Die Geschwister Lilly (Karin Hanczewski) und Franz (Sebastian Fräsdorf) sind unzertrennlich.
In "Bruder Schwester Herz" erzählt Regisseur Tom Sommerlatte die Geschichte eines Geschwisterpaares, dessen Beziehung auf eine harte Probe gestellt wird.

Bruder Schwester Herz

KINOSTART: 10.10.2019 • Komödie • D (2019) • 105 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Bruder Schwester Herz
Produktionsdatum
2019
Produktionsland
D
Laufzeit
105 Minuten
Kamera

Filmkritik

Geschwister kann keiner entzweien – oder doch?
Von Sarah Kohlberger

Ein Hin und Her zwischen Ausreißen und nicht Wegkönnen: Tom Sommerlatte spinnt mit "Bruder Schwester Herz" eine Geschichte über ein ganz besonderes Geschwisterverhältnis.

Die Verbindung zwischen Geschwistern ist etwas ganz Besonderes. Während Freunde oft kommen und gehen, bleiben Geschwister ein Leben lang. Und auch, wenn sie sich mal voneinander entfernen, ist da trotzdem immer ein Band, das sich nicht so schnell zerreißen lässt. Filme wie "Der Wein und der Wind", "Simpel" oder "All My Loving" beschäftigten sich in den letzten Jahren mit dem besonderen Verhältnis zwischen Brüdern und Schwestern. Und auch Regisseur Tom Sommerlatte schuf mit "Im Sommer wohnt er unten" (2015) ein bewegendes Geschwisterdrama. Nun wagt er sich mit der Tragikomödie "Bruder Schwester Herz" erneut an das Thema.

Sein Film erzählt von Franz (Sebastian Fräsdorf) und Lilly (Karin Hanczewski), die auf dem Hof ihres Vaters (Wolfgang Packhäuser) wohnen und dort gemeinsam eine Rinderzucht betreiben. Franz ist glücklich mit seinem Leben: Er verbringt seine Zeit gerne auf dem Pferderücken, in der Kneipe oder mit einer hübschen Dame im Bett. Seine Schwester Lilly genießt das Cowboy-Dasein zwar auch, doch ihr fehlt etwas. Was genau das ist, versteht sie erst, als sie den Hippie Chris (Godehard Giese) kennenlernt, der mit seiner Band auf der Dorfkirmes spielt und mit dem sie recht schnell anbandelt – sehr zum Leidwesen ihres Bruders. Während Lilly die Veränderung genießt, nach der sie sich so lange gesehnt hat, wird Franz immer stiller. Seine extreme Eifersucht sorgt für dicke Luft.

Nach einem heftigen Streit ist Lilly plötzlich weg – und Franz am Boden zerstört. Nun muss er von heute auf morgen alleine den Hof führen und den Vater versorgen. Bald entwickelt er sich vom entspannten Cowboy zum verbitterten Hofherren. Als Lilly dann zum Geburtstag ihres Vaters zurückkehrt, ist der Konflikt vorprogrammiert.

Die Begegnungen zwischen den Geschwistern verlaufen oft recht wortkarg in "Bruder Schwester Herz". Vielleicht fehlt ihnen deswegen auch etwas an Tiefe – viel steht nur zwischen den Zeilen. Doch dank der herausragenden schauspielerischen Leistung seiner Darsteller schafft es Regisseur Tom Sommerlatte trotzdem, die sehr facettenreiche Beziehung zwischen den Geschwistern zu beschreiben. Sie reicht von unzertrennlicher, treuer und tiefer Liebe bis hin zu genervter Aggressivität. Jeder hat seine eigenen Wunschvorstellungen, die sich jedoch stark voneinander unterscheiden: Während der sture Kindskopf Franz am liebsten alles so belassen würde, wie es ist, will sich Lilly losreißen – von den eingefahrenen Strukturen und Verpflichtungen auf der Farm, aber auch von dem eintönigen und langweiligen Leben mit ihrem Bruder. Doch kann sie wirklich loslassen?

Spannend ist dabei der Perspektivwechsel: Während man am Anfang des Films voll und ganz verstehen kann, dass Lilly ihr Leben ändern will, entwickelt sich der alleingelassene Franz in der zweiten Hälfte des Films zum Sympathieträger. Die beiden Darsteller Karin Hanczewski und Sebastian Fräsdorf treten dagegen wie ein eingespieltes Team auf – nicht zuletzt, weil sie bereits in "Im Sommer wohnt er unten" zusammen vor der Kamera standen. Trotzdem wirkt "Bruder Schwester Herz" an manchen Stellen leicht überzogen. Auch die Sturheit der zwei Geschwister ist manchmal unerträglich, besonders, als Lilly wieder zurückkehrt auf den Hof des Vaters.

Über dem Geschehen des Films mit den leichten Westernelementen hängen Wehmut und eine tiefe Sehnsucht nach alten, unbeschwerten Kindheitstagen, in denen mit den Eltern noch alles in Ordnung war und noch nicht die Last des Hofes auf Franz' und Lillys Schultern lag. "Bruder Schwester Herz" ist gleichzeitig ein mit leichter Hand inszenierter Film, der zeigt, worauf es im Leben ankommt. Regisseur Tom Sommerlatte beschreibt es so: "Wir Menschen brauchen immer ein gewisses Maß an Problemen, um uns nicht zu langweilen, und ein gewisses Maß an Heiterkeit, um nicht depressiv zu werden. Wir Menschen sind halt sehr widersprüchlich."


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller
Jenny Schily
Lesermeinung
Weitere Darsteller

Neu im kino

Shattered – Gefährliche Affäre
Thriller • 2022
prisma-Redaktion
Guillermo del Toros Pinocchio
Animation • 2022
prisma-Redaktion
"Glass Onion: A Knives Out Mystery"
Komödie • 2022
Einfach mal was Schönes
Komödie • 2022
The Magic Flute – Das Vermächtnis der Zauberflöte
Musik • 2022
prisma-Redaktion
The Menu
Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Mrs. Harris und ein Kleid von Dior
Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Crimes of the future
Drama • 2022
prisma-Redaktion
Es ist definitiv einer der Blockbuster des Jahres: Vier Jahre nach "Black Panther" startet das Sequel "Black Panther: Wakanda Forever" in den Kinos.
Black Panther: Wakanda Forever
Abenteuer, Action, Science-Fiction • 2022
prisma-Redaktion
Hui Buh und das Hexenschloss
Komödie • 2022
Wir sind dann wohl die Angehörigen
Drama • 2022
prisma-Redaktion
Amsterdam
Komödie • 2022
prisma-Redaktion
See How They Run
Mystery • 2022
prisma-Redaktion
Bros
Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Rheingold
Drama • 2022
prisma-Redaktion
Der Nachname
Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Ist Teth-Adam alias Black Adam (Dwayne Johnson, Mitte groß) ein Helfer im Kampf gegen das Böse oder selbst eine Bedrohung?
Black Adam
Action, Fantasy, Science-Fiction • 2022
prisma-Redaktion
Lyle – Mein Freund, das Krokodil
Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Halloween Ends
Horror • 2022
"Nicht verrecken" erzählt von den Todesmärschen aus den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Ravensbrück 1945.
Nicht verrecken
Dokumentarfilm
Der Passfälscher
Drama • 2022
prisma-Redaktion
Rimini
Drama • 2022
prisma-Redaktion
In einem Land, das es nicht mehr gibt
Drama • 2022
prisma-Redaktion
The Woman King
Action • 2022
prisma-Redaktion
Rex Gildo - Der letzte Tanz
Dokumentarfilm • 2022
prisma-Redaktion
Im Westen nichts Neues
Drama • 2022
prisma-Redaktion
Juan Romero (Elyas M'Barek) lassen seine Zweifel keine Ruhe. Er ist das filmische Pendant zu Juan Moreno und eine der beiden Hauptfiguren in Michael "Bully" Herbigs neuem Film "Tausend Zeilen", der den Fall Relotius satirisch aufarbeitet.
Tausend Zeilen
Drama, Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Mittagsstunde
2022
Don't Worry Darling
Drama • 2022
prisma-Redaktion
Moonage Daydream
Dokumentarfilm • 2022
prisma-Redaktion

BELIEBTE STARS