Oh Schreck, plötzlich steht der schmutzige "Zigeuner" Babik (Ary Abittan), samt seiner Familie und dem zwangsgeräumten Franzosen Erwan (Cyril Leconte, rechts) vor den Toren der Fougeroles.
Philippe de Chauverons "Hereinspaziert!" ist eine Komödie, bei der einem das Lachen vergeht.

Hereinspaziert!

KINOSTART: 21.09.2017 • Komödie • F / B (2017) • 93 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
À bras ouverts
Produktionsdatum
2017
Produktionsland
F / B
Laufzeit
93 Minuten

Filmkritik

Monsieur Fougerole und seine Roma
Von Gabriele Summen

Mit "Monsieur Claude und seine Töchter" landete Philippe de Chauveron einen Überraschungshit. Nun versucht der Regisseur das Kino-Publikum mit "Hereinspaziert" erneut mit einem Clash der Kulturen zu begeistern. Ebenso bittet er wieder Christian Clavier und Ary Abittan zu Tisch, Skriptkoch ist abermals Guy Laurent. Dumm nur, dass de Chauverons "Wohlfühlkomödie" dieses Mal so gar nicht schmecken will. Sie hinterlässt sogar einen ganz schön üblen Nachgeschmack.

Der betuchte Linksintellektuelle Jean-Etienne Fougerolle (Christian Clavier), Autor des Sachbuches "Hereinspaziert!", in dem er für eine offene Willkommenskultur plädiert, lebt wie "Gott in Frankreich". Mit seiner Frau Daphne (Elsa Zylberstein) und ihrem Sohn Lionel (Oscar Berthe) bewohnt er eine riesige Villa und lässt sich von einem indischen Hausangestellten bedienen, der wirklich jedes Klischee erfüllt, das man über Inder oder Diener haben kann.

Erste Warnung

Diese ersten Szenen sollten dem Zuschauer schon eine Warnung sein: Alle versuchten Witze in diesem Film wollen auf politisch inkorrekte Weise zünden. Doch bereits die Konfrontation des devoten, geldgierigen Dieners mit seinen sich linksliberal gebenden "weißen Herrschaften" ist vor allem eins: schrecklich unangenehm. Denn die Komik, die sich aus diesen Situationen ergibt, ist bei weitem nicht bissig, originell und nuanciert genug, um intelligent zu sein.

Während sich Jean-Etiennes Frau Daphne ganz nach Art der neurotisch-nichtsnutzigen Zicke aus reichem Hause ihren selbstverständlich grauenvollen Kunstprojekten widmet, bereitet sich Jean-Etienne, der ausdrücklich als Karikatur des umstrittenen französischen Publizisten und Philosophen Bernard Henri Lévy angelegt ist, auf eine Talkshow vor. In der will er sich medienwirksam mit einem jungen Rechtspopulisten anlegen, über dessen Lebensstil als Homosexueller sich de Chauveron auch noch vorurteilsbeladen lustig macht.

Im Verlaufe der Sendung wird Monsieur Fougerole derart provoziert, dass er sich zu der Äußerung hinreißen lässt, dass er jederzeit bereit sei, etwa eine Roma-Familie bei sich aufzunehmen. Zu seinem Entsetzen steht tags darauf Babik (Ary Abittan) samt Familie, Wohnwagen und Hausschwein vor seiner Tür und bittet um Asyl.

Kino zum Fremdschämen

Babik, das Oberhaupt der unsympathischen, durchweg als geistig beschränkt gezeichneten Roma-Familie, entspricht dann wirklich auch allen Vorurteilen über "Zigeuner": Unrasiert, ungehobelt, schlechte Zähne, stiftet er seine Familie zum Betteln und Klauen an, schlägt seinen behinderten Cousin und verteidigt die Jungfräulichkeit seiner ungebildeten 17-jährigen Tochter mit Klauen und Zähnen. Ansonsten aber ist er fröhlich und bringt Leben in die Bude der blasierten Fougeroles.

Da fragt man sich schon, was de Chauveron sich dabei gedacht hat, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben: Die Roma-Familie samt ihrer barbarischen Sitten bleibt dem Zuschauer fremd, während die formelhaft bourgeoisen Fougeroles einfach nur langweilen. Man hofft nur, dass die schöne Zigeunertochter möglichst bald den Jean-Etiennes Sohn Lionel verführt, denn man muss keinen Drehbuchkurs besucht haben, um zu wissen, dass der 93 Minuten lange Film sich dann rasch seinem heuchlerischen Happy-End zuneigt. Französisches Schlechtfühlkino zum Fremdschämen.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller
Weitere Darsteller

Neu im kino

Rex Gildo - Der letzte Tanz
Dokumentarfilm • 2022
prisma-Redaktion
Im Westen nichts Neues
Drama • 2022
prisma-Redaktion
Juan Romero (Elyas M'Barek) lassen seine Zweifel keine Ruhe. Er ist das filmische Pendant zu Juan Moreno und eine der beiden Hauptfiguren in Michael "Bully" Herbigs neuem Film "Tausend Zeilen", der den Fall Relotius satirisch aufarbeitet.
Tausend Zeilen
Drama, Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Mittagsstunde
2022
Don't Worry Darling
Drama • 2022
prisma-Redaktion
Moonage Daydream
Dokumentarfilm • 2022
prisma-Redaktion
Ticket ins Paradies
Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Lieber Kurt
Komödie • 2022
Orphan: First Kill
Horror • 2022
prisma-Redaktion
Das Leben ein Tanz
Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Alle für Ella
Komödie • 2022
Das Glücksrad
Drama • 2021
prisma-Redaktion
Freibad
Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Kein Blockbuster-Stoff, trotzdem ein echtes Kino-Erlebnis: Mit "Three Thousand Years of Longing" präsentiert George Miller seinen zehnten Spielfilm.
Three Thousand Years of Longing
Fantasy • 2022
prisma-Redaktion
Die Känguru-Verschwörung
Satire • 2022
prisma-Redaktion
After Forever
Drama • 2022
prisma-Redaktion
Beast – Jäger ohne Gnade
Horror • 2022
prisma-Redaktion
Mein Lotta-Leben – Alles Tschaka mit Alpaka!
Kinderfilm • 2022
prisma-Redaktion
Jagdsaison
Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Der Gesang der Flusskrebse
Drama • 2022
prisma-Redaktion
Der Engländer, der in den Bus stieg und bis ans Ende der Welt fuhr
2021
prisma-Redaktion
Nope
2022
prisma-Redaktion
Der junge Häuptling Winnetou
Abenteuerfilm • 2021
Nicht ganz koscher – Eine göttliche Komödie
Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Bullet Train
Actionkomödie • 2022
prisma-Redaktion
Guglhupfgeschwader
2022
prisma-Redaktion
Hatching
Fantasy • 2022
prisma-Redaktion
Der perfekte Chef
Komödie • 2021
prisma-Redaktion
DC League of Super-Pets
Animationsfilm • 2022
prisma-Redaktion
Bibi & Tina – Einfach anders
Abenteuerfilm • 2022
prisma-Redaktion

BELIEBTE STARS

Komische Gesichter sind seine Spezialität: Rowan Atkinson
Rowan Atkinson
Lesermeinung
Schauspielerin Martina Gedeck.
Martina Gedeck
Lesermeinung
Mimt gerne den alten Haudegen: Scott Glenn.
Scott Glenn
Lesermeinung
Lässiger Typ: Schauspieler Karl Urban.
Karl Urban
Lesermeinung
Wurde als "Punisher" bekannt: Thomas Jane.
Thomas Jane
Lesermeinung
Der Mann mit dem Schnauzbart: Tom Selleck.
Tom Selleck
Lesermeinung
Traci Lords schaffte den Absprung vom Pornofilm.
Traci Lords
Lesermeinung
Caroline Peters in der gefeierten Krimiserie "Mord mit Aussicht".
Caroline Peters
Lesermeinung
Tom Beck in der RTL-Serie "Alarm für Cobra 11 – Die Autobahnpolizei".
Tom Beck
Lesermeinung
Nach dem Studium trat sie in New York in einigen Theaterstücken auf: Sienna Miller.
Sienna Miller
Lesermeinung
Smart und vielseitig: Heino Ferch, hier in dem
Familiendrama "Vater Mutter Mörder"
Heino Ferch
Lesermeinung
Kim Basinger gehört zu den meist gefragten Stars
Kim Basinger
Lesermeinung