John Wayne

Marion Robert Morrison
Geboren: 26.05.1907 in Winterset, Iowa, USA
Gestorben: 11.06.1979 in Los Angeles, Kalifornien, USA

"Er war hässlich, er war stark, und er hatte Würde", lautet die Inschrift auf John Waynes Grab. Der Star hatte die kernigen Worte kurz vor seinem Tod am 12. Juni 1979 selbst gewählt. Aufrichtigkeit, Männlichkeit und penetranter Patriotismus waren im Film wie im Leben die Ideale, für die das Western-Idol gerade stand. Sein Tod war wie eine große Hollywood-Inszenierung. Als er am Sterbebett lag, erschienen die ersten Sonderausgaben der Boulevardblätter, dann startet ein Fernsehsender die erste Retrospektive. Ronald Reagan, späterer Präsident der USA und in jüngeren Jahren ein eher glückloser Filmdarsteller, schwärmte von seinem Vorbild: "Niemand vertritt die Werte unseres Landes so wie er." Und Präsident Jimmy Carter eilt ans Sterbebett. Wayne beichtet seine letzten Sünden - und lässt sich taufen. Dann stirbt er wie ein echter Amerikaner. Was ihn von vielen Helden Hollywoods abhebt: Er war Prototyp, kein Industrieprodukt.

Wayne besucht die Glendale High School in California, studiert Jura- und Volkswirtschafts an der Universität Süd Kalifornien in Los Angeles. Und er ist ein großer Football-Spieler. Im Filmstudio beginnt er als Requisiteur bei der Fox, das ist 1926. Dann ist er Komparse und spielt bald kleine Filmrollen vor allem bei seinem Freund John Ford. In den Anfangsjahren trägt er den Namen Duke Morrison. Sein Treck-Führer Breck Coleman in Raoul Walshs Western "Der große Treck" (1930) ist sein erster großer Erfolg, Star-Status erlangt er aber erst Jahre später durch den Outlaw Ringo Kid in John Fords "Ringo - Höllenfahrt nach Santa Fé" (1939).

Als Barry Goldwater Präsident der Vereinigten Staaten werden wollte, warb er - wie üblich - um freundliche Unterstützung von Hollywoodprominenz: Und kaum einer folgte dem Ruf des erzreaktionären Senators aus Arizona so bedingungslos wie John Wayne alias Marion Michael Morrison. Die Ideen und Ideale des Politikers und des Hollywood-Stars waren sich so nahe: Beide trauern der glorreichen Pionierzeit nach, mit ihrer überschaubaren, unkomplizierten Ordnung, dem Gesetz des Stärkeren und der schnellen Kategorisierung von Gut und Böse. Beide vertrauen auf die archaischen Prinzipien des Faustrechts, verachten Kennedys liberale Ideen und bekennen sich als stramme Militaristen, Nationalisten und Antikommunisten. Der Emanzipation der Afro-Amerikaner stehen sie mit starker Ablehnung gegenüber. Barry Goldwaters Niederlage hat seinerzeit Waynes Popularität nicht geschadet: Nach wie vor verkörpert er für Millionen von Amerikanern der Mittelklasse den Traum vom Wilden Westen, der Rückkehr zum freien Leben jenseits administrativer Zwangsmaßnahmen, die Verwirklichung wirrer Pubertätsträume, mit denen sich die Masse der getretenen Arbeiter den Feierabend vertreibt.

Hohe Schauspielkunst war allerdings auch gar nicht gefordert. Der 1,92 Meter große Hüne verkörperte genau das, was man sich unter einem Westernhelden vorstellte: "Für mein Gefühl waren viele Westernstars vor mir zu verdammt perfekt. Ich versuchte, einen Mann zu spielen, der sich schmutzig macht, der schwitzt, aber auch gerne Mädchen küsst. Der sauber kämpft, so lange es möglich ist, aber schmutzig, wenn es nicht anders geht." Schlagkräftig und bibelfest, schnell bei der Hand mit der Winchester und einer Tracht Prügel für die widerspenstige Frau, stakst er durch seine Filme, das Klische vom Sinnbild amerikanischer Größe. Nach James Dean und Humphrey Bogart hat er bis zu seinem Tod den Mythos Hollywood repräsentiert. Aber während Dean und Bogart Leitbilder von Generationen von Geschlagenen, Unterlegenen und Verlorenen waren, ist Wayne die Inkarnation der militanten Reaktion, ein Held, der so recht für die amerikanische Kriegs-Propaganda geschaffen war: Korea, Vietnam und der ewige Kalte Krieg gegen den Bolschewismus.

John Wayne gehörte zu den Mächtigen in Hollywood. Außer seiner Stellung als einer der ganz wenigen Spitzenstars besitzt er noch eine eigene Produktionsgesellschaft, die "Batjac", so benannt nach dem Schiff, das Wayne in Edward Ludwigs "Im Banne der roten Hexe" (1949) kommandiert. Besonders in den von ihm selbst produzierten Filmen beschwört der selbstbewusste Star, der sich gern "The Duke" nennen ließ, seinen eigenen Mythos. Am deutlichsten geschah das in "Alamo" (1960), in dem Wayne Regie führte. "Alamo" erzählt die Geschichte der berühmten Festungsbelagerung im Jahr 1836, bei der der mexikanische General Santa Ana mit einer Übermacht das Fort Alamo erstürmte und die Besatzung bis auf den letzten Mann niedermachte. Wayne spielt selbst den legendären Davy Crockett, der in Alamo getötet wurde. Die authentische Geschichte aus dem mexikanischen Krieg war für Wayne der Anlass, einen der perfidesten Durchhaltefilme zu drehen, der keinen Vergleich mit Veit Harlans "Kolberg" zu scheuen braucht.

Denn wider alle Vernunft geben die Verteidiger die Festung nicht auf und sterben heroisch den Heldentod, pathetische Reden über Volk und Vaterland verbreitend. Die Mexikaner dagegen erscheinen als finstere Untermenschen und werden ähnlich diffamiert wie die Asiaten im Zweiten Weltkrieg, in Korea und zuletzt in Vietnam. 1967 schließlich gibt er sein persönliches Bekenntnis zum Vietnam-Krieg ab "Die grünen Teufel" ("The Green Berets" - so hießen die amerikanischen Vietnam-Kämpfer). Zynischerweise entsteht der Film kurz nach dem meisterhaften Howard-Hawks-Western "El Dorado", in dem der Held im Sattel einen herrlich ironischen Denkzettel erhält, wenn er nur mühsam auf sein Pferd kommt. Und seinen einzigen Oscar erhält er erst, nachdem er sich 1968 als trinkfester, alternder "Der Marshal" selbst aufs Korn nahm. Seine letzte Rolle spielt er unter der Regie von Don Siegel 1976 in "Der Shootist". Da ist der krebskranke Wayne ein krebskranker Revolverheld.

Nur selten unternahm es ein Regisseur, den Mythos des starken, gerechten Mannes Wayne zu demontieren, den jener seit seiner ersten großen Rolle in "Der große Treck" (1930) in unzähligen Western, Kriegsfilmen und Abenteuerfilmen geschaffen hat. Am eindrucksvollsten gelang das wohl Howard Hawks in seinem Western "Red River" (1948), in dem Wayne den fanatischen Viehtreiber Tom Dunson spielt. Hawks zeigt die unerbittliche, grausame Härte dieses Mannes, der seine Mannschaft mit grimmigen Bibelsprüchen und vor nichts zurückschreckender Gewalt beherrscht und konfrontiert sie wirkungsvoll mit dem überlegten und nüchternen Handeln seines Adoptivsohnes, gespielt von Montgomery Clift. Hier wird erbarmungslos der Mythos des großen Kämpfers zerpflückt, den Wayne besonders in Kriegsfilmen wie Dmytryks "Zwei schlagen zurück" (1945) und Allan Dwans "Du warst unser Kamerad" (1949) faszinierend verkörperte. Auch John Ford, dessen über Jahrzehnte reichende Zusammenarbeit mit Wayne in die Filmgeschichte einging, zeigte sich seinem Lieblingshelden gegenüber zunehmend kritischer. Schon oft hatte Ford Wayne den edlen US-Kavalleristen spielen lassen, der zu den immer gleichen Klängen von "The girl I left behind me" seine Abenteuer besteht, makellos wie die berühmten blauen Uniformen, ehe er Wayne in "Der schwarze Falke" (1956) als fanatischen Indianerjäger zeigte, der nach sieben Jahren immer noch nichts dazu gelernt hat.

Ford war es dann auch, der seinem alten Freund in "Der Mann, der Liberty Valance erschoss" (1961) einen wehmütigen, seltsam zwiespältigen Nachruf auf die goldenen Zeit des Westens widmete, der keinen Zweifel daran ließ, dass für Männer wie Wayne kein Platz mehr ist. Seine besten Rollen fand Wayne bei Regisseuren, die nicht der Faszination seines Typs erlagen, bei Howard Hawks in "Rio Bravo" (1959) und "Hatari" (1961) und in vielen Filmen von John Ford.

Weitere Filme mit John Wayne: "Brown of Harvard", "Galgenhochzeit", "Räuber der Königsschlucht" (alle ungenannt, 1926), "Annie Laurie - Ein Heldenlied vom Hochland", "The Drop Kick", (beide ungenannt, 1927), "Mother Machree", "Four Sons", "Hangman's House", "Das Drama der Sintflut" (alle ungenannt, 1928), "Speakeasy", "The Black Watch", "Words and Music", Salute", "The Forward Pass" (alle 1929), "U 13", "Born Reckless", "Rough Romance", "Cheer Up and Smile" (alle 1930), "Girls Demand Excitement, "Three Girls Lost", "Arizona", "The Deciever", "Range Feud", "Maker of Men" (alle 1931), "The Shadow of the Eagle", "Texas Cyclone", "Two-Fisted Law", "Wer hat hier recht?", "The Hurricane Express", "Ride Him, Cowboy", That's My Boy", "The Big Stampede", "Haunted Gold" (alle 1932), "The Telegraph Trail", "Die drei Musketiere", "Der Weg ins Ungewisse", "Somewhere in Sonora", "The Life of Jimmy Dolan", "His Private Secretary", "Baby Face", "The Man from Monterey!, "Die Wasserrechte von Lost Creek", "College Coach", "Sein Freund, der Desperado" (alle 1933), "Lucky Texan in Gefahr", "West of the Divide", "Showdown am Adlerpass", "Rodeo", "Randy Rides Alone", "Der Schatten", "Gier nach Gold", "'Neath The Arizona Skies", "Land ohne Gesetz" (alle 1934), "Abenteuer in Texas", "Im Tal des Regenbogens", "Der Rodeo-Raub", "Reiter in der Dämmerung",, "Feuerwasser und frische Blüten", "Westwärts", "Flammende Grenze", "Tal der Angst" (alle 1935), "The Oregon Trail", "Land der Zukunft", "Der König vom Pecos", "Wie vom Winde verweht", "Die Winde der Wildnis", "Sea Spoilers", "Conflict" (alle 1936), "California Straight Ahead", "In gefährlicher Mission", "Idol of the Crowds", "Der Schatz am Meeresgrund", "Die Spielhölle von Wyoming" (alle 1937), "Freunde im Sattel", "Gold in den Wolken", "Aufstand in Santa Fé", "Red River Range" (alle 1938), "Reiter in der Nacht", "Three Texas Steers", "Der Bandit von Wyoming", "Wasser für Arizona", "Black River" (alle 1939), "Schwarzes Kommando", "Three Faces West", "Das Haus der sieben Sünden", "Der lange Weg nach Cardiff" (alle 1940), "A Man Betrayed", "Lady from Louisiana", "Verfluchtes Land" (alle 1941), "Lady for a Night", "Die Freibeuterin", "Piraten im Karibischen Meer", "Der Draufgänger von Boston", "Unternehmen Tigersprung", "Pittsburgh", "Reunion In France" (alle 1942), "Harte Burschen - Steile Zähne", "Die Hölle von Oklahoma" (beide 1943), "Alarm im Pazifik", "In Arizona ist die Hölle los" (beide 1944), "San Fransico Billy", "Schnellboote vor Bataan", "Blut am Fargo River" (alle 1945), "Without Reservations" (1946), "Der schwarze Reiter", "Tycoon" (beide 1947), "Bis zum letzten Mann", "Spuren im Sand" (beide 1948), "In letzter Sekunde", "Der Teufelshauptmann" (beide 1949), "Rio Grande" (1950), "Unternehmen Seeadler", "Guadalcanal - Entscheidung im Pazifik", "Miracle in Motion" (Erzähler), "Der Sieger", "Marihuana" (alle 1952), "Three Lives", "Ärger auf ganzer Linie", "Das letzte Signal", "Man nennt mich Hondo" (alle 1953), "Es wird immer wieder Tag" (1954), "Der Eroberer", "Der gelbe Strom", "Rookie of the Year" (TV), "Der Seefuchs" (alle 1955), "Die Stadt der Verlorenen", "Düsenjäger", "Dem Adler gleich" (alle 1957), "Der Barbar und die Geisha" (1958), "Der letzte Befehl" (1959), "The Colter Craven Story" (TV), "Land der tausend Abenteuer" (beide 1960), "Das war der Wilde Westen", "Der längste Tag", "Die Comancheros" (alle 1961), "Flashing Spikes" (TV), "Die Hafenkneipe von Tahiti" (beide 1962), "Die größte Geschichte aller Zeiten", "McLintock - Ein liebenswertes Raubein!", "Held der Arena" (alle 1963), "Die vier Söhne der Katie Elder", "Erster Sieg" (beide 1965), "Red Skelton Scarbook 66" (TV), "Der Schatten des Giganten", "Die Gewaltigen" (alle 1966), "Die Unerschrockenen - Einsatz in der Flammenhölle" (1968), "Chisum", "Die Unbesiegten" (beide 1969), "Rio Lobo" (1970), "Big Jake" (1971), "Die Cowboys" (1972), "Dreckiges Gold", "Geier kennen kein Erbarmen", "McQ schlägt zu" (alle 1973), "Brannigan - Ein Mann aus Stahl" (1974) und "Mit Dynamit und frommen Sprüchen" (1975).

Zur Filmografie von Marion Robert Morrison
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