Lange vor dem Aufruf von Timothy Leary an seine Generation tune in, turne on and drop out, wurde LSD (d-Lysergidsäure-Diäthylamid) von Wissenschaftlern zur Erforschung des menschlichen Geistes eingesetzt. Eher zufällig entdeckte der Schweizer Chemiker Dr. Albert Hofmann (1906-2008) 1938 die Substanz. Ein Millionstel Gramm reicht aus, um wundersame, völlig neuartige Halluzinationen, "bewusstseinserweiternde" Erfahrungen oder Horrortrips hervorzurufen. Weil Hofmann die vorhandene enorme Wirkpotenz der Droge unterschätzte, nahm er bei seinem ersten LSD-Selbstversuch eine starke Dosis ein. Seine Fahrt mit dem Fahrrad vom Labor nach Hause, begleitet von starken Halluzinationen, ging unter dem Namen "Fahrradtag" (Bicycle-Day) in die Geschichte der Drogenkultur ein. Fortan galt LSD als Wundermittel gegen Alkoholismus und Drogenabhängigkeit, zudem als Fenster in den Geist Schizophrener. Während die Wissenschaft medizinische Anwendungsmöglichkeiten von LSD ermittelte, neigten andere dazu, die neue Droge als Mittel zur mentalen Selbsterkenntnis zu nutzen.

Die Mikrosubstanz mit der gigantischen Wirkung hat die Welt verändert: In den 1960er Jahren hatte LSD prägenden Einfluss auf Kunst, Literatur und Musik. Heute erlebt die Droge eine Renaissance in therapeutischen Verfahren. Albert Hofmann hat die Droge widersprüchliche Erfahrungen eingebracht: erhellende spirituelle Erlebnisse, Bekanntschaften mit Aldous Huxley und Ernst Jünger sowie viel Kritik. Filmemacher Martin Witz erzählt in seinem Dokumentarfilm die facettenreiche Geschichte der Droge, die heute gezielt in der Psychiatrie eingesetzt wird. Die Geschichte rund um den schrägsten Exportartikel der Schweiz wird von dem 2008 im Alter von 102 Jahren verstorbenen Albert Hofmann selbst kommentiert - sein letztes langes Interview.

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