Bernadette (Cate Blanchett) und ihr Mann Elgie (Billy Crudup) haben schon seit Längerem ernsthafte Beziehungsprobleme.
In "Bernadette" geht Cate Blanchett auf Selbstfindungstrip.

Bernadette

KINOSTART: 21.11.2019 • Drama • USA (2019) • 110 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Where´d You Go, Bernadette?
Produktionsdatum
2019
Produktionsland
USA
Filmstudio
Annapurna Pictures, Color Force
Budget
20.000.000 USD
Laufzeit
110 Minuten
Regie
Richard Linklater
Music
Graham Reynolds
Kamera
Shane F. Kelly

Filmkritik

Die Frau, die aus dem Fenster stieg und verschwand
von Sven Hauberg

"Bernadette" ist eine manchmal etwas unausgegorene Mischung aus Komödie und Drama. Aber egal: Hauptdarstellerin Cate Blanchett ist das Kinoticket allemal wert.

Richard Linklater ist ein Regisseur der Extreme. Zwölf Jahre ließ sich der Amerikaner für seinen Film "Boyhood" Zeit, eine Langzeitstudie über einen texanischen Jungen, über die Jugend und über das Erwachsenwerden. Quasi in Echtzeit beobachtete er seine Hauptdarsteller beim Älterwerden. Sein nächstes Projekt, die Verfilmung des Stephen-Sondheim-Musicals "Merrily We Roll Along", will der Mann aus Houston gar über einen Zeitraum von 20 Jahren drehen. Dagegen ist ein Film wie "Bernadette" quasi ein schneller Wurf. Aber einer, der sich lohnt – auch wenn die Verfilmung von Maria Semples Bestseller "Wo steckst du, Bernadette?" in den USA an den Kinokassen floppte.

"Bernadette" beginnt und endet irgendwo in der Nähe des Südpols. In wunderschönen Bildern zeigt Linklater seine Hauptdarstellerin Cate Blanchett, wie sie in einem Kajak durch die eiskalten Wasser der Antarktis paddelt. Ausgerechnet hier, an diesem lebensfeindlichen Ort, scheint Bernadette, eine Frau um die 50, zu sich zu finden.

Zu Hause ist Bernadette in Seattle, wo sie mit ihrem Mann Elgin (Billy Crudup) und der 15-jährigen Tochter Bee (Emma Nelson) ein altes Kinderheim bewohnt. Elgin ist ein hohes Tier bei Microsoft und arbeitet dort an einem Gerät arbeitet, das es ermöglichen soll, die Gedanken eines Menschen auf einen Computerbildschirm zu übertragen. Natürlich funktioniert das nicht wirklich, aber dieses Scheitern ist eine schöne Analogie zu seiner Ehe: Was im Kopf seiner Frau so vorgeht, ist ihm ein Rätsel, das er wohl nur zu gerne mit einem elektronischen Hilfsmittel entschlüsseln würde.

Bernadette war einst gefeierte Architektin. Jetzt lebt sie mit Familie und Hund in einem Vorort und kann sich nicht damit abfinden, dass es vorbei ist mit der Karriere. Bernadette ist eine Zynikerin, die ihren Hass auf alles und jeden mit Begeisterung kultiviert: Sie hasst ihre Nachbarn, sie hasst die Eltern von Bees Mitschülern, und natürlich hasst sie sich auch selbst. Bernadette würde am liebsten völlig in den Eingeweiden ihres viel zu großen Hauses verschwinden.

Die Idee von Tochter Bee, gemeinsam auf Antarktis-Kreuzfahrt zu gehen, hält sich für entsprechend wahnsinnig. Aber sie lässt sich drauf ein, kauft Thermounterhosen und Outdoorjacken – und ist dann plötzlich weg. Bernadette springt aus dem Fenster, verlässt ihr verhasstes Leben, und will, ganz weit weg von allem, zu sich finden. Zurück bleiben ein Mann und eine Tochter, die erst langsam verstehen, was in ihrer Ehefrau und Mutter eigentlich vorgegangen ist in alle den letzten Jahren.

Wenn Regisseur Linklater auf seine Hauptfigur blickt, dann macht er das trotz ihrer Kratzbürstigkeit immer mit viel Liebe und Zuneigung. "Bernadette" ist einer dieser Filme, die ganz mit ihren Darstellern stehen und fallen, und Cate Blanchett füllt die nicht immer leichte Rolle, die sie hier zu spielen hat, fantastisch aus. Während sie das Drehbuch von einem Klischee zum nächsten treibt, bleibt Blanchett souverän, gibt ihrer Bernadette Ernst und Würde. Und das auch dann noch, wenn sich der Film nicht ganz sicher ist, was er sein will: Erzählt er engagiert von einer Frau mit offensichtlichen psychischen Problemen, oder ist er eine schräge Gesellschaftssatire, die sich selbst nicht ganz ernst nimmt?

"Bernadette" ist sicherlich nicht der beste Film von Richard Linklater – dass er hierzulande aber, anders als in den USA, nicht im Sommerloch in den Kinos verschwindet, ist dennoch erfreulich. Denn auch mit der riesigen Sonnenbrille auf der Nase, wie sie sie in diesem Film trägt, ist Cate Blanchett noch immer eine Schau.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller

Auf der Karriereleiter geht's aufwärts: Billy Crudup.  
Billy Crudup
Gab 1997 ihr Leinwand-Debüt: Cate Blanchett.
Cate Blanchett
Schauspieler Laurence Fishburne.
Laurence Fishburne
Wandlungsfähiger Darsteller: Steve Zahn.
Steve Zahn
Weitere Darsteller
Kristen Wiig Judy Greer Emma Nelson Zoë Chao James Urbaniak Troian Bellisario Richard Robichaux Kate Burton Megan Mullally David Paymer Patrick Sebes Lee Harrington Patrick Jordan Shaun Cameron Hall Kathryn Feeney Amy Rayko Nancy McNulty Daina Griffith Kate Easton Stephen Donnelly Thalia Torio Mark Philip Stevenson Cherie McClain Maureen d'Armand Jóhannes Haukur Jóhannesson Claudia Doumit Katelyn Statton Jennifer Tober Joe Coyle Alan Lee Baker Richard Barlow Heidi Barrientes Tom Bonello Brian 'Wolfman Black' Bowman Chris Breen Gregory Bromfield Zachary Davis Brown Owen Buckenmaier Isaac J. Conner Erik J. Cornelius Kelli Culbertson Bruce Curtis Kelley Davis Chris Drexel Grant Eastey Amy Lyn Elliott Russell Bradley Fenton Joe Fishel Simone Bruyère Fraser Emir García Peter Georgo Elijah Goulet Ben Guenther Juliane Hagn Rene Hamlet Joely Haregsin Mike D Harris Andrew Harvey Adam Hicks Jagger Hicks Liz Higgins Anthony Holland Tara O. Horvath Wesley Jansen Nagy Jay Morgen Johnson Brett Kennedy Trudi Kennedy Micah Knapp Tiahna Kovarik Mike Kuse Daniel Lamont Susan Lang James Lloyd Chelsea Long Theresa Mangus F. Robert McMurray Sue Danna Myer Adam Nakanishi Amy Nelson Vanessa N. Nelson Ted Opalinski Martin A. Palma Michael Paradise Edward Pfeifer Jacob Phelps Rebecca Phipps Dwayne Pintoff Elizabeth Rhoades Mario Ruiz Edlyn Sabrina Erika Shrout Liam Sigman Brian E Stead Kyle Stoltz Long Tran Nicole Tubbs Jessica Ureste Noah J. Welter Joe Wos Zoe Xandra Lana Young Camden Zapf Jean Zarzour Donald Zoffel

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