Das Leben mit all den Menschen überfordert Maria (Alexandra Borbély) bisweilen arg.

Körper und Seele

KINOSTART: 21.09.2017 • Drama • HUN (2017) • 116 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
A Teströl és Lélekröl
Produktionsdatum
2017
Produktionsland
HUN
Laufzeit
116 Minuten
Kamera

Filmkritik

Wovon träumen eigentlich Hirsche?
Von Andreas Fischer

Die Filmfestspiele Berlin geben sich nur allzu gerne politisch. Umso bemerkenswerter ist es, dass in diesem Jahr der ungarische Film "Körper und Seele", ein sehr schöner sowie sehr poetischer Liebesfilm, den Goldenen Bären gewonnen hat. Die ganz großen politischen Botschaften jedenfalls findet man nicht auf dem Budapester Schlachthof, der Schauplatz einer Liebesgeschichte ist, wie sie wahrhaftiger lange nicht erzählt wurde im Kino.

Gänzlich unpolitisch ist "Körper und Seele", der auf der Berlinale auch bei den Zuschauenden sehr gut ankam und einen Publikumspreis gewann, allerdings auch nicht. Regisseurin Ildikó Enyedi lässt in ihrer Schlachthof-Romanze zwei unmögliche Lover zueinander finden und zeichnet dabei ein ziemlich nüchternes Bild des modernen Ungarns, das sich auch auf andere Gesellschaften übertragen lässt: feinfühlig beobachtet, mit Kameraperspektiven, die sich eher für die Details am Rand interessieren als das Offensichtliche im Zentrum.

Hirsche im Wald, die sich näher kommen

Endre (Géza Morcsányi) und Maria (Alexandra Borbély) sind ein sehr unwahrscheinliches Paar. Der Schlachthof-Chef ist seit Jahren allein und hat es sich in seinem erzwungenen Single-Dasein halbwegs bequem eingerichtet, den gelegentlichen unverbindlichen Triebablass eingeschlossen. Seine neue Kollegin Maria ist eine ziemlich penible Qualitätskontrolleurin, die sich am wohlsten fühlt, wenn sie sich zwischen Rinderhälften verstecken kann, niemanden anfassen muss und auch selbst nicht berührt wird.

Einer Psychologin, die einen Potenzmittel-Diebstahl untersucht, erzählen sie unabhängig voneinander den gleichen Traum. Sie sind Hirsche im Wald, die sich auf der Suche nach Futter durch die Winterlandschaft bewegen und sich dabei näher kommen. Anders als es die Träumenden können, deren lahmer Arm (Endre) und Berührungsphobie (Maria) nur die sichtbaren Zeichen seelischer Verletzungen sind.

Die Hirsche kommen immer wieder, sie werden zu Hauptdarstellern des Films, müssen die Wünsche und Sehnsüchte erfüllen, die sich die Menschen unerfüllt lassen. Eine sehr kluge Allegorie, die sich Ildikó Enyedi hat einfallen lassen und in aller Konsequenz, zu der auch dokumentarische Aufnahmen vom Schlachtbetrieb gehören, umsetzt. Aus der Tristesse des durchnormierten Großstadtlebens geht es in die Natur und wieder zurück. Die Übergänge sind fließend, sodass man sich unweigerlich fragt, wovon die Hirsche eigentlich träumen.

Leise Tragik und feine Komik

Zwischen Korruption, Borniertheit, Profitgier und Oberflächlichkeit schaffen es Endre und Maria in einem Film von leiser Tragik und feiner Komik, ihre körperlichen und seelischen Handicaps zu überwinden. Wenn es den beiden gelingt – so könnte man den Goldenen Bären für "Körper und Seele" auch interpretieren –, dann besteht vielleicht doch noch Hoffnung in der Welt. Was dann sogar als politische Botschaft ausgelegt werden könnte.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

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