Ramona (Jennifer Lopez, links) und Destiny (Constance Wu) wissen, was Männer wollen. Noch mehr aber wissen sie, was sie selbst wollen: Geld.
Sozialkritik mit viel nackter Haut: "Hustlers" erzählt, basierend auf einer wahren Geschichte, von New Yorker Stripperinnen, die nach der Finanzkrise von 2008 ihren ganz eigenen Weg gehen.

Hustlers

KINOSTART: 28.11.2019 • Drama • USA (2019) • 111 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Hustlers
Produktionsdatum
2019
Produktionsland
USA
Laufzeit
111 Minuten

Filmkritik

Die Welt ist ein Stripclub
Von Felicitas Hübner

In den Stripclubs von New York ist vor 2008 der Teufel los. Doch als die Wall Street kollabiert, brechen auch die Einnahmen der Stripperinnen weg. Vier Frauen aus dem Gewerbe denken in "Hustlers" schon bald über neue Verdienstmöglichkeiten nach.

Vor dem großen Finanzcrash laufen die Geschäfte verdammt gut für die Stripperinnen in der Stadt New York. Die Devise heißt "Make money not love". Die Männer der Wall Street brauchen Entspannung nach einem harten Arbeitstag im Zockmodus. Die im Club arbeitenden Frauen brauchen das Geld dieser Männer, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Der Star des Stripclubs im Film "Hustlers" von Lorene Scafaria heißt Ramona und wird von Jennifer Lopez gespielt. Sie ist die beste Performerin an der Tanzstange. Sie bringt die Männer in Rage und Ekstase, die sie zum Lohn mit Dollarscheinen bewerfen. Auch Ramona weiß, wie geil Geld ist. Ramona kennt die Branche. Und so weiht sie die neue und unerfahrene Kollegin Destiny (Constance Wu) in die Geheimnisse der verklemmten Gelüste ein.

Im September 2008 kollabiert das System Wall Street. Mit den Gehältern der Banker sinken die Einnahmen der Stripperinnen. Die toughe Ramona aber hat einen Plan: Was die Jungs können, kann sie auch. Sie will zurückzocken. Ein Team aus vier Frauen tritt an: die Asiatin Destiny, die Schwarze Mercedes (Keke Palmer), die unter Stress stehende Blondine Annabelle (Lili Reinhart) und eben Ramona, die Latina mit den hoch versicherten Körperteilen.

"Hustler" bedeutet Prostituierte, Nutte und Stricher. Der US-amerikanische Verleger Larry Flint gründete 1974 eine gleichnamige Zeitschrift, um damit für seinen eigenen Stripclub Werbung zu machen. "Hustler" bedeutet aber auch Abzockerin. Und so wollen die vier Damen von ihren ehemaligen Kunden das, was ihnen ihrer Meinung nach zusteht: Geld, viel Geld. Und das holen sie sich. Mit Mitteln, die so schmutzig sind wie jene, durch die ihre Kunden einst an ihr Vermögen gekommen sind.

Diese Gesellschaftskritik, die Regisseurin Scafaria in "Hustlers" verpackt, ist zwar mit viel Glitter und Strass behaftet, aber nie scharf und böse. Vereinzelte Szenen lassen ins Milieu blicken: Ein Megabanker wird durch den Hintereingang Ramona und Destiny zugeführt. Machtbewusst, aber gelangweilt wirft er ihnen für jeden lasziven Hüftschwung eine Dollarnote rüber. Eine kurze, sportive Penetrationsszene zeigt der Film, der lose auf wahren Ereignissen beruht, auch. Ansonsten aber gibt sich "Hustlers" eher zugeknöpft. Warum die Männer so viel Geld für die Ladys ausgeben, wird nicht gezeigt. Man weiß es ja eh. Aber das ist eine der Schwächen des Films: Abgründe spart er nahezu aus. Wohl aber erklärt Ramona der menstruierenden Annabelle, wie tief der Tampon eingeführt werden muss, damit der Kunde nichts merkt.

Eine kleine Situation im Pausenraum der Stripperinnen: Die Frauen erzählen ein wenig aus ihrem Leben. Warum sie diese Arbeit so dringend brauchen. Kinder, Schulden, keine anderen Jobchancen. Aber auch diese Szene hätte mehr Tiefe verdient gehabt. Für das Innenleben ihrer Protagonistinnen interessiert sich die Regisseurin eher mäßig. Der Film zeigt die Welt der kaufbaren Befriedigung im freundlichen Hochglanzstil. Die fiebrige Erregung fehlt. Regisseurin Lorene Scafaria hätte sich mehr trauen sollen, die eigene innere Sau rauszulassen. Es geht einfach zu nett und sauber zu. Ein großartiges Gegenstück gab es in Martin Scorseses "The Wolf of Wall Street" von 2013. In einer Szene im Großraumbüro feierten die Börsianer sich selbst, mit Koks, Marschmusik und Nutten. Der hauseigene Mob tobte in Trance und Irrsinn, großartig choreografiert.

In einer Szene von "Hustlers" feiern Ramona und die Ladys ein männerfreies Weihnachtsfest. Sie machen sich Riesengeschenke aus den teuersten Läden der Stadt und fallen sich dafür kichernd um die schönen Hälse. Regisseurin Lorene Scafaria macht hier dasselbe wie die Männerwelt in ihrem Film: Sie macht die Frau zur Ware.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

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