Lily hat ALS und will selbstbestimmt aus dem Leben scheiden: Susan Sarandon verkörpert ihre Figur wird Würde.
Abschied nehmen von der Mama? Im sentimentalen Wohlfühldrama "Blackbird - Eine Familiengeschichte" geht das nicht ohne sinnlose Streitereien.

Blackbird - Eine Familiengeschichte

KINOSTART: 24.09.2020 • Drama • USA (2019) • 98 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Blackbird
Produktionsdatum
2019
Produktionsland
USA
Filmstudio
Millennium Media, Busted Shark Productions, Eclectic Pictures, SF Studios
Laufzeit
98 Minuten
Regie
Roger Michell
Music
Peter Gregson
Kamera
Mike Eley

Filmkritik

Kein Anstand, kein Mitgefühl
von Andreas Fischer

Mama will sterben, und die Familie ist am letzten gemeinsamen Wochenende auf Krawall gebürstet: Die erlesene Belanglosigkeit "Blackbird – Eine Familiengeschichte" schert sich reichlich wenig um sein Kernthema Sterbehilfe, sondern leuchtet lieber triviale Zwistigkeiten aus.

Lily (Susan Sarandon) hat beschlossen zu sterben. Bevor sie still und leise aus der Welt scheidet, selbstbestimmt und freien Willens, versammelt sie ihre Familie für ein letztes gemeinsames Wochenende. Weil tatsächlich alle da sind, neben dem Gatten und der besten Freundin auch die beiden Töchter, deren Partner und der Enkel, ist es mit der Ruhe nicht weit her. Ganz im Gegenteil: "Blackbird – Eine Familiengeschichte" ist ein ziemlich lauter und geschwätziger Abschied. "Notting Hill"-Regisseur Roger Michell hat das Remake des sensiblen Sterbehilfedramas "Silent Heart" (2014) von Bille August inszeniert und es in einen liberalen, wohlhabenden Bilderbuchkosmos verlegt.

Über Monate hinweg haben sich Lily und ihre Familie auf den Tag X vorbereitet, sie wissen alle, was passieren wird. Der Abschied ist im Herzen schon vollzogen. Dass dennoch keine ausgelassene Partystimmung aufkommt, ist verständlich. Aber deswegen muss sich die ganze Sippschaft doch nicht gleich an die Gurgel gehen! Hinter der aufgeklärten Fassade belauern sich jedoch ziemlich armselige Charaktere. Vor allem die konformistische Jennifer (Kate Winslet), die nicht nur ihrer rebellischen Schwester Anna (Mia Wasikowska) das Leben mit immer neuen Vorhaltungen und Besserwissereien zur Hölle macht, scheint es darauf abgesehen zu haben, aus der letzten Reise ihrer Mutter einen Horrortrip werden zu lassen.

Lily gibt sich zwar taff und abgeklärt, wirft ihre Tochter mit einem barschen "Seid ihr schon wach? Ich bin bald tot, kommt mal lieber zum Frühstück" aus dem Bett. Doch eigentlich kann sie nur hilflos zusehen, wie ihre anstrengende Familie erodiert. Entweder zerfleischen sie sich am sorgfältig arrangierten Esstisch oder treffen in verschiedenen Konstellationen zu vertiefenden Erörterungen familiärer Unstimmigkeiten aufeinander. Die einzigen, die nicht nur Anstand und Mitgefühl haben, sondern die emotionalen Ränkespiele souverän ignorieren, sind Lilys Enkel Jonathan (Anson Boon), dem die besten Szenen des Films gehören, und Annas Lebensgefährtin Chris (Bex Taylor-Klaus).

Schauspielerisch ist das alles umwerfend, und viele Szenen funktionieren für sich genommen ausgesprochen gut – als Schlaglicht auf all die aufgestauten Konflikte, die es in den besten Familien geben muss, damit sie überhaupt funktionieren können. Wo gibt es denn im echten Leben schon unendliche Harmonie? Und wer würde das überhaupt ertragen?

Probleme und Konflikte flammen immer nur kurz auf, selbst nach einer unsinnig ins Finale konstruierten Affäre von Lilys Ehemann Paul (Sam Neill) und ihrer besten Freundin Liz (Lindsay Duncan) vertragen sich alle schnell wieder. Jennifer hat sogar endlich mal leidenschaftlichen Sex mit ihrem nerdigen Mann Michael (Rainn Wilson).

Bei all den Nebenschauplätzen rückt die eine Person freilich immer mehr aus dem Fokus, um die es geht: Susan Sarandon stemmt sich als sterbenskranke Frau zwar mit der Würde ihrer ganzen Schauspielkunst gegen die zunehmenden Unsinnigkeiten, ist aber schlussendlich gegen die ausufernden Banalitäten im Drehbuch machtlos. Dass Autor Christian Torpe sein eigenes Originalscript für das Remake adaptiert hat, mag man kaum glauben.

Das eigentliche Kernthema der Sterbehilfe wird zur Randnotiz in einem Wohlfühlfilm mit makabren Humorinseln. Lilys vorletzte Worte sind für die Ewigkeit: "Lasst mich nicht mit offenem Mund sterben." Ansonsten gibt es vor allem schöne Bilder zu sehen: von durch die Bank guten Schauspielerinnen und Schauspielern in einem todschicken Haus, arrangiert in Gemälden von Szenen, die aus dem Theater stammen könnten. Die interessanten Fragen aber – etwa wie sich die Menschen zur existenziellen Dualität von Leben und Tod verhalten, wenn sie persönlich betroffen sind – lässt der Film weitgehend unbeantwortet. Immerhin: Der eigentliche Abschied ist sehr ruhig und tröstlich.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

Darsteller

Erlangte als Objekt der Begierde in "Titanic" Weltruhm: Kate Winslet.
Kate Winslet
Längst schon kein Kinderstar mehr: Mia Wasikowska
Mia Wasikowska
Sam Neill ist in jeder Sorte Film zu Hause
Sam Neill
Sehr engagiert: Susan Sarandon.
Susan Sarandon
Weitere Darsteller
Lindsay Duncan Rainn Wilson Bex Taylor-Klaus Anson Boon

Neu im kino

Der Teufel trägt Prada 2 (2026)
Der Teufel trägt Prada 2
Komödie • 2026
Die reichste Frau der Welt (2025)
Die reichste Frau der Welt
Komödie • 2025
prisma-Redaktion
Pferd am Stiel – Ein Hobby-Horsing-Abenteuer (2026)
Pferd am Stiel – Ein Hobby-Horsing-Abenteuer
Familie • 2026
prisma-Redaktion
Michael (2026)
Michael
Musik • 2026
prisma-Redaktion
Rose (2026)
Rose
Drama • 2026
Paris Murder Mystery (2025)
Paris Murder Mystery
Drama • 2025
prisma-Redaktion
Lee Cronin's The Mummy (2026)
Lee Cronin's The Mummy
Horror • 2026
prisma-Redaktion
Kiss of the Spider Woman (2025)
Kiss of the Spider Woman
Liebesfilm • 2025
prisma-Redaktion
Der Magier im Kreml (2026)
Der Magier im Kreml
Drama • 2026
prisma-Redaktion
Arco (2025)
Arco
Animation • 2025
prisma-Redaktion
How to Make a Killing – Todsicheres Erbe (2026)
How to Make a Killing – Todsicheres Erbe
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Das Drama – Noch mal auf Anfang (2026)
Das Drama – Noch mal auf Anfang
Liebesfilm • 2026
prisma-Redaktion
A Missing Part (2024)
A Missing Part
Drama • 2024
prisma-Redaktion
Der Super Mario Galaxy Film (2026)
Der Super Mario Galaxy Film
Abenteuer • 2026
prisma-Redaktion
Horst Schlämmer sucht das Glück (2026)
Horst Schlämmer sucht das Glück
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Blue Moon (2025)
Blue Moon
Historie • 2025
prisma-Redaktion
Shelter (2026)
Shelter
Action • 2026
prisma-Redaktion
Der Wunderweltenbaum (2026)
Der Wunderweltenbaum
Familie • 2026
Der Astronaut – Project Hail Mary (2026)
Der Astronaut – Project Hail Mary
Science Fiction • 2026
prisma-Redaktion
Is This Thing On? (2025)
Is This Thing On?
Komödie • 2025
prisma-Redaktion
Ein Sommer in Italien – WM 1990 (2026)
Ein Sommer in Italien – WM 1990
Dokumentarfilm • 2026
prisma-Redaktion
Good Luck, Have Fun, Don't Die (2026)
Good Luck, Have Fun, Don't Die
Action • 2026
prisma-Redaktion
The Testament of Ann Lee (2025)
The Testament of Ann Lee
Historie • 2025
prisma-Redaktion
Nouvelle Vague (2025)
Nouvelle Vague
Komödie • 2025
prisma-Redaktion
The Bride! – Es lebe die Braut (2026)
The Bride! – Es lebe die Braut
Science Fiction • 2026
prisma-Redaktion
Hoppers (2026)
Hoppers
Animation • 2026
prisma-Redaktion
Gelbe Briefe (2026)
Gelbe Briefe
Drama • 2026
prisma-Redaktion
Ein fast perfekter Antrag (2026)
Ein fast perfekter Antrag
Drama • 2026
prisma-Redaktion
Marty Supreme (2025)
Marty Supreme
Drama • 2025
prisma-Redaktion
Father Mother Sister Brother (2025)
Father Mother Sister Brother
Komödie • 2025
prisma-Redaktion