Die beiden Rentner Betty (Helen Mirren) und Roy (Ian McKellen) erleben einen zweiten Frühling - zunächst.
Die Romanverfilmung "The Good Liar" lebt vor allem von den beiden großen Hauptdarstellern: Helen Mirren und Ian McKellen.

The Good Liar - Das alte Böse

KINOSTART: 28.11.2019 • Drama • USA (2019) • 110 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
The Good Liar
Produktionsdatum
2019
Produktionsland
USA
Filmstudio
New Line Cinema, Bron Studios, 1000 Eyes
Budget
10.000.000 USD
Einspielergebnis
33.856.058 USD
Laufzeit
110 Minuten
Regie
Bill Condon
Music
Carter Burwell
Kamera
Chiabella James, Tobias A. Schliessler

Filmkritik

Alter schützt vor Bosheit nicht
von Peter Osteried

In der Verfilmung von Nicholas Searles Roman "Das alte Böse" ist Ian McKellen genau das – ein Gauner, der ein freundliches Gesicht macht, aber innerlich verrottet ist. Nun hat er es auf den Reichtum der verwitweten Helen Mirren abgesehen.

Es ist eigentlich nicht weiter ungewöhnlich: Zwei Menschen haben sich online kennengelernt, sie chatten, sie mögen einander und sie beschließen, sich auch im echten Leben zu treffen. So etwas passiert tagtäglich viele Tausende Male. Seltener ist es allerdings, wenn auf beiden Seiten des Computers Menschen sitzen, die bereits um die 80 sind. Aber Roy (Sir Ian McKellen) ist nicht nur auf Brautschau. Er ist auf der Jagd. Nach einem neuen Opfer, dem er alles nehmen kann. Betty (Helen Mirren) scheint dieses perfekte Opfer zu sein. Eine Frau, die seit einem Jahr verwitwet ist und nun nach einem Freund sucht. Nach einem Mann wie Roy, der charmant, freundlich und humorvoll ist. Das erste Treffen läuft hervorragend, beide sind sich sympathisch. Natürlich wollen sie sich wiedersehen.

So beginnt Bill Condons neuer Film "The Good Liar", der nach "Gods and Monsters" und "Mr. Holmes" die dritte Zusammenarbeit des New Yorkers mit Ian McKellen darstellt. Es wird zunehmend schwieriger, Projekte zu finden, an denen beide Männer interessiert sind, weil McKellen längst ein Alter erreicht hat, in dem Hauptrollen rar gesät sind. Umso saftiger ist die Rolle des Betrügers, Tricksers und Täuschers Roy, bei der McKellen herrlich variieren kann. Mal gebrechlich, mal vital, mal charmant, mal absolut bösartig, was von einem Moment zum nächsten wechseln kann.

Man erlebt mit, wie Roy andere Leute ausnimmt und betrügt, während er zugleich Betty bezirzt und sie dazu bringen will, ihr ganzes Vermögen auf einem gemeinsamen Konto zu lagern. McKellen spielt das mit teuflischer Freude. Dieser Roy ist ein durch und durch schlechter Mensch. Jemand, der betrügt, weil es ihm Vergnügen bereitet und sein Leben bereichert, nicht, weil er es nötig hätte. Helen Mirrens Rolle ist dagegen unscheinbarer. Sie ist die alt gewordene Lehrerin, ein bisschen spießig, britisch vornehm, auf jeden Fall sehr nett, aber auch ungefährlich. Das möchte der Film zumindest glauben lassen.

Man ahnt allerdings schnell – zu schnell -, dass man einem Katz-und-Maus-Spiel folgt, bei dem der Jäger zum Gejagten werden könnte. Unweigerlich fühlt man sich an "Zwei hinreißend verdorbene Schurken" erinnert, nur dass "The Good Liar" dunkler und grimmiger ist. Seine Hauptfigur ist auch bösartiger – "Das alte Böse" eben, wie es Nicholas Searle im Titel seines Romans, der dem Film zugrunde liegt, so schön auf den Punkt bringt. Searles Buch wurde als Thriller vermarktet, ist aber eher die psychologische Studie eines notorischen Übeltäters.

Der Roman ist dichter, in sich stimmiger, auch überraschender als der Film. Denn Searle bringt Rückblicke, die Roy in jüngeren Jahren zeigen. Immer wieder geht es um seine üblen Machenschaften, immer wieder springt man dafür noch weiter in die Vergangenheit zurück, bis zu dem Ereignis, das der Auslöser der eigentlichen Geschichte war. Auch im Film kommt dieses Ereignis, das hier natürlich nicht verraten werden soll, vor – nur deutlich unvermittelter.

Das größte Problem von "The Good Liar" ist dennoch seine Vorhersehbarkeit. Der Film spielt noch mit dem Gedanken, dass die Rollen von Jäger und Gejagtem wechseln könnten, da ist einem das als Zuschauer schon unglaublich lange klar. Das macht den Film weniger spannend, als er sein könnte, langweilig gerät er aber dennoch nie. Das ist den hervorragenden Schauspielern zu verdanken. Es ist die pure Freude, Ian McKellen und Helen Mirren zuzusehen, insbesondere bei den besonders prickelnden gemeinsamen Szenen. "The Good Liar" ist vor allem eines: herausragendes Schauspiel-Kino.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller

Schauspielerin Helen Mirren.
Helen Mirren
Schauspieler Sir Ian McKellen.
Sir Ian McKellen
Weitere Darsteller
Russell Tovey Jim Carter Mark Lewis Jones Laurie Davidson Phil Dunster Lucian Msamati Jóhannes Haukur Jóhannesson Tunji Kasim Spike White Stella Stocker Daniel Betts Nell Williams Celine Buckens Lily Dodsworth-Evans Athena Strates Aleksandar Jovanović Albert Welling Michael Culkin Dino Kelly Brigid Zengeni Sean Hart Bessie Carter Jane Fowler

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