Seit 30 Jahren arbeitet Mark Felt (Liam Neeson) für das FBI. Doch die versuchte Vertuschung des Watergate-Skandals lässt ihn seine Loyalitäten überdenken.
"The Secret Man" erzählt von dem Mann, der die Watergate-Affäre ans Licht der Öffentlichkeit brachte.

The Secret Man

KINOSTART: 02.11.2017 • Drama • USA (2017) • 103 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Mark Felt: The Man Who Brought Down The White House
Produktionsdatum
2017
Produktionsland
USA
Laufzeit
103 Minuten

Filmkritik

Gegen das System
Von Christopher Diekhaus

Am 9. Mai 2017 entließ Donald Trump FBI-Chef James Comey, nachdem dieser die Untersuchungen zu angeblichen Absprachen zwischen Trumps Vertrauten und russischen Vertretern während des Wahlkampfes vehement verteidigt hatte. Dass Comey unverzüglich seinen Hut nehmen musste, nährte den Verdacht, dass der Präsident die Ermittlungen gezielt beeinflussen wollte. Führt man sich diese fragwürdige Episode aus der noch jungen, an Skandalen jedoch schon reichen Amtszeit Trumps vor Augen, wirkt es wie eine Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet jetzt das biografische Politdrama "The Secret Man" in die Kinos kommt. Peter Landesman ("Erschütternde Wahrheit") befasst sich darin zwar mit der Watergate-Affäre, die in den 1970er-Jahren die Welt in Atem hielt, befindet sich mit dem historischen Stoff aber erstaunlich nah am Puls der Zeit.

Bei dem "geheimen Mann", von dem im hiesigen Verleihtitel die Rede ist, handelt es sich um Mark Felt (Liam Neeson), der Anfang der 40er-Jahre in den Dienst des FBI tritt und sich dort langsam hocharbeitet. Als treu ergebener Beamter kann er sich nach dem Tod des legendären Behördenleiters J. Edgar Hoover berechtigte Hoffnungen auf den Direktorenposten machen. Zu seiner Verwunderung fällt die Wahl jedoch fürs Erste auf L. Patrick Gray (Marton Csokas), dessen Arbeitsweise Felt schon bald übel aufstößt.

Nach dem Einbruch in die Zentrale der Demokratischen Partei in der Nacht zum 17. Juni 1972 setzt der neue starke Mann beim FBI alles daran, die Untersuchungen zur sogenannten Watergate-Affäre so schnell wie möglich zu beenden und damit die Verwicklung der Nixon-Administration zu verschleiern. Felt widern die unlauteren Praktiken zunehmend an, weshalb er sich irgendwann entschließt, sein brisantes Insiderwissen an die Presse weiterzugeben.

Zwischen Held und Vaterlandsverräter

Erst 2005, rund 30 Jahre nach den damaligen Ereignissen, wurde die Identität des geheimen Informanten mit dem Decknamen "Deep Throat" gelüftet, der für einige ein Held ist, für andere ein Vaterlandsverräter. Peter Landesman erinnert mit "The Secret Man" an das mutige Handeln des FBI-Beamten und ehrt ihn im Abspann seines Films als großen Whistleblower. Liam Neeson, dessen Ähnlichkeit mit Felt verblüffend ist, verleiht dem Titelhelden eine würdevolle Aura und lässt souverän die aufgestaute Verärgerung über das korrumpierte System hervorbrechen. Einen echten Sog entwickelt der Politkrimi jedoch nicht, obwohl die schon am Anfang pulsierende Musik genau dies erhoffen ließ.

Zweifelsohne liefert die Aufarbeitung interessante Einblicke in die Mechanismen der Vertuschung, nimmt sich allerdings nicht ausreichend Zeit für die komplexen Hintergründe. Nebenfiguren kommen und gehen, ohne großen Eindruck zu hinterlassen. Und wichtige Entwicklungen werden häufig einfach über Dialoge abgehandelt. Eine trockene, unfilmische Art der Darstellung.

Gut gemeint sind sicherlich die Ausflüge in Felts Privatleben, die dem Publikum seinen Charakter und das Verhältnis zu seiner Ehefrau Audrey (unterfordert: Diane Lane) näherbringen sollen. Tatsächlich kratzt der Film die meiste Zeit jedoch nur an der Oberfläche. Thematisch ist "The Secret Man", auch mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen, hochgradig spannend. Ausschöpfen kann der Regisseur und Drehbuchautor das Potenzial seines Stoffes aber nur bedingt.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

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