pause führt sie die Geheimpolizisten hinter die Bühne, um ihnen die Ausübung ihrer Kontrolle zu erleichtern. Nestroy setzt zu dem versprochenen tragischen Monolog an. Dabei fällt sein Blick auf die verhassten Figuren, die ihn aus nächster Nähe von der Seitenbühne her bedrohlich mustern und provozieren. Nestroy vergisst seinen Text, wird wütend, beginnt in wilden Extempores Staat und Polizei zu verspotten. Er fordert die Spitzel heraus, zerrt sie aus ihrer Deckung auf die Bühne und vor das Publikum. Schließlich wird er dafür auf offener Bühne verhaftet. Das Publikum hält die Szene für einen genialen Stückschluss und tobt vor Begeisterung. Der Burgtheaterdirektor ist sich nun sicher, dass er diesen Künstler in seinen Hallen nicht brauchen kann. Nestroy kommt für einige Tage ins Gefängnis. Währenddessen wird Wilhelmine von der Weiler mit einem Unterhaltsvertrag, in dem sie in die Scheidung einwilligt, abgefertigt und reist ab. Da Nestroys Erfolg aus finanzieller Sicht zu profitabel ist, um verhindert zu werden, entscheidet der zuständige Adelige, dass dem Volk dieses Ventil des Spottes nicht genommen werden solle, und Nestroy bleibt für die nächsten 30 Jahre der Liebling des Wiener Publikums.
Darsteller
Fritz Karl in einer seiner besten Rollen als
"Jennerwein"
Fritz Karl
Lesermeinung
Otto Schenk
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