Pauline (Emilie Dequenne) ist alleinerziehende Krankenpflegerin, im Begriff sich zu verlieben und Kandidatin einer rechtsextremen Partei zu werden.
Pauline (Emilie Dequenne) ist alleinerziehende Krankenpflegerin, im Begriff sich zu verlieben und Kandidatin einer rechtsextremen Partei zu werden.

Das ist unser Land!

KINOSTART: 24.08.2017 • Drama • F / B (2017) • 119 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Chez Nous
Produktionsdatum
2017
Produktionsland
F / B
Laufzeit
119 Minuten

Filmkritik

Die schleichende Unterwanderung
Von Andreas Günther

Ein Weckruf zur rechten Zeit: Aus der Kandidatur einer Krankenpflegerin für eine rechtsextreme Partei entwickelt sich eine spannende Aufarbeitung faschistischer Umtriebe.

"Der Islam ist unser Untergang, die Europäische Union beutet uns aus und vernichtet unsere Arbeitsplätze, die Eliten betrügen das Volk": Die Partei RNP im Fast-Politthriller "Dies ist unser Land" ist eine Erfindung des Regisseurs Lucas Belvaux. Aber ihre Parolen erinnern unverkennbar an die des rechtsextremen Front National während der letzten Präsidenschaftswahlen in Frankreich. Kaum verhüllt warnt Belvaux in seinem neuen Film vor dieser Bewegung, wenn er eine ganz normale junge Frau im Norden Frankreichs in die Mühlen der RNP geraten lässt. Wie kann es so weit kommen, dass so jemand bei denen mitmacht? "Das ist unser Land" zeigt ein ganzes Stück des Wegs auf, ehe die Machenschaften faschistischer Geheimbünde ins Zentrum rücken. Das führt vom ursprünglichen Anliegen ab, ist aber wichtige politische Aufklärung.

Ort der Handlung ist Hénart, eine triste kleine Stadt im Norden Frankreichs, die mit sozialen Problemen kämpft und aus der wegzieht, wer kann. Hier arbeitet Pauline Duhez (Émilie Dequenne) als Krankenschwester für einen ambulanten Pflegedienst. Die alleinerziehende Mutter hat Mühe, den Job und ihre zwei kleinen Kinder unter einen Hut zu bringen. Außerdem kümmert sie sich um ihren kranken und deprimierten Vater. Ein einziger Vorfall wie der unerwartete Herztod einer Patientin bringt die fragile Planung zum Einsturz und zeigt auf, wie es um die Gegend steht: Die alte Frau ist kaum tot, da rauben Unbekannte schon ihr Häuschen aus. Dr. Berthier (André Dussollier), mit dem Pauline bei vielen Fällen zusammenarbeitet, wird nicht müde, ihr die unbefriedigende Situation von Hénart in kleinen Bemerkungen vor Augen zu führen.

Eines Abends, im Rahmen eines stilvollen Abendessens zu zweit in seinem großbürgerlich eingerichteten Haus, rückt der Arzt gegenüber Pauline mit der Sprache heraus: Ob sie sich nicht vorstellen könnte, für die RNP als Bürgermeisterin zu kandidieren, um endlich die vorherrschenden Verhältnisse zum Besseren zu verändern? Pauline ist erst sprachlos, dann wenig begeistert. Sie hat bisher links gewählt wie ihr Umfeld, und ihr Vater ist Altkommunist. Aber nachdem eine sehr gute Freundin sich positiv über RNP geäußert hat und die Parteiführerin (Catherine Jacob) Vertrauen zu ihr fasst, erklärt sie sich einverstanden. Pauline weiß nicht, dass ihr neuer Freund Stanko (Guillaume Gouix) in faschistisch-paramilitärische Umtriebe der RNP verwickelt ist.

Aufnahmen wie aus einem Thriller

In welche Richtung ein Film geht, verrät sich meist schon in den ersten Momenten. "Das ist unser Land" irritiert mit Aufnahmen wie aus einem Thriller, wenn Pauline ihre verstorbene Patientin entdeckt. Dieser Stil scheint nicht zum Weg von Pauline zur RNP zu passen. Tatsächlich findet der Wechsel zum Spannungsfilm gerade dann statt, als Paulines erste Kandidaten-Auftritte anstehen. Da büchst Monsieur Belvaux vor der selbstgestellten Aufgabe aus.

Allerdings tut er etwas sehr Wichtiges. Gestützt auf Recherchen über den Front National, zeigt er an der Figur des Stanko die enge Verbindung des Rechtsextremismus zur Gewalt gegen Migranten und andere Minderheiten auf. Rechtsextreme Gruppierungen zu wählen oder zu unterstützen, so gibt der Film deutlich zu verstehen, fördert eine schleichende Unterwanderung durch faschistische Brutalität und deren Verharmlosung. Das ist eine enorm wichtige Botschaft, gerade in dieser Zeit.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

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