In der bizarren Landschaft des zentralanatolischen Kappadokiens betreibt der ehemalige Schauspieler Aydin ein kleines Hotel. Doch da sich der Winter bereits ankündigt, nimmt auch die Zahl der Hotelgäste ab. Der zynische Aydin fühlt sich zu seiner schönen Frau Nihal offensichtlich nicht mehr sonderlich hingezogen und philosophiert lieber mit seiner Schwester Necla. So verstärkt nun der erste Schnee die Tristesse und Einsamkeit des Daseins der Hotelbewohner. Je mehr Zeit alle Beteiligten haben, um über ihr karges Leben nachzudenken, desto deutlicher treten verdrängte Konflikte ans schummrige Tageslicht. Nach einem Nachbarschaftsstreit steigern sich die Spannungen untereinander bald ins Unerträgliche ...

Verlangt enorm Sitzfleisch

Warum der türkische Regisseur Nuri Bilge Ceylan von den Jurys der Filmfestspiele von Cannes derart geliebt wird, bleibt wohl deren Geheimnis. Für "Drei Affen - Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen" (2008) erhielt er den Regie-Preis, für „Es war einmal in Anatolien" (2011) den Großen Preis der Jury und nun für dieses Werk 2014 die heiß begehrte Goldene Palme. Ihm sind durchaus tolle Bilder gelungen (bei der Landschaft allerdings auch nicht sonderlich schwer), doch die Trägheit der Geschichte und die vielen Nebenschauplätze verlangen vom Zuschauer schon enorm Sitzfleisch. Natürlich will Ceylan mit der langsamen Erzählweise auch den langsamen Verfall der Ehe konterkarieren, strapaziert dabei aber bei einer Lauflänge von weit über drei Stunden auch die Geduld des Publikums. Denn ebenso zersetzend wie die langen Diskussionen auf die handelnden Personen wirken, wirken sie auf den Zuschauer. Wer's mag ...