Indien 1938, Mahatma Ghandi versetzt mit seinem gewaltfreien Widerstand den Subkontinent in Unruhe, die Herrschaft der Briten wackelt. Zur gleichen Zeit wird die achtjährige Chuyia schon kurz nach ihrer Hochzeit Witwe und muss in ein Heim, in dem hinduistische Witwen ihr Leben in Buße fristen. Die Frauen werden dort hingeschickt, um zu sühnen, aber nicht selten vor allem deshalb, um ihren Familien nicht finanziell und emotional zur Last zu fallen. Das lebhafte Mädchen bringt das Leben der Bewohnerinnen gehörig durcheinander, besonders das der schönen Witwe Kalyani, die sich in den jungen Gandhi-Anhänger Narayan verliebt. Doch ein trauriges Geheimnis, das Kalyani umgibt, zerstört die Zukunftspläne der beiden Liebenden, und verändert auch das Leben der kleinen Chuyia ...

Neben ihrer Kollegin Mira Nair gilt die in Toronto/Kanada lebende Deepa Mehta als eine der indischen Regisseurinnen, die ihren Erfolg nicht in den sogenannten Bollywood-Filmen suchen, obwohl auch Mehta mit "Bollywood Hollywood" 2002 ein solches Genrewerk vorlegte. In "Water" allerdings, der Abschluss ihrer sogenannten Elemente-Trilogie nach "Fire" (1996) und "Earth" (1998), thematisiert sie das politisch brisante Thema der in Indien aus der Gesellschaft ausgegrenzten Witwen in faszinierendem Bildern und beeindruckenden Darstellerleistungen. Vor allem die aus Toronto stammende Lisa Ray (sie spielte auch schon die Hauptrolle in "Bollywood Hollywood") verleiht ihrer Figur der Witwe Kalyani Tiefe und Überzeugungskraft. Für die ultraorthodoxen Kreise Indiens, die Methas sozialkritische Regiearbeiten schon seit Jahren mit Argusaugen verfolgen, war dies offenbar zu viel: Im Jahr 2000 wurde der Set von Unbekannten vollkommen zerstört, erst 2004 konnte Metha ihr Drama auf Sri Lanka beenden. Bis heute ist der Film in Indien aus Angst vor Aussschreitungen extremer Hindis nicht aufgeführt worden.

Foto: Universum