Rose-Lynn (Jessie Buckley) möchte gern Karriere als Countrysängerin machen, hat aber zwei Kinder, die ihr Recht auf eine Mutter einfordern.
Ihr liegt die Welt nicht zu Füßen: "Wild Rose" erzählt mit großem Herz von einer jungen Frau mit großen Träumen und hartem Leben.

Wild Rose

KINOSTART: 12.12.2019 • Drama • UK (2019) • 101 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Wild Rose
Produktionsdatum
2019
Produktionsland
UK
Laufzeit
101 Minuten
Regie

Filmkritik

Drei Akkorde und die Wahrheit
Von Andreas Fischer

Nach einem Jahr im Knast kämpft sich eine junge ruppige Frau durch den schottischen Alltag und träumt von einer Karriere als Countrysängerin in Nashville: "Wild Rose" ist eine hinreißende Liebeserklärung an Country als ein Lebensgefühl, das man sogar in Glasgow kultivieren kann.

Ausgerechnet Glasgow. Eine Stadt, die immer etwas trübe wirkt und unwirtlich, die keinen Platz für Träume zu lassen scheint. Ausgerechnet dort ist Rose-Lynn Harlan (Jessie Buckley) qua Geburt gelandet – und träumt von einer Karriere als Countrymusikerin. Die Stimme dafür hat sie jedenfalls. Alles andere aber ist schwierig. Sie ist mittlerweile 23, zweifache Mutter, gerade aus dem Knast entlassen, und sie trägt eine elektronische Fußfessel. Das macht es Rose auch praktisch unmöglich, ihren Traum zu verwirklichen: Denn die von Filmemacher Tom Harper zärtlich "Wild Rose" getaufte Titelheldin seiner Hommage an die Musik und seine Heimatstadt will raus aus Glasgow.

Natürlich zieht es Rose-Lynn nach Nashville, wohin auch sonst. Doch ihr Sehnsuchtsort ist unerreichbar, erstmal muss sie ihr Leben auf die Reihe bekommen. Die Prognosen dafür sind nicht gerade rosig: In ihrem alten Club hat sie Hausverbot, ihre Mutter (Julie Walters) drängt sie dazu, Verantwortung für die Kinder zu übernehmen. Immerhin findet Rose durch eine Bekannte einen Job als Putzfrau. Also stapft die ruppige junge Frau notgedrungen in ihren coolen Cowboystiefeln weiter durch die schottische Tristesse. Als Mutter völlig ungeeignet, als Tochter eine Katastrophe, lässt sie sich mürrisch auf den Alltag ein. Doch ihren Traum aufgeben? Dazu ist Rose noch lange nicht bereit.

"Drei Akkorde und die Wahrheit" hat sich Rose-Lynn auf den Arm tätowieren lassen. Dass ihr Nachname der gleiche ist wie der Vorname des Zitatgebers, ist natürlich kein Zufall: Country-Legende Harlan Howard hat mit dem Spruch einst das Wesen von Country auf den Punkt gebracht. Rose beherrscht die Akkorde wie keine zweite in Glasgow, mit der Wahrheit jedoch tut sie sich (noch) schwer: Aber muss man die Hoffnung wirklich aufgeben, nur weil es die Realität verlangt?

Regisseur Tom Harper nähert sich in "Wild Rose" bisweilen bedenklich der Grenze zum Kitsch. Den "Junge Frau mit großen Träumen"-Plot hat man schon so oft im Kino erzählt bekommen, dass es schwerfällt, zu glauben, ihm könne noch etwas Neues abgewonnen werden. Aber immer, wenn man denkt, es wird zu viel des Guten, kriegt der Film gekonnt die Kurve, weil er die soziale Wirklichkeit genau beobachtet und weiß, dass sich große Träume nicht von selbst erfüllen.

Auch nicht, wenn es die neue Chefin, eine neureiche Hausfrau, viel zu gut mit einem meint. Dass sich Susannah (Sophie Okonedo) als wandelnder Kalender voller Motivationssprüche mit unerschütterlichem Elan um Rose kümmert, ist eher Schmirgelpapier, um die rauen Kanten des Films zu glätten. Für die Dramaturgie ist das völlig unnötig, wenn aber trotzdem ein so herzlicher, ein so wahrhaftiger, ein so lebensbejahender Film wie "Wild Rose" herauskommt, ist das allemal verzeihlich.

Dass "Wild Rose" so kraftvoll ist, liegt nicht zuletzt an Hauptdarstellerin Jessie Buckley, die mit ihrem Verve, dem hinreißend trotzigen Lächeln und der großartigen Stimme einfach umwerfend ist. Ihr glaubt man gern, dass auch im Leben manchmal drei Akkorde und die Wahrheit ausreichen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller

Julie Walters
Lesermeinung
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