Seit sie denken kann, wollte sie nichts mehr, als ein Star der WWE zu werden: Der von Dwayne Johnson produzierte Film "Fighting with my Family" erzählt die Geschichte von Wrestling-Superstar Paige – recht frei und fiktionalisiert, aber auch mit Feuer unter Hintern.

Auch wenn Dwayne Johnson mit seiner imposanten Statur das Filmplakat von "Fighting with my Family" dominiert: Zu sehen ist "The Rock" nur in wenigen Szenen. Dennoch – gegeben hätte es das Biopic ohne ihn wohl kaum. Als Johnson 2013 in England "Fast & Furious 6" drehte, zappte er abends im Hotel durch die Kanäle und blieb bei einer Doku über eine vom Wrestling besessene Familie aus Großbritannien hängen. Die Knights fuhren nicht nur zu sämtlichen Wrestling-Events, sondern stiegen sogar selbst in den Ring. Und Tochter Saraya schaffte es gar bis in die illustre Riege der amerikanischen WWE-Stars. Aus dieser Underdog-Geschichte machte Johnson, der auch als Produzent fungierte, zusammen mit seinem Freund und Kollegen Stephen Merchant ein hoch emotionales Sportlerdrama.

Ricky (Nick Frost) und Julia (Lena Headey, "Game of Thrones") sind Wrestler mit Leib und Seele und haben diese Leidenschaft auch an ihre Kinder weitergegeben. Bei einem Probetraining der Wrestling-Organisation WWE erhalten Zak (Jack Lowden) und Saraya (Florence Pugh, "Lady Macbeth") die Chance auf ein Probetraining, aber nur in Saraya, die den Ringnamen Paige annimmt, sieht man das nötige Potenzial. Während sie in die USA geht, um sich einem noch strengerem Auswahlverfahren zu unterziehen, bleibt Zak in Norwich zurück und hadert mit seinem Leben. Aber auch Paige ist weit davon entfernt, ihren Traum wahr werden zu lassen.

Dass dieser Traum schließlich wahr wird, weiß man natürlich. Auch dann, wenn man mit Wrestling nicht viel am Hut hat. Denn "Fighting with my Family" erzählt die Geschichte einer Gewinnerin – und macht das in jedem Moment deutlich. Der Film folgt dem klassischen Muster vieler anderer Underdog-Geschichten aus dem Sportlermilieu. Da gibt es das harte Training, die Rivalitäten mit den anderen Athleten und natürlich auch den Moment, an dem Paige einfach nur aufgeben will.

Angetrieben wird sie von einem Mentor (Dwayne Johnson) und von einem Trainer, der Potenzial in ihr sieht. Vince Vaughn, der hier nach langer Zeit wieder mal eine Rolle gefunden hat, in der er wirklich glänzen kann, spielt diesen Mann. Es gibt den einen ganz großen Moment für ihn, als er Paige erklärt, wieso er ihren Bruder nicht mitgenommen hat in die USA – ein emotionaler Höhepunkt in einem an Gefühlen durchaus reichen Film. Denn "Fighting with My Family" bedient natürlich die emotionale Klaviatur perfekt. Regisseur Stephen Merchant, der auch das Skript geschrieben hat, weiß, welche Knöpfe er drucken muss.

Da eine Siegerstory aber immer auch größer als das Leben ist, erlaubt er sich einige Freiheiten. Der Höhepunkt beim Wrestling-Event RAW, als Paige ihren Durchbruch erlebt, ist im Film erhebender, als er es in der Realität war. Denn in Wirklichkeit war Paige damals längst keine Unbekannte mehr. Im Film aber ist sie noch immer Underdog. "Fighting with my Family" erzählt davon, dass man an seinem Traum glauben und ihn auch verwirklichen kann. Aber er bricht auch aus dieser Formelhaftigkeit aus, weil er sich traut, auch auf Paiges Bruder Zak zu blicken. Der hat dasselbe Talent, denselben Traum, aber ihm fehlt das besondere Etwas. In der Welt des Wrestlings wäre er nie groß geworden. Damit hat er zu kämpfen, ist enttäuscht, traurig, auch wütend.

Im Grunde ist seine emotionale Reise die deutlich herausforderndere, für den Zuschauer aber auch die befriedigendere. Weil die meisten Menschen zwar Träume haben, aber längst nicht jeder die Chance, das Glück oder das Können hat, um diese Wirklichkeit werden zu lassen. So ist "Fighting with My Family" auch ein Film darüber, dass man Träume loslassen können muss. Oder sie zumindest eine Stufe kleiner träumen sollte. Und dass man dann auch auf andere Weise sein Glück finden kann. Gerade damit erhebt sich dieser dramatische, aber oft auch lustige Film über ähnliche Siegergeschichten. Weil er die Verlierer, die es auch geben muss, nicht aus den Augen verliert.


Quelle: teleschau – der Mediendienst