Der DDR-Schriftsteller Paul Gratzik bespitzelte im Auftrag der Staatssicherheit als "IM Peter" 20 Jahre lang seine Freunde und Kollegen, unter anderem Heiner Müller, Steffie Spira und Ernstgeorg Hering. Anfang der Achtzigerjahre stieg Gratzik aus und enttarnte sich selbst. Er informierte die Freunde, die er vorher verraten hatte und nahm in Kauf, dass er aufgrund seines Geständnisses von den meisten Intellektuellen ausgestoßen, zur Unperson erklärt und in die Provinz verbannt wurde. Nach seinem Ausstieg wurde er seinerseits zum Objekt der Stasi-Beobachtung ...

Auch mehr als 20 Jahre nach dem Ende der DDR gibt es immer noch Geschichten, die so bisher nicht erzählt wurden. Annekatrin Hendel setzt sich in dem dokumentarischen Porträt mit Paul Gratzik auseinander, der vor allem als schillernde Persönlichkeit in Erscheinung trat und als Gigolo, Haudegen und Menschenmagnet von sich reden machte. Durch die Auseinandersetzung mit Paul Gratzik konfrontiert Hendel den Zuschauer mit dessen alten und neuen Ideen, zeigt ihn als einen Menschen, der verwickelt, spannend, leidenschaftlich und manipulativ ist. Eine einfache Täter-Opfer-Zuweisung ist danach unmöglich. Ein gelungenes Porträt, das einen neuen Blick auf das Thema ermöglicht.

Foto: Edition Salzgeber