Marty Pascal sieht Thanksgiving in diesem Jahr etwas mulmig entgegen: Denn der Festtag bedeutet nicht nur ein Wiedersehen mit seiner - gelinde gesagt - außergewöhnlichen Familie, sondern auch deren erste Begegnung mit Martys Verlobter Lesly. Und diese naive Landpomeranze passt nun so gar nicht in die großbürgerliche Familie. Mit gemischten Gefühlen erreichen die beiden das ehrwürdige Anwesen in Washington D.C., wo sie von Martys Familie schon erwartet werden. Da ist die Mama, eine warmherzige Matriarchin mit ziemlich skurrilem Humor. Und Martys Zwillingsschwester Jackie-O, die unter schweren hysterischen Anfällen und einer gespaltenen Persönlichkeit leidet. Nicht zu vergessen der kleine Bruder Anthony, ein unrühmlicher Fall geistiger Unterbelichtung. In diesem Panoptikum fühlt sich Lesly, deren Horizont über den Tresen einer Donut-Bar kaum hinausreicht, nicht besonders wohl. Als zu allem Überfluß auch noch der Strom und damit das Truthahn-Dinner ausfällt, gerät der Abend vollends außer Kontrolle....

Das schwarzhumorige Psychodrama ist das gelungene Regiedebüt von Mark Waters. Der Film basiert auf einem Bühnenstück, in dem die Autorin Wendy McLeod einen ebenso originellen wie respektlosen Zugang zu der Tragödie des Kennedy-Mordes wählt. Waters' rasante Adaption dieses klaustrophobischen Kammerspiels entkommt dank seiner hervorragenden Darsteller jener Starre, die bei Theaterverfilmungen oft zu beachten ist. Genevieve Bujold ("Die Unzertrennlichen") als Mutter Pascal, Tory Spelling ("Scream 2") als verlorene Verlobte, Josh Hamilton ("Drive She Said") als Marty - und vor allem Parker Posey ("E-mail für Dich") als strahlend verrückte Jackie-O in jenem pinkfarbenen Kostüm, das die Kennedy-Gattin während des Attentats in Dallas trug - brillieren in einem bizarren, pointenreichen Spiel, das zwischen einer Screwball-Komödie, einem Tennessee-Williams-Drama und der "Die Addams Family" changiert.