Die vor der Südküste Islands gelegenen Westmännerinseln, 1984: Der Fischer Gulli und fünf Kollegen stechen nach einer kurzen Nacht - am Abend zuvor hatte man noch zusammen gefeiert - mit ihrem Schiff in See, um wie so oft vor den Inseln für ihren kargen Lebensunterhalt zu sorgen. Zunächst läuft auch alles wie immer, bis sich plötzlich eines der Netze verfängt und das Schiff zum Kentern bringt. Drei Seemänner sind sofort, zwei weitere sterben in der eisigen See, nur Gulli schwimmt immer weiter in der Hoffnung, endlich Land zu erreichen …

Nach einer wahren Geschichte, deren Protagonist in Island als der "Seehund-Mann" bekannt wurde, inszenierte Baltasar Kormákur dieses eindrucksvolle Drama um den Überlebenskampf eines Einzelnen in der unerbittlichen Natur. "Seehund-Mann" wurde der überlebende Fischer, dem Autor Jón Atli Jónasson ein Theaterstück widmete, seit Mitte der Achtzigerjahre genannt, weil Wissenschaftler glaubten, er habe nur durch sein Körperfett in der eiskalten See überlebt. Kormákur erzählt diese Geschichte ohne Pathos, vielmehr gibt er zunächst einen Einblick in das einfache Leben der Fischer auf den Westmännerinseln, bevor er seinen Protagonisten in den harten wie absolut realistischen Überlebenskampf auf See und an Land schickt. Der abschließende dritte Teil beschäftigt sich mit der möglichen Erklärung der wundersamen Rettung. In der Hauptrolle als Gulli glänzt Ólafur Darri Ólafsson ("Reykjavik - Rotterdam: Tödliche Lieferung"), der unter Kormákur bereits 2000 in dem Drama "101 Reykjavik" spielte.

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